09. September 2010

Gleichstellung Genderpropaganda auf der IFA

Komm, mach MINT

Wir brauchen in Deutschland mehr Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker. Diese vier Bereiche werden als Mint-Berufe bezeichnet. Thilo Sarrazin schreibt in seinem Buch: „Im internationalen Vergleich hat Deutschland die mit Abstand niedrigste Quote an Hochschulabsolventen und vor allem die niedrigste Quote an Mint-Absolventen. Dies sei „besorgniserregend“.

Diese Entwicklung im Hinterkopf besuchte ich gerade die Internationale Funkausstellung. Dort habe ich folgende Beobachtung gemacht: An einem Stand des Haushaltsgeräteherstellers Vorwerk wurde ein stromsparendes Haus gezeigt. An verschiedenen Stationen wurde gezeigt, wie Energie eingespart werden kann. Hier ein moderner Heizungskeller, dort ein supermodernes Elektroauto, ein schicker Flitzer, der mit Strom aufgeladen statt mit Benzin betankt wird. Es durfte nur angeschaut werden. Reinsetzen war nicht erlaubt.

Als ich zu diesem Stand kam, waren dort auch die Schüler einer zehnten Klasse versammelt. Eine Vorwerk-Mitarbeiterin erklärte den Pennälern, was Energieeffizienz bedeutet. Die Mädchen hatten sich gelangweilt hingesetzt. Die Jungs drängelten mit großen Augen um das Auto. Sie drückten solange ihre Nase gegen die Scheibe, bis die Alarmanlage losging und ein Standmitarbeiter kommen musste. Die Lehrerin war genervt.

Ein paar Meter weiter war ein Stand des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Der Branchenverband verteilte eine Vielzahl von Heften, die sich einem feministischen Anliegen widmen: Wir brauchen mehr Frauen in den Mint-Berufen. „Ich werde Informatikerin“ hieß eine Broschüre der Bundesregierung. Eine andere vom Arbeitsamt trägt den Titel „Abi female: Frauenpower“. Dazu eine Einladung für Mädchen zu einem „Workshop“ von der Europäischen Union und und und.

Die Stoßrichtung ist klar. Der Staat will unbedingt mehr Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern. Aber warum nur Mädchen? Warum richtet sich die intensive Werbekampagne nicht auch an Jungen? Nur eine Minute vorher habe ich an dem Vorwerk-Stand gesehen, dass sich die Jungs für das Elektroauto interessiert haben – während die Mädchen gelangweilt waren. Wenn wir also mehr Mint-Studenten brauchen, dann sollten wir sie dort suchen, wo wir sie am leichtesten finden können, und das ist bei den Jungs.

Ein Versicherungsvertreter, der Wohngebäudeversicherungen an den Mann bringen will, wird ja auch in eine Einfamilienhausgegend gehen und dort an die Türen klopfen – und nicht in einer Plattenbausiedlung, wo niemand seine Versicherung braucht. Und ein internationaler Großkonzern, der nach China expandiert und zu diesem Zweck unter seinen Mitarbeitern nach geeigneten Leuten sucht, denen er diese Aufgabe anvertrauen kann, wird nicht die Mitarbeiter aus Afrika oder Lateinamerika auswählen. Er wird die Mitarbeiter auswählen, die chinesische Wurzeln haben oder sich mit China auskennen, weil die Chance am größten ist, dass sie die Aufgabe bewerkstelligen. Alles andere wäre lebensfremd.

Unsere Regierung jedoch, der semistaatliche Rundfunk und ebenfalls mit dem Staat verbandelte Branchenverbände buhlen gezielt nur um Mädchen. Es kann kein Zweifel bestehen, dass es hier um Ideologie geht – und nicht wirklich darum, den Anteil der Mint-Studenten zu erhöhen. Die Ideologie geht so: Alle Menschen sind gleich. Und wenn sie nicht gleich sind, dann müssen wir sie gleich machen. Wahre Gerechtigkeit herrscht demnach erst dann, wenn unter Elektroingenieuren, Physik-Nobelpreisträgern, Mathematikprofessoren und Gleisbauarbeitern genau so viele Frauen sind wie Männer.

Stopp. Schrieb ich Gleisbauarbeitern? Da natürlich nicht. Und auch nicht bei den anderen unattraktiven oder hochgefährlichen Jobs wie Straßenkehrern, Gas-Wasser-Sch...-Installateuren oder Bombenentschärfern. Diese Arbeit überlässt „die Gesellschaft“ gerne den Männern, die Kopf und Kragen riskieren oder die Arbeit machen, die kein anderer machen mag.

Einige Minuten später traf ich die Schulklasse wieder, die ich am Vorwerk-Stand gesehen habe. In der Halle 7.2 stellte Alfa Romeo seinen neuen Wagen vor, den „Giulietta“. Die Jungen hatten offenbar durchgesetzt, dass die Gruppe hier eine Pause macht. Neben dem italienischen Mittelklassewagen war ein Basketballkorb aufgebaut. Die Mädchen saßen quatschend an den Tischen, währen die Jungen Körbe warfen.

Ein ganz normales Bild und ein wohltuendes zugleich: Jungen interessieren sich für Autos und Sport. Mädchen haben andere Interessen, reden lieber miteinander. Oder positiv ausgedrückt: nutzen ihre kommunikativen Fähigkeiten. Auf jeden Fall zeigt sich, dass auch noch so viele Gender-Mainsteraming-Programme nichts bewirken und die Geschlechterrollen nicht über den Haufen werfen können. Gut so.


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