Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Umwelt: „Grün“ zu sein kostet

von Ansgar Lange

Wer bezahlt den Lifestyle der Öko-Schickeria?

Die grüne Welle hat die Insel erreicht. Umweltbewusstsein sei in den besseren Kreisen Großbritanniens zu einer Art Statussymbol geworden, schreibt Marion Löhndorf in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Grün zu sein koste allerdings: Man müsse sich Solarzellen auf dem Dach, elektrische Motorroller, das Einkaufen beim Supermarkt der Luxusklasse Waitrose und in Bioläden, Bio-Weine, Pilates-Kurse und Weltumseglungen auf Katamaranen aus Plastikflaschen – wie der eitle britische Bankiers-Erbe David de Rothschild – schließlich leisten können. Heutzutage sei Umweltfreundlichkeit geradezu ein Erkennungszeichen der oberen Mittelklasse geworden, konstatiert auch die „Sunday Times“. Die Ururgroßmütter der heutigen Jeunesse dorée hätten den Armen noch Besuche abgestattet und sie mit Rat und Almosen versehen. Ihre Nachfahren verbrächten ihr Gap-Jahr nach dem Studium in Kenia, um Elefanten zu retten. „Das mit hohem Einsatz gelebte und vorgeführte Umweltbewusstsein derer, die es sich leisten können, ist zum zeitgemäßen Gesicht der Philanthropie geworden“, so die „NZZ“.

Auch die vormalige Solinger Gesamtschullehrerin und grüne Fraktionsvorsitzende in NRW, Sylvia Löhrmann, kauft gern im Bioladen. Dass grüne Weltverbesserungsideologie nicht nur reiche Snobs Geld kostet – wie im Beispiel Großbritannien –, sondern massiv die Haushalte belastet, zeigen die jüngsten Pläne von Rot-Grün in NRW. Eigentlich sind die Kassen klamm. Doch um ihre Lieblingsprojekte zu finanzieren, muss die künftige NRW-Regierung zwischen einer und zwei Milliarden Euro mehr ausgeben. Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ will man 500 Millionen Euro an die notleidenden Kommunen überweisen. Weitere 250 Millionen Euro will das Land sich die Abschaffung der Studiengebühren kosten lassen. Noch einmal 250 Millionen Euro sollen in den Bereich Kinder und Jugendliche fließen. Die SPD will mit dem Geld ein beitragsfreies Jahr in Kindergärten finanzieren. Und ein paar nette Gender-Projekte lassen sich die Weltverbesserer sicher auch noch einfallen.

Und wer soll das bezahlen? Natürlich der Steuerzahler. „Die ermäßigte Mehrwertsteuer auf große Produktgruppen kann sowieso kein Mensch nachvollziehen“, tönten bereits die Grünen. Zur Finanzierung ihrer grün-rosaroten Wünsch-Dir-Was-Politik wird die künftige Regierungschefin Hannelore Kraft daher im Bundesrat voraussichtlich auf höhere Einnahmen aus der Mehrwertsteuer drängen. Wie schön, dass CDU und FDP an Rhein und Ruhr völlig paralysiert sind und sich auf Personalkämpfe sowie darauf fokussieren, wie lange Jürgen Rüttgers Gebrauch von einer Dienstlimousine, einem Büro und einer Sekretärin machen darf.

Irgendwie gefallen mir die britischen „Grünen“ besser. Sie nennen zwar ihre Kinder „Apple“ wie Gwyneth Paltrow, sehen dafür dann aber auch eindeutig geiler aus als die grünen Powerfrauen aus dem Bergischen. Und sie zahlen für ihren neuen Spleen aus eigener Tasche, während die spießigen deutschen Grünen wie immer den Steuerzahler über den Tisch ziehen wollen. Die einen können sich ihre grüne Gesinnung leisten, weil sie selbst dafür zahlen. Die anderen können sich ihre grüne Gesinnung nicht leisten, und lassen daher andere dafür blechen. Die Grünen sind daher – im wahrsten Sinne des Wortes – eine asoziale Partei.

07. Juli 2010

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