02. September 2010

Al Gore im Sauerland Grün denken, gut kassieren

Der Klimapriester und die Presse

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore ist eine Art Säulenheiliger des Klimaschutzes. Insbesondere in Deutschland ist er beliebt. Die Deutschen lieben halt amerikanische Politiker, denen sie bedenkenlos ein hilfloses und putziges Robbenbaby zur Pflege überlassen würden. Handfesteren Typen, die dem Steuerstaat wie dem Terrorismus den Kampf ansagen und für das Existenzrecht Israels eintreten, sind sie weniger gewogen. Wenn ein solcher Strahlemann mal einen Abstecher in die vermeintliche Provinz, zum Beispiel ins schöne Sauerland macht, dann lässt er die Maske fallen. Und wie geht die Geschichte? Al Gore, unser weißer Ritter und tadelloser Ehemann von Tipper Gore, soll am Freitag, den 3. September, beim Campus Symposium in Iserlohn sprechen. Gastgeber ist die private Iserlohner Hochschule BiTS.

Beim Lesen der „Westfalenpost“ fiel mir vor kurzem bei einer Stippvisite bei den Eltern in Arnsberg das Toastbrot aus der Hand, das Eigelb kleckerte aufs Hemd. Ich stellte mir eine bange Frage: Sollte etwa der gute Gore einfach nur geldgierig und gar nicht grün sein? Bis zu 200.000 Dollar, so vermeldete die stolze Tageszeitung, die im Untertitel auch als „Stimme der Heimat, Echo der Welt“ firmiert, kassierte der Friedensnobelpreisträger von 2007 früher pro Vortrag. Inzwischen dürfte sein Marktwert etwas gefallen sein, doch ein wenig mehr als Spesen dürfte sein Trip ins Carl-Schmitt-Land schon abwerfen.

Was stört die vermeintliche Provinz-Presse denn so stark, dass sie gar nicht gut über den lieben Al zu sprechen ist? Richtig, der Gute möchte die Pressefreiheit etwas aushebeln. Die Vorgaben der Veranstalter an die Journalisten sind eindeutig: „Aufgrund der Pressevorgaben unseres Hauptreferenten, Friedensnobelpreisträgers Al Gore, müssen wir Sie darum bitten, das Vortragszelt nach fünf Minuten zu verlassen. Dies gilt ausnahmslos für alle Medienvertreter“. US-Präsident Bill Clinton, Kofi Annan, Gerhard Schröder und Tony Blair: Sie alle haben bereits in Iserlohn gesprochen. Keiner hat die Presse aber so geknebelt wie dieser selbstgerechte Wahlverlierer im Duell mit George Bush.

„Ausgeschlossen werden ja nicht nur die Medien, sondern damit zwangsläufig die Öffentlichkeit“, schreibt die „Westfalenpost“. „Al Gore geht es offenbar gar nicht um die Verbreitung von unbequemen Klima-Wahrheiten, sondern nur ums Geld. Die Presse wird verbannt, weil sie sonst berichten könnte, dass der ehemalige Vize-Präsident in seinen Vorträgen einfach nichts Neues mehr zu sagen hat.“ Die „Westfalenpost“ wird nicht über den Besuch von Al Gore in Iserlohn berichten. Diese Haltung ehrt die Zeitung aus Hagen. Warum nur kriechen viele Deutsche im Staub vor Hohepriestern der Klimareligion und amerikanischen Politikern, die sich letztlich als Heuchler erweisen? Diese Frage zu vertiefen bedeutete allerdings, einmal näher zu analysieren, warum wir uns sklavisch vor Obama verneigen und Bush junior verdammen.


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