07. September 2010

Intelligenz Markt oder Eugenik?

Warum Dummheit ohne Politik kein Problem wäre

Intelligenz, so der Hobby-Antropologe Sarrazin, sei zu 50 bis 80 Prozent erblich. Wer finanziert eigentlich Forschung, die solchen Blödsinn hervorbringt? Wer stellt derartigen Humbug in den Raum, wenn es nicht mal eine knackige Definition von Intelligenz gibt? Ist Muselmanismus erblich? Und warum ist ausgerechnet dieses Thema für die Sozialisten in allen Parteien so brisant?

Seit einigen Jahrhunderten (wenn nicht Jahrtausenden) hat sich in sehr vielen Kulturkreisen eine Sozialtechnik namens “Familie” etabliert. Dabei ist es üblich, dass die biologischen Eltern eines Kindes auch dessen Erziehung übernehmen. Solange es diese Konstellation hat, ist jedwede Frage der Art “Erziehung oder Vererbung” regelmäßig irrelevant, denn die Faktoren können ja nicht getrennt werden. So widmen sich die Forscher denn auch gerne den Sonderfällen “Findelkind” oder “Eineiige Zwillinge bei der Geburt getrennt”. Die Ergebnisse sind sparsam.

Die Ergebnisse werden auch hoffentlich sparsam bleiben. Denn zu einer sauberen Theorie gehört am Ende auch immer die empirische Plausibilisierung. Nehmen wir das Beispiel Rauchen. Der Zusammenhang, wie Teer in der Lunge und auf die Bronchin wirkt, ist erklärt. Die Statistik zum Lungenkrebs ist eindeutig. Beides passt zusammen. So kann ich glauben, dass eine ordentliche Dosis Zigaretten zu Lungenkrebs führt. Statistik allein gibt niemals Kausalität. Denn vielleicht hat es ja ein Gen, dass sowohl Lust auf Zigaretten als auch Veranlagung zum Lungenkrebs bringt? Und würden wir die ganzen Ergüsse der Medinziner glauben, wenn Lungenkrebs bei Nichtrauchern genauso häufig wäre wie bei Rauchern?

In der Medizin geht man noch weiter. Um Placebo-Effekte auszuschließen, gibt es bei Medikamenten-Tests die “Doppel-Blind-Studie”. Aus einer Gruppe Menschen mit gleicher Krankheit erhält die eine das Medikament und die andere wirkungslose Pillen. Und damit der Arzt nichts verrät und selbst nicht voreingenommen ist, darf selbst der Arzt nicht wissen, welcher seiner Patienten Wirkstoff erhält.

Gehen wir also mit diesem Werkzeugkasten an die Intelligenzforschung, und stellen eine Hypothese auf: Neger sind dümmer als Weiße. Inwieweit die beiden Gruppen unterschiedliche Hirnstrukturen haben, ist meines Wissens noch nicht erforscht. Inwieweit welche unerforschten Hirnregionen auf die ebenso unerforschte und nicht-definierte Intelligenz Einfluss haben, ist ein Rätsel. Die Wissenslücken zum Thema sind so groß, dass wir noch lange Zeit jeden Erklärungsversuch als politisch motivierten Unfug abtun dürfen. Damit ist das Thema tot. Dennoch machen wir uns jetzt einen Spass draus, auch den empirischen Teil anzuschauen. Und den Versuchsaufbau zu skizzieren.

2000 Kandidaten sollten reichen, 1000 weiße, 1000 schwarze. Diese seien zwanzig Jahre lang vollkommen gleich zu erziehen, um jeglichen unterschiedlichen Einfluss auszumerzen. Anschliessend werde die “Intelligenz” gemessen. Die Ausgangshypothese wird verworfen, wenn die Schwarzen ähnlich abschneiden wie die Weißen.

Zunächst mal muss das Testmaterial post-natal zeitnah gewonnen werden. Zu diesem Zwecke werden in deutschen Kreiss-Sälen und kongolesischen Hütten parallel frische Säuglinge eingesammelt, und in das Labor verbracht. Dort warten Ammen und Erzieher. Um nun eine saubere Doppel-Blind-Studie aufzugleisen, dürfen Ammen und Erzieher nicht gegenüber der Hautfarbe voreingenommen sein, denn das würde das Ergebnis verfälschen. Solange es keine wirksame Technik gibt, Babys sicher umzulacken, bleibt nur das Vertrauen auf blinde Erzieher. Wer nicht weiß, ob das Baby schwarz oder weiß ist, kann keine Vorurteile haben. Das gilt natürlich bis zum Ende des Experiments, d.h. sämtliche Lehrer müssen blind sein, oder die Kinder leben die ganze Zeit unter einem Kartoffelsack. In beiden Fällen dürften die Kinder am Ende einen Schaden haben, aber wir interessieren uns ja nur für die Intelligenz.

Natürlich werden die Kinder irgendwann feststellen, dass einige von ihnen schwarz und andere weiß sind. Wenn nun die Pädagogen teils weiß und teils schwarz sind, könnte es ja sein, dass zufällig eine der beiden Gruppen bei den Schülern besser angesehen ist. Das könnte erneut Benachteiligung oder Komplexe auslösen. Naheliegend wäre die Lösung, auch die Kinder zu blenden, doch zum Glück ist das nicht notwendig, wenn man ausschließlich Eskimos als Lehrer nimmt.

2000 Kinder, 20 Jahre von blinden Eskimos erzogen, und schon können wir den Intelligenztest machen, der uns wichtige Einblicke gibt, wie Reformpädagogen die Intelligenz benachteiligter Gruppen fördern können.

Eine ganze Reihe Eltern sind beknackt, und eine ganze Reihe Mohammedaner erziehen ihr Kind auf eine Art, die den späteren Erwachsenen inkompatibel zur europäischen Welt machen. Das kann man durch den Markt regulieren, indem man solchen Menschen keine Wurfprämien mehr gibt. Oder durch Sarrazin’sche Maßnahmen, also sozialdemokratische Pädagogik und Experimente wie oben beschrieben. Ich finde den Darwinismus humaner.


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