| |||||
![]() Studierte Rechtswissenschaften in Wien und Madrid. Mitarbeiter am Institut für Wertewirtschaft; seine Beiträge geben jedoch nicht unbedingt die Meinung des Instituts wieder. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Profi-Basketball: Wenn die besten sich verbündenvon Ralph Janik Warum Sport und freie Wirtschaft keine Wettbewerbsbehörden brauchen Mannschaftssport hat sich schon seit je her als Parabel für das wirtschaftliche Treiben und als Plädoyer für die Verschiedenheit der Menschen geeignet. Wären sämtliche Akteure eines Basketball-Teams (fünf sind es) gleich groß, gleich schnell, gleich stark, gleich gut in Dribbling und Wurf, wäre die Angelegenheit äußerst langweilig. doch die Zusammensetzung der einzelnen Teams der NBA, die gegeneinander um die begehrte Trophäe in Wettbewerb treten, ist höchst unterschiedlich. Denn die Teams leben davon, die richtige Zusammensetzung aus verschiedenen Akteuren zu haben; Spieler zu finden, die einander gut ergänzen. Eines mag einen starken Center haben, um den es gute Werfer schart (Orlando). Wieder andere einen Star, der nach Belieben punkten kann und der gute große Kollegenspieler unterm Korb hat, die ihm den Rücken freihalten (die LA Lakers). So gibt es fünf Positionen, die jeweils unterschiedlich besetzt sind; einen Spielmacher (Point Guard), der die Spielzüge ansagt und das Spiel organisiert; meistens der kleinste Spieler am Feld, der dafür umso besser dribbelt, wirft und passt – sich aufgrund seiner Schwäche (der Körpergröße) auf Dinge spezialisiert hat, für die man nicht zwei Meter groß zu sein braucht. Einen Shooting Guard, der zumeist für die Punkte zuständig ist; einen „Small Forward“, einen Flügelspieler, der grundsätzlich für alles zuständig ist. Und die größten (von der Länge her gesehen), der Power Forward und der Center, die unterm Korb stehen, von dort aus punkten, rebounden und gegnerische Würfe blocken. Die Aufgaben von Point Guard, Shooting Guard und Small Forward können etwas variieren; so sind Shooting Guards nicht immer Punktemacher, Point Guards nicht immer diejenigen, die den Ball am meisten kontrollieren, und die Small Forwards sind oft diejenigen, die den Ball am meisten in den Händen halten und am meisten punkten. Auf dieser Position spielt Lebron James, der im Moment größte Name in der amerikanischen Profi-Basketballliga, der NBA. Seit seinem Eintritt in die Liga im Alter von 19 Jahren hat er für Furore gesorgt, Rekorde gebrochen und ist zur größten Marke seit Michael Jordan geworden. Einzig ein Championship-Titel ist ihm bislang verwehrt geblieben (in der Saison 2006/2007 erreichte er mit seinen Cleveland Cavaliers das Finale, in dem er jedoch unterlag) – die größte Auszeichnung für einen NBA-Spieler. Viele Legenden sind dabei gescheitert, den begehrten Ring zu ergattern: Karl Malone und John Stockton oder Charles Barkley etwa schafften es nie, an Michael Jordans Chicago Bulls vorbeizukommen. Lebron James hat sich, wohl besorgt darüber, ein ähnliches Schicksal zu erleiden – einer der größten Spieler aller Zeiten zu sein, ohne einen Championship-Ring ergattert zu haben, dieses Jahr dafür entschieden, das Team zu wechseln – und spielt seit Unterschreiben eines Vertrags bei den Miami Heat nun mit zwei anderen der besten Spielern der Liga (Chris Bosh hatte ebenfalls diesen Sommer bei Miami unterschrieben), um das vermutlich beste Trio aller Zeiten zu bilden. Dafür verzichteten er und Bosh auf jede Menge Geld; denn in der NBA gibt es ein kompliziertes System, das es Teams verbietet, über eine gewisse Summe zu gehen, um den Kader zu finanzieren (Salary Cap). Weiters gibt es eine Gehaltsobergrenze. Um zu ermöglichen, dass drei der besten Spieler im besten Alter im selben Team spielen, mussten sie Verträge unter dem Maximalgehalt unterzeichnen. Sie begründen diese Entscheidung damit, mehr als alles andere gewinnen zu wollen, Geschichte zu schreiben; überdies sind die drei seit längerem befreundet und es heißt, dass sie seit ihrem gemeinsamen Auflaufen für das US-amerikanische Basketballteam beschlossen haben, für Miami, also Dwayne Wades Team, zu spielen, sobald die Verträge von Bosh und James auslaufen (also diesen Sommer). Diese Vermutung wird durch das geschickte Agieren von Miamis General Manager, Pat Riley (einem der ausgefuchstesten Hasen der Liga) vorab, genügend Spieler von der Gehaltsliste zu bringen, um sich alle drei leisten zu können, bekräftigt. Miami ist trotz allem noch nicht Meister. Eine Saison hat 82 Spiele, gefolgt von Playoffs nach dem K.O.-Prinzip. Verletzungen stehen an der Tagesordnung. Das Team muss harmonieren. Es gibt unzählige Steine, die auf dem Weg zum Gewinn einer Meisterschaft stehen und umso mehr auf dem Weg zum Gewinn von mehren Meisterschaften. Gewiss, es gibt Beispiele von dominierenden Teams – die LA Lakers und die Boston Celtics in den 1980er Jahren. Michael Jordans Chicago Bulls in den 1990er Jahren, die sechs Meisterschaften gewannen (in den Saisonen, in denen andere Teams Meister wurden, spielte Michael Jordan nicht). Die LA Lakers zu Beginn des neuen Jahrtausends. Doch selbst wenn Teams dominierten, so gab es eine harte Konkurrenz und sie konnten sich nicht zurücklehnen, als sei der Gewinn des Titels eine Selbstverständlichkeit. Denn die anderen Vereine schlafen nicht, verstärken sich ebenfalls, haben vielleicht Glück, einen gesund bleibenden Kader, Spieler in Überform – es ist nie eine ausgemachte Sache, wer den Titel gewinnt. Es gibt Favoriten, aber keinen fixen Meister. Und manchmal werfen auch die Underdogs die Großen aus den Playoffs (wie etwa der deutsche Basketball-Stark schmerzlich lernen musste, als seine Topgesetzten Dallas Mavericks gegen den achten, die Golden State Warriors, die sich gerade noch für die Playoffs qualifiziert hatten, ausschieden; oder als die New York Knicks 1999 als letztqualifiziertes Team bis ins Finale vorstießen). Es gibt sogar ein Beispiel für eine ähnliche Situation wie der heutigen rund um die Miami Heat; in der Saison 2003/2004 entschieden sich die alternden Stars Gary Payton und Karl Malone, die beide große Karrieren ohne einen Champion-Titel vorweisen konnten, zu den LA Lakers zu gehen, um mit den beiden bereits in LA spielenden Superstars Shaquille O’Neal und Kobe Bryant einen Titel zu gewinnen. Ein Team, das – zumindest auf dem Papier – noch stärker war als die Miami Heat; aus 4 zukünftigen Hall of Famern (in die die besten Spieler aller Zeiten nach Karriereende aufgenommen werden) bestand und für die meisten als absolut unschlagbar galt – ähnlich wie die Miami Heat heute. Einzig, dass sie im Finale klar den Detroit Pistons unterlagen – einem Team, das keinen einzigen Superstar im Kader hatte, dafür aber auf harte Verteidigung und Teamspiel setzte und alles gab. In dem die Spieler sich ihrer Rollenverteilung bewusst waren und harmonierten, während im Starkader der LA Lakers gestritten wurde. Karl Malone beendete daraufhin gefrustet und verletzungsgeplagt seine Karriere, Gary Payton heuerte bei den Miami Heat an (wo er 2005 doch noch seinen Titel gelangt, allerdings als bedeutungsloser Spieler). Nun, wieso dieser Ausflug in den US-amerikanischen Profisport an dieser Stelle? Ungeachtet der strengen Auflagen (Maximalgehalt, Obergrenze für alle Spielergehälter in einem Kader zusammengenommen) ist es zu etwas gekommen, das im Bereich der Wirtschaft sehr oft passiert – man kann die Kollaboration dieser drei Profis im besten Alter als „Fusion“ ansehen. Große, miteinander konkurrierende Einzelspieler, die in ihren jeweiligen Teams die zentralen Akteure waren, haben sich beschlossen, nicht mehr miteinander zu konkurrieren, sondern sich zusammenzutun, um gemeinsam Erfolg zu haben, die Konkurrenz also zu eliminieren. Ganz wie wenn Großunternehmen beschließen, miteinander zu fusionieren oder Preisabsprachen zu treffen, um den Gewinn zu erhöhen, da man etwa die Preise höher ansetzen kann als dies in der Fall wäre, wenn man konkurrieren würde. Allein, und hier liegt der Unterschied – in der NBA gibt es keine Instanz, die einen derartigen Zusammenschluss oder derartige Absprachen (auf Gehaltsverzicht) verbietet. Zwar wurden einige Stimmen laut, die ein Einschreiten des NBA-Commissioners David Stern forderten. Es hieß, die Liga würde an Attraktivität verlieren, auf Jahre uninteressant wären, weil klar sei, dass Miami unschlagbar sein wird und Meistertitel in Serie einfahren wird. Die Fans würden ihr Interesse verlieren. Also dieselben Argumente, die gegen Fusionierungen und Preisabsprachen ins Feld gebracht werden; dass eine zu starke (wirtschaftliche) Machtkonzentration den Markt schädige, Wettbewerb verunmögliche oder die Gefahr eines Monopols mit sich bringe – also der Situation, in der es keine Alternative zu einem einzigen Anbieter gibt, der dadurch Übermacht innehat und zum Leidwesen der Konsumenten keinerlei Schranken hinsichtlich der Preisgestaltung unterliegt. Auf einem Markt entstehen (große) Unternehmen, fusionieren sich und akkumulieren (wirtschaftliche) Macht. Doch Größe ist nicht per se positiv. Große Unternehmen werden träge in ihrer Entscheidungsstruktur, werden übermäßig bürokratisch – so gibt es für jedes Unternehmen in jeder Sparte eine optimale Größe. Somit untergliedern sie sich tendenziell in lose bis gar nicht verbundene Teilunternehmen, die rechtlich zusammengehören, organisatorisch jedoch separiert sind; klappt diese Unterteilung nicht, werden sie ineffizient und sehen sich aufstrebenden kleineren, dynamischeren und effizienteren Unternehmen gegenübergestellt, die ihnen den Markt streitig machen. Große Unternehmen neigen nun dazu, Beziehungen zum Staat zu knüpfen und zu unterhalten, um sich auf diesem Wege gegen Konkurrenz zur Wehr zu setzen anstatt mit dieser zu konkurrieren; Die oft beklagte Übermacht, die sich daraus ergibt, dass viele Unternehmen (einer Sparte) sich auf einige wenige Eigentümer zurückverfolgen lassen oder das Marktgeschehen beherrschen, ist für sich genommen wenig problematisch – die Übermacht ergibt sich nicht aus ihrer wirtschaftlichen Macht, sondern aus ihrer Verbindung zu einem Staat, der sie mit den oben genannten Instrumenten zu privilegieren vermag. Heute bezeichnet man diesen Missbrauch von Macht, diese Verflechtung von Wirtschaft und Staat gerne als „Lobbying“, in Österreich gibt es den verniedlichenden Begriff der „Freunderlwirtschaft“ und tut es als systemimmanent ab, dass vor allem größere Firmen Netzwerke zur Politik bilden. Etwa, indem sie Parteien finanzieren oder ehemaligen Spitzenpolitiker Positionen im Unternehmen zuweisen (obwohl diese keinerlei dafür notwendige Ausbildung mit sich bringen) – Kontakte knüpfen eben. Man denke an die neuen Arbeitgeber der ehemaligen Kanzler Österreichs und Deutschlands – Alfred Gusenbauer (STRABAG, der drittgrößte Baukonzern Europas) und Gerhard Schröder (Gazprom), um nur zwei von unzähligen Beispielen zu nennen. Dabei handelt es sich aufgrund der negativen Eigendynamik (wenn es einer macht, müssen es alle machen) um eine Notwendigkeit für jedes größere Unternehmen, um an die begehrten staatlichen Großaufträge, Subventionen oder andere Formen der Privilegierung zu kommen. So kommt es zum Wettbewerb der Großunternehmen um die Einflussnahme auf staatliches Handeln, der zu Lasten der Bürger geht, die diesen Trubel bezahlen – etwa durch die überhöhten Preise, die der Staat an die beauftragten Firmen bezahlt oder durch die eingeräumten Privilegien und Subventionen, die einen (großen) Anbieter davon abhalten, effizient zu wirtschaften. Abgesehen davon muss festgestellt werden, dass die Grenze zwischen privat und Staat umso mehr außer Kraft gesetzt wird, je größer, kapitalintensiver und wichtiger ein Wirtschaftssektor und je größer folglich seine Akteure sind. Die großen, mächtigen und gerne gescholtenen Konzerne dieser Welt sind stets in unterschiedlicher Intensität mit Staaten verbunden, die sie (gesetzlich oder durch Aufträge, Lizenzen und Genehmigungen) privilegieren, subventionieren und finanzieren – dies wird gerne übersehen, wenn von der Allmacht der Konzerne gesprochen wird. Man denke an die Baubranche; selbst abseits der großen staatlichen Aufträge handelt es sich bei den größten (privaten) Bauherren immer noch um staatsnahe, lediglich formell (wenn überhaupt) private Auftraggeber, die ihrerseits enge Kontakte zum Staat haben (müssen). Je größer, desto staatsnäher also. In dieser Situation der enormen Machtkonzentration, die sich, und das muss festgehalten werden, erst aus der Symbiose wirtschaftlicher mit politischer Macht ergibt, ist es wenig verwunderlich, dass bei jeder Fusionierung nach Kartellbehörden geschrieen wird, um allzu starke Machtkonzentrationen zu verhindern. Es ist also erst die Verknüpfung wirtschaftlicher mit politischer Macht, die Wettbewerbsbehörden notwendig macht. Diese sind aber, wie man in der Realität beobachten kann, nur ein oberflächliches und vor allem langfristig nur wenig hilfreiches Mittel allzu starken Machtkonzentrationen etwas entgegenzusetzen. Denn die Einflussnahme der Netzwerke großer Unternehmen macht vor den Wettbewerbsbehörden freilich nicht halt. Doch auch wenn Kartellbehörden ein anderes Bild zeichnen – dieselbe Situation wie im Sport, in dem Teams gegeneinander um den Gewinn des Meistertitels rittern, in der es zwar Favoriten, aber keine fixen Sieger gibt, die Unsicherheit jeglicher Dominanz, aus der sich ein permanenter Wettbewerb und Leistungsdruck ergibt, egal, wie übermächtig ein Team erscheinen mag, gilt auch im Bereich der Wirtschaft. Denn die Situation eines den Konsumenten benachteiligenden Monopols gibt es zwar im gegebenen Wirtschaftssystem, in dem Symbiosen von Konzernen mit Staaten als natürliche, ja zwingende Folge anmuten. Dieses Bild ändert sich aber, wenn man das Modell einer (in der Realität freilich nicht vorhandenen) wirklich freien Wirtschaft annimmt. Grund genug, ein wenig zum Thema Monopole und Kartelle in einer solchen Situation nachzudenken, wobei sich David Friedmans Werk „the machinery of freedom“ (deutscher Titel: „das Räderwerk der Freiheit“) anbietet. In diesem Klassiker des Kapitalismus identifiziert Friedman drei Arten von Monopolen: natürliche, künstliche und Staatsmonopole. Staatsmonopole bilden sich entweder, indem der Staat ein Unternehmen gesetzlich oder durch die Vergabe von Aufträgen, Subventionen, Lizenzen und was er alles in seinem Arsenal der wirtschaftlichen Einflussnahme hat, privilegiert und einen derart immensen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft, der ihn zum Einzelanbieter werden lässt. Oder, indem er selbst ein Unternehmen in einer gewissen Sparte betreibt und Konkurrenz schlichtweg verbietet. Der Unterschied ist im Ergebnis hinfällig, das Ergebnis dasselbe – ein dominantes Unternehmen, zu dem es keine Alternativen gibt. Friedman spielt nun verschiedene Szenarien durch, die sich auf einem wirklich freien Markt ergeben könnten und die zeigen, dass auf einem solchen Kartellbehörden & Co unnötig sind. Es sei gesagt, dass es sich um Modellannahmen handelt, die mit der real existierenden Wirtschaft, in der große Unternehmen versuchen, sich unlautere Wettbewerbsvorteile mithilfe des Staates zu verschaffen, nicht viel gemein haben. Monopole und ihre Begleiterscheinungen sind nun in einem Zustand der Abwesenheit staatlichen Handelns im Wirtschaftsbereich nicht annähernd so problematisch wie im Status quo der Verflechtungen zwischen Großunternehmen und Staaten. Zum historisch häufigsten und problematischsten Fall – den Staatsmonopolen – kann es in einer wirklich freien Wirtschaft qua definitionem gar nicht kommen. Bleiben die Fälle des natürlichen und des künstlichen Monopols. Betrachten wir zuerst den Fall eines „natürlichen Monopols“, das sich in kapitalintensiven Branchen herausbildet, in der die Nachfrage und Preissetzung Gewinnmöglichkeiten nur für eine Firma optimaler Größe Platz bietet – diese Situation ist laut Friedman äußerst unwahrscheinlich. Hier pendelt sich das Marktgeschehen so ein, dass es einen großen Anbieter gibt, der die gesamte Nachfrage in einer Weise zu decken vermag, die das Optimum zwischen Herstellungskosten und dafür fälligen Preis darstellt. In solch einer Branche gibt es nur Raum für ein Unternehmen, das die optimale Größe aufweist, um effizient und gewinnbringend produzieren zu können. Ein kleinerer Wettbewerber ist aufgrund der mangelnden Größe weniger effizient bei der Herstellung als der größere und hat dadurch keine Chance, zu bestehen (eine höchst ungewöhnliche/unwahrscheinliche Situation). Ein zu großer kann ebenfalls nicht konkurrieren, da seine Unternehmenskosten es verhindern, mit dem Unternehmen optimaler Größe in (preisliche) Konkurrenz zu treten; denn es ist unnötig, über die optimale Größe hinaus Produktionsmittel anzuschaffen. Und für ein Unternehmen gleicher (optimaler) Größe gibt es schlichtweg keinen daneben bestehenden Markt, den man bedienen könnte. Wenn die beiden optimal großen Unternehmen sich einen Markt teilen, kann keines mehr gewinnbringend wirtschaften. Unternehmen mögen hier Monopolstellung innehaben und diese Position einzementieren oder es zumindest versuchen; doch können sie sich auf ihrer Größe und Vorrangstellung nicht ausruhen; sie müssen sich verhalten, als gäbe es Konkurrenz – denn, sobald ihre Leistungen zu teuer und/oder zu schlecht werden, tritt Konkurrenz auf, die ihre Chancen sieht, weil dann plötzlich auch auf einem hochkonzentrierten, kapitalintensiven, kleinen Markt auch kleinere, weniger effiziente Unternehmen profitabel werden. Das Monopol auf solch einem Markt, so es sich herausbilden sollte, hängt daran, dass ein einzelnes Unternehmen den Preis so niedrig zu halten vermag, dass andere Unternehmen unprofitabel sind – sobald der Preis jedoch zu stark angehoben wird, etwa, weil der Monopolist mehr Gewinn machen möchte, können auch kleinere Unternehmen, die keine optimale Größe vorweisen und daher nicht zum selben (niedrigen) Preis produzieren/anbieten oder gar darunter können wie es das große tut, plötzlich einsteigen; eben, da der Preis durch die zu starke Anhebung nun auf einem Niveau liegt, auf dem sie ebenfalls produzieren können – sie werden zu Konkurrenten, die Situation hört auf, ein natürliches Monopol zu bilden, und es kommt durch die gestiegenen Preise und Gewinnmöglichkeiten zu einer „normalen“ Wettbewerbssituation mit mehreren Anbietern. Darüber hinaus kommt es auch bei einem natürlichen Monopol zu einem „indirekten Wettbewerb“ – wenn eine Firma den Preis für ein beliebiges Produkt zu hoch ansetzt, sieht sie sich nicht nur potentieller Konkurrenz gegenüber; zusätzlich werden die Konsumenten sich nach günstigeren Alternativen umsehen, sobald der Preis für ein Gut allzu hoch wird. Somit sind natürliche Monopole, die sich auch in der freien Wirtschaft herausbilden können, nicht weiter problematisch, weil sie sich trotz der Abwesenheit von Konkurrenz einer indirekten Wettbewerbssituation ausgesetzt sehen. Kommen wir nun zum zweiten Fall – dem des künstlichen Monopols: Als „künstliches Monopol“ bezeichnet Friedman nun Monopole und Kartelle, die, ausgestattet mit wirtschaftlicher Macht, Mitbewerber verdrängen möchten, indem sie die Preise erhöhen und damit Monopolgewinne in einer Branche einfahren wollen, in der es aufgrund ihrer Beschaffenheit zu keiner Herausbildung eines natürlichen Monopol kommt – eben, weil der Markt oder die Nachfrage und das Verhältnis der Produktionskosten zu den Preisen groß genug für mehrere Anbieter ist; es gibt hier für Unternehmen zwei Möglichkeiten, dennoch eine Monopolstellung zu erlangen: durch wirtschaftlichen Druck oder Aufkaufen der Konkurrenz. Wollen Unternehmen eine Monopolstellung erreichen, indem sie die Konkurrenz in die Knie zwingen, müssen sie die Preise auf ein Niveau drücken, auf dem die (wenigen verbliebenen) Konkurrenten Verluste machen; das Monopol macht auf diesem Niveau jedoch ebenfalls Verluste, weil sie nicht (wesentlich) effizienter sein können als der (oft kleinere) Mitbewerber (schließlich hat er dies ja bislang in der Konkurrenzsituation geschafft, da er auf dem Markt bestehen konnte). Daraus ergibt es sich, dass das größere Unternehmen, das, um die Konkurrenz zu verdrängen, unter dem für Gewinne notwendigen Preis verkauft, um kleinere in den Ruin zu treiben, aufgrund seiner Größe noch viel mehr bzw. schneller Verluste macht als das kleinere. Darüber hinaus muss es jeden Kunden absorbieren, um der Konkurrenz keine übrigzulassen, wenn es diese wirklich verdrängen will. Dadurch muss es aufgrund der steigenden Zahl der Kunden (aufgrund des von ihm angebotenen niedrigeren Preises als die bei der Konkurrenz) die Produktion zusätzlich ausweiten, was aufgrund des zu niedrig angesetzten Preises zu noch mehr Verlusten führt. Der bedrohte, kleinere Mitbewerber kann unterdessen dem Treiben zusehen, bis es nicht mehr funktioniert, die Produktion verringern, sparen, sich spezialisieren. Auf Dauer wird die Strategie des großen, nach Monopolstellung trachtenden Unternehmens nicht gewinnbringend aufgehen. Wenn das Monopolunternehmen versucht, die Preise nur dort niedrig anzusetzen, wo es Konkurrenz ausgesetzt ist und die Verluste hereinzuholen, indem es diese in anderen Regionen zum Ausgleich höher ansetzt, setzt es dadurch (wie bereits oben gesehen) wiederum Anreize für Mitbewerber, unter diesem zu hohen Preis anzubieten. Eine andere Strategie besteht darin, bestehende und potentielle Mitbewerber einfach aufzukaufen und dadurch dem mühseligen und aussichtslosen wirtschaftlichen Kampf zu entgehen; diese Strategie hat der US-amerikanische Wirtschaftsmagnat H.D. Rockefeller verfolgt mit dem Ergebnis, dass Menschen dann bemerkten, dass sich damit Geld machen lässt, eine Konkurrenzfirma zu eröffnen, mit Preissenkungen zu drohen, um dann an das Monopol zu verkaufen. Somit ist es ökonomischer Suizid, eine Monopolstellung herstellen und etablieren zu wollen, indem man Mitbewerber durch die wirtschaftliche Übermacht in die Knie zwingen und vom Markt fernhalten möchte. Denn entweder muss das Unternehme permanent, selbst wenn es keine Konkurrenz mehr gibt, verlustbringend produzieren, um Konkurrenten vom Markt fernzuhalten. Oder es muss jeden neuen potentiellen Anbieter aufkaufen, selbst wenn diese gar nicht vorhaben, ihren Plan auch in die Tat umzusetzen, und schafft dadurch einen riesigen künstlichen Markt, der mit erheblichen Kosten für den Monopolisten verbunden ist, die jene einer Konkurrenzsituation bei weitem übersteigen. Am problematischsten ist der Fall von Kartellen, also dem Zusammenschluss mehrerer oder gar aller Anbieter, den Preis zum Leidwesen der Abnehmer höher anzusetzen, als dies in einer Konkurrenzsituation der Fall wäre. Ein Kartell ist in einer Branche am stärksten, in der es fast ein natürliches Monopol gibt. Ist also der Markt beispielsweise nur groß genug, vier Unternehmern optimaler Größe Gewinne zu verschaffen und kommen diese überein, die Preise zum gegenseitigen Vorteil zu erhöhen, um mehr Gewinn einzufahren, hat dies zunächst zur Folge, dass die Nachfrage sinkt, der Kuchen also nicht größer, sondern kleiner wird oder gleichgroß bleibt – es also zu keinen zusätzlichen Gewinnen kommt – zum Leidwesen der zuvor profitabelsten Firma, zum Vorteil für die weniger profitablen, die unterm Strich vielleicht immer noch mehr haben. Weil die Gesamteinkünfte nun unter den Firmen aufgeteilt werden, ist jede versucht, ihren Anteil zu erhöhen, indem sie die Absprache unterläuft, wodurch die Vereinbarung auf kurze oder lange Sicht ungültig wird. Selbst wenn es einem Kartell gelingt, dass die Absprache eingehalten wird, werden durch die zu hoch angesetzten Preise potentielle neue Bewerber angelockt, die günstiger produzieren könnten. Diese Bewerber müssen nun wiederum vom Markt ferngehalten werden, wodurch sich das oben genannte Problem des permanenten Aufkaufen-Müssens ergibt, um das Kartell am Leben zu erhalten. Friedman zeigt also: Ein Monopol bildet sich in einem freien Markt nur in Ausnahmesituationen und ist selbst dann nicht sehr problematisch; in allen anderen Fällen ruiniert sich das nach dem Monopol strebende oder beibehalten wollende Unternehmen nur selbst, ohne dass dies den Abnehmer wirklich stören muss. Ein wirklich freier Markt und die auf ihm auftretenden Konzentrationen wirtschaftlicher Macht sind insofern durchaus vergleichbar mit der Konzentration spielerischen Könnens im Bereich des Sports. Unternehmen wie auch Basketball-Teams können durchaus mächtiger werden als andere; aber sie können sich auf dieser Stellung ebenso wenig ausruhen wie Lebron James, Dwayne Wade und Chris Bosh das werden tun können. Selbst wenn sie nun wirklich Titel in Serie einfahren werden, wird dies kein leichtes Unterfangen. So wie diese drei Herren nun die gejagten der US-amerikanischen Profi-Basketballliga sind, der Goliath, den niemand mag und bei dem jedes Team umso hungriger und motivierter ist, ihn zu schlagen, sind auf einem wirklich freien Markt auch Unternehmen, sollten sie wirtschaftlich sinnvolle Monopolstellung, die den Monopolisten nicht in den Bankrott führt (ein seltenes Phänomen, das auf Fälle natürlicher Monopole beschränkt ist) erlangen und verteidigen wollen, gezwungen, effizient zu agieren; die Preise kontrollieren sich insofern selbst. Und so wie das neue Super-Trio den NBA-Championship-Titel für die nächsten Jahre nicht für sich gepachtet hat, bilden sich, wie Friedman zeigt, auf einem wirklich freien Markt nur in Ausnahmesituationen Monopole, und schon gar nicht solche, die langfristig bestehen bleiben. Und selbst wenn es dazu kommt, ist dies aufgrund der indirekten Konkurrenzsituation, die aus der potentiellen Gefahr neu auftauchender Konkurrenten für den Abnehmer nicht problematisch. So kann man sich trotz oder gerade wegen der neuen Miami Heat auch in Zukunft auf spannende NBA-Saisonen freuen; die Konkurrenz wird nicht schlafen und den Titel nicht kampflos dem Team aus Florida überlassen. 17. Juli 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
| |||
| Copyright © 2010 Lichtschlag Verlag KG | Design and Programming by greybyte, using Django and Performancing's Modernpaper template. | |||||