Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Nachdenkliches: Wir brauchen eine christliche Öko-Ideologie

von Edgar L. Gärtner

Überlegungen zur Strategie-Debatte

Nach allen bisherigen Erfahrungen des Kampfes Konservativer und Libertärer gegen „grüne“ Kartelle in Wissenschaft, Medien und Wirtschaft reicht es nicht, anrüchige Verflechtungen und Machenschaften wie etwa die mit „Climategate“ offenbar gewordenen Manipulationen des zwischenstaatlichen Klimarates IPCC oder das Verschweigen rationaler Einwände und die Verunglimpfung und Ausgrenzung von „Skeptikern“ in den Massenmedien sowie nicht zuletzt den Aufbau eines volkswirtschaftlich schädlichen „Öko-Industrie-Komplexes“ auf der Grundlage maßgeschneiderter Gesetze wie dem EEG anzuprangern. Denn leider akzeptieren auch Nichtbeteiligte, dass der „gute“ Zweck der „Klimarettung“ beinahe jedes Mittel heiligt (einschließlich des wirtschaftlichen Selbstmordes).

Das hängt daran, dass das auf Thomas Robert Malthus und letztlich sogar bis auf Mythen der Antike zurückgehende „grüne“ Weltbild inzwischen in allen Bevölkerungskreisen große Zustimmung findet. Die junge Generation lernt nur noch in Ausnahmefällen und dann auch nur bruchstückhaft und obendrein verzerrt andere Weltsichten kennen. Das heißt: Freiheitskämpfer sind zu allererst mit Fragen der Religion konfrontiert und erst in zweiter Linie mit Problemen der Wissenschaft, der Wirtschaft oder des öffentlichen Rechts. Man kann religiösen Glaubenssätzen und Mythen nicht mit wissenschaftlichen Argumenten beikommen, sondern letztlich nur durch die Verbreitung eines positiven Gegenmythos, wenn nicht sogar einer neuen Öko-Ideologie auf christlich-humanistischer Grundlage, die die Gottesebenbildlichkeit des Menschen in den Vordergrund rückt. Das scheinen zumindest die Autoren des „Alternativen Kopenhagen Manifestes“ im Umkreis der Magazine „Spiked“ und „Novo“ begriffen zu haben.

Besonders bedeutsam, von den meist agnostisch oder offen atheistisch eingestellten Liberalen und Libertären aber lange Zeit leider nicht ernst genommen, ist meines Erachtens der Schulterschluss zwischen grünen Politikern aller Parteien und NGOs mit den großen christlichen Kirchen unter dem Motto „Schöpfung bewahren!“ Im Grunde handelt es sich hier um das Vordingen christlich getarnter anti-christlicher Ideen, zum Beispiel der Ideen der Gleichheit aller Menschen vor Gott oder des Mehrheitsprinzips beziehungsweise der Volkssouveränität. Die grüne Ökumene hat entscheidend dazu beigetragen, dass vor allem in Deutschland auch die römisch-katholische Kirche die ihr eigene Gelassenheit gegenüber dem von Gott bestimmten Lauf der Welt und die damit einhergehende Aversion gegenüber zentralistischen Weltlenkungsplänen („global governance“) samt den damit verbundenen Vorbehalten gegenüber der UNO längst aufgegeben hat.

Demgegenüber müsste der blasphemische und damit zutiefst dumme und kurzsichtige Anspruch der „Klimapolitik“ mit dem Ziel der Limitierung des Anstiegs der (unbekannten!) globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad Celsius bloßgestellt werden. Die Bibel warnt zum Beispiel in Form der Geschichte des Turmbaus zu Babel vor solchem Hochmut. Der Satz aus dem 1. Buch Moses „Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre“ legt dem Menschen gegenüber der nichtmenschlichen Natur stattdessen die demütige Haltung des Gärtners nahe.

Die davon abgeleitete Parole „Schöpfung bewahren!“ beruht aber auf einer Fehlinterpretation, da in der Bibel „bebauen“ eindeutig vor „bewahren“ steht. Die Bibel weist dem Menschen die aktive Rolle eines Mitschöpfers oder zumindest Mitgestalters zu. Die Fakten stützen diese Ansicht: Beseelt vom Forschergeist, kann der Mensch mehr oder weniger wertlosen Sand in wertvolle Rohstoffe verwandeln. Diese Auffassung steht in starkem Kontrast zum Weltbild des Malthusianismus, in dem der Mensch die Rolle eines unersättlichen Konsumenten absolut begrenzter Ressourcen spielt. Der Mensch wird hier zum Fremdkörper, zum Parasiten, der das „natürliche Gleichgewicht“ stört. Nur wenn sich der Mensch klein macht, selbst erniedrigt, kann er sich in das „natürliche Gleichgewicht“ einfügen. Es handelt sich beim Ökologismus also im Kern um die triste, unschöpferische Religion einer manichäischen Selbstmordsekte nach dem Vorbild der Katarer oder der Anabaptisten im Mittelalter, die ex- oder implizit davon ausgeht, dass die materielle Welt nicht von Gott, sondern vom Teufel erschaffen worden ist. Sie ist deshalb sowohl mit dem christlichen als auch mit dem humanistischen Menschenbild unvereinbar. Aktueller Ausdruck dieser Weltsicht ist die Verteufelung des lebenswichtigen atmosphärischen Spurengases Kohlenstoffdioxid (CO2), dessen Netto-Emission tendenziell auf Null gebracht werden soll. Kurz: Ziel der „grünen“ Bewegung ist letztlich das Nichts, die Tilgung des menschlichen „Fußabdrucks“ von der Erde.

Die Zeit scheint günstig, um die Entlarvung des Nihilismus auch in Deutschland zu vermitteln. Eine in diesem Frühjahr veröffentlichte Meinungsumfrage im Auftrag des „SPIEGEL“ deutet auf das Herannahen eines Umschlagpunktes („tipping point“) in der Entwicklung der öffentlichen Meinung hin. Danach ängstigte sich im März 2010, im Unterschied zu einer vergleichbaren Umfrage im Herbst 2006, nur noch eine Minderheit der Deutschen vor den Folgen des Klimawandels. Die Mehrheit findet offenbar, dass es klüger ist, sich an den Klimawandel anzupassen, als mit Billionen teuren CO2-Reduktionsmaßnahmen dagegen anzukämpfen. Anpassungsmaßnahmen können aber nicht zentral verordnet werden. Sie erfordern individuelle und kommunale Entscheidungsspielräume.

Obwohl die Deutschen aus historischen Gründen sehr empfänglich sind für wohlfahrtsstaatliche Vorsorge- und Sicherheitsversprechen, spüren sie doch, dass die damit verbundene Bevormundung unglücklich macht. Sie ahnen, dass die Unterordnung unter willkürliche CO2-Quoten und Bauvorschriften oder aufwändige Zertifizierungsprozeduren das Leben keineswegs lebenswerter macht. Viele Menschen ziehen es letztlich wohl doch vor, ihren eigenen Kopf zu benutzen. Die Reaktionen auf das von der EU ausgesprochene Glühlampenverbot oder die von der Bundesregierung im „Energiekonzept“ angekündigte ordnungsrechtliche Verpflichtung zur aufwändigen Wärmedämmung von Wohngebäuden (wie auch gegenüber der kläglich ausgegangenen Schweinegrippen-Impfkampagne) zeigen, dass durchaus Widerstandspotential vorhanden ist. Inzwischen kommt „Climategate“ offenbar auch langsam im Bewusstsein der Deutschen an. Der „Weltklimarat“ IPCC hat erheblich an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Die Furcht vor der kulturellen und wirtschaftlichen Verarmung durch die unkontrollierte Zuwanderung bildungsferner muslimischer Clans gewinnt, wie die überwältigend positive Aufnahme des Buches von Thilo Sarrazin zeigt, im Angsthaushalt der Deutschen zunehmend die Oberhand. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise und dem sich anbahnenden Auseinanderfallen der Euro-Zone kommt es zu einem massiven Verlust von Vertrauen in die Staatsbürokratie. Davon könnten auch Teile der Umweltbürokratie und ihre Hilfstruppen in den NGOs betroffen sein. In der Chemikalienpolitik (REACH) bahnt sich wegen des hohen Versuchstierbedarfs ein Fiasko an. Es wird offenkundig werden, dass das im EU-Verfassungsvertrag verankerte „Vorsorgeprinzip“ in eine Sackgasse führt.

Es besteht also die Chance, breiten Bevölkerungsschichten klar zu machen, dass NGOs wie Greenpeace, der BUND oder der WWF immer die Rolle von Einheizern und Erfüllungsgehilfen, wenn nicht nützlichen Idioten finanzkapitalistischer Drahtzieher beziehungsweise staatskapitalistischer Bürokratien spielen und die Einzelnen bevormunden, ihnen hohe Kosten aufbürden, ohne dafür positive Gegenleistungen wie Sicherheit oder Gesundheit liefern zu können. Aber der Umschlag in der öffentlichen Meinung wird nicht von selbst kommen. Um ihm nachzuhelfen, bedarf es neben der erwähnten Arbeit an einem positiven Mythos sicher auch Enthüllungen über die historischen Hintergründe und die Machenschaften der Öko-Bewegung und der Umweltpolitik.

„Falsche Götter werden nicht durch Gottlosigkeit beseitigt, sondern durch den lebendigen Gott.“ Darauf wies Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn in seinem jetzt wieder aufgelegten testamentarischen Buch „Konservative Weltsicht als Chance“ hin. Noch gilt das Adjektiv „konservativ“ in Kontinentaleuropa, im Unterschied zu den USA, als böses Schimpfwort, während Umsturzpläne nach dem Muster des „Energiekonzepts“ der Merkel-Regierung, in denen weder Gottesfurcht noch Menschen- und Naturliebe einen Platz haben, mit dem Etikett „nachhaltig“ geschmückt werden. Glaubensfreiheit und private Eigentumsrechte hätten in der angestrebten Energiespar-Planwirtschaft keinen Platz mehr. Die Menschen würden das Vegetieren in einer verkehrten Welt sicher bald satt haben. Doch so weit wird es vermutlich gar nicht erst kommen.

Internet

Das Alternative Kopenhagen Manifest 

Deutsche verlieren Angst vor Klimawandel 

Igor R. Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte 

Erik von Kuehnelt-Leddihn: Konservative Weltsicht als Chance 

Edgar L. Gärtner: Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie 

26. September 2010

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