Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Solare Konfusion: Die Klima-Lügner tappen in ihre eigene Falle

von Edgar L. Gärtner

Macht die Temperatur das Wetter oder umgekehrt?

Für die Propheten einer katastrophalen Überhitzung der Erde infolge eines übermäßigen Ausstoßes so genannter Treibhausgase war es ein gefundenes Fressen, als das britische Wissenschaftsmagazin „nature“ letzte Woche meldete, die Sonne wärme während ihrer aktuellen Schwächephase die Erde stärker als am Höhepunkt des letzten Sonnenfleckenzyklus. Denn sie glaubten damit jene bloßstellen zu können, die die Abfolge irdischer Warm- und Kaltzeiten in erster Linie dem Auf und Ab der Sonnenaktivität zuschreiben. Doch der Schuss dürfte nach hinten losgehen.

Nach der lange anhaltenden Hitzewelle in diesem Sommer bereiten sich die Russen auf einen außerordentlich kalten Winter vor. Beide auf den ersten Blick widersprechende Entwicklungen scheinen eine gemeinsame Ursache zu haben: Eine Blockade der in West- und Osteuropa normalerweise vorherrschenden Westströmung. So blockierte das im September über Skandinavien nach Osteuropa gelangte Kältehoch „Marcel“ mehrere Wochen lang mächtige, vom Atlantik heranziehende Tiefdruckgebiete, die es gerade noch schafften, Westeuropa mit ihren schwachen Ausläufern zu streifen. Hält diese Blockade an (was zurzeit mit Gewissheit niemand voraussagen kann), dann müssen wir uns auf einen sehr kalten Winter gefasst machen. In der Tat wurden sowohl in Russland als auch in Großbritannien bereits entsprechende Warnungen ausgesprochen. Im Sommer führte eine vergleichbare Blockade der West-Ost-Strömung in Russland zu einer wochenlang andauernden Hitzewelle und in deren Gefolge zu riesigen Waldbränden.  

Jedes Schulkind kann verstehen, warum die gleiche Blockadesituation zu so unterschiedlichen Lufttemperaturen führen kann: Setzt sich ein Hoch im Sommer fest, dann sorgt die lange hoch am Himmel stehende Sonne für eine rasche und anhaltende Aufheizung der ursprünglich kühlen Polarluftmasse. Gleichzeitig bleibt deren nächtliche Abkühlung gering. Im Winter ist es umgekehrt: In den langen Nächten wird bei klarer Luft viel Wärme in den Weltraum abgestrahlt und die kurze Sonnenscheindauer am Tage setzt der Wiedererwärmung der Luft enge Grenzen. Macht also die bodennahe Temperatur das Wetter oder ist sie nicht vielmehr das Resultat bestimmter Verhältnisse von Wind- und Sonneneinstrahlung? Die Antwort liegt nach dem oben gesagten auf der Hand. Dennoch haben es so genannte Klimaforscher in Zusammenarbeit mit gedankenlos abschreibenden Journalisten-Kollegen in Massenmedien geschafft, die Verhältnisse buchstäblich auf den Kopf zu stellen: Sie gehen in ihren „Klimamodellen“ unausgesprochen davon aus, dass die Temperatur das Wetter macht. Zu dieser sonderbaren Annahme gelangen sie, weil sie den Gegenstand ihrer Forschung, das „Weltklima“, gar nicht definieren können. Zur Erinnerung: Der Begriff „Klima“ bezeichnet die durchschnittliche Wetterneigung einer bestimmten Region im Unterschied zu einer anderen. So zeichnet sich das in Deutschland vorherrschende gemäßigt ozeanische Klima dadurch aus, dass hier die jährlichen Temperatur- und Niederschlagsmaxima zeitlich zusammenfallen. Im südlich angrenzenden mediterranen Klima ist es genau umgekehrt. Dort sind trocken-heiße Sommer und feucht-kühle Winter die Regel. Für die jeweils dort lebenden Pflanzen und Tiere ist dieser Unterschied von entscheidender Bedeutung. So lassen sich alle Klimazonen der Erde durch einen charakteristischen Jahresgang von Lufttemperatur und Niederschlagsmenge definieren. Ein „Weltklima“ lässt sich hingegen nicht definieren. 

Das wissen auch jene vom Staat ausgehaltenen Eierköpfe, die „Klimaforschung“ nahezu ausschließlich am Computer betreiben. Statt von einem „Weltklima“ reden sie deshalb meistens von der globalen Durchschnittstemperatur. Doch diese gibt es ebenso wenig wie ein „Weltklima“. Das statistische Konstrukt muss aus Tausenden von Einzelmessungen errechnet werden. Dabei gelten Satellitenmessungen als zuverlässiger als die Messungen von Bodenstationen, die oft auf städtischen Wärmeinseln stehen. Die „Klimamodelle“ des „Weltklimarates“ IPCC gehen jedenfalls davon aus, dass die errechnete Durchschnittstemperatur der unteren Luftschicht in erster Linie abhängig sei von der Höhe des Ausstoßes von CO2 und anderer so genannter Treibhausgase durch Fabrikschlote, Hauskamine und Kfz-Auspüffe. Doch diese Annahme widersprach dem Augenschein: Die vom IPCC veröffentlichte Kurve des Temperaturanstiegs in den letzten 100 oder 150 Jahren zeigt wenig Ähnlichkeit mit der Kurve des Anstiegs der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Dagegen muss ihre Übereinstimmung mit dem Auf und Ab bekannter Sonnenzyklen jedem ins Auge springen, der nicht blind ist. Obendrein war schon lange bekannt, dass die so genannte Kleine Eiszeit des 17. und 18. Jahrhunderts mit einem Minimum der Sonnenaktivität (gemessen an der damals mithilfe des Fernrohres schon feststellbaren Zahl der Sonnenflecken) einherging. Es war also schwierig, den engen Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Erdtemperatur anzuzweifeln. Der IPCC musste zu einer ganzen Reihe von Hilfsannahmen wie dem möglichen Einfluss von Ruß und Vulkanasche greifen, um den historischen Temperaturverlauf erklären zu können.

Umso mehr erleichtert werden seine Mitglieder und Helfershelfer nun gewesen sein, als „nature“ nun die Ergebnisse von Strahlungsmessungen eines von Joanna Haigh geleiteten Teams am Londoner Imperial College veröffentlichte. Diese beziehen sich auf die kurze Periode zwischen 2004 und 2007, in der die Sonnenaktivtät abnahm. In dieser Zeit habe die UV-Strahlung der Sonne viel stärker abgenommen als angenommen. Die sichtbare Strahlung und die Wärmestrahlung (IR-Strahlung) habe jedoch entgegen der Erwartung zugenommen. Also könne die Abschwächung der Sonnenaktivität nicht die Ursache irdischer Abkühlungsphasen sein, schlussfolgerte Haigh und mit ihr die ganze Gemeinde der Warner vor einer globalen Überhitzung der Erde. Der britische „Daily Telepraph“ schrieb daraufhin zum Beispiel: „A stronger Sun actually cools the Earth“. In Deutschland titelte SPIEGEL-Online: „Sonne wärmt stärker während Schwächephase“. Und der britische „Daily Mail“ erklärte einen Tag später, die Messergebnisse des Teams um Haigh habe die Theorie der globalen Erwärmung ins Chaos gestürzt.

Dabei hatte Haigh verschwiegen, dass schon längst bekannt war, dass die UV-Strahlung im Laufe eines Sonnenzyklus viel stärker schwankt als die totale Sonnenhelligkeit. Der bekannte britische Wissenschaftspublizist David Whitehouse verweist darauf, dass die US-Forscherin Judith Lean schon im Jahre 2000 Messwerte publiziert hatte, die zeigen, dass die UV-Strahlung der Sonne zehnmal stärker schwankt als die sichtbare Strahlung. In Deutschland hat der heute im (Un-)ruhestand lebende Physiker Dr. Horst Borchert seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts im Auftrag des Bundeslandes Rheinland-Pfalz mithilfe eines aufwändigen Messnetzes die UV-Strahlung, den damit zusammenhängenden Ozon-Gehalt der Luft, den Sonnenmagnetismus und die von ihm beeinflusste irdische Höhenstrahlung aufgezeichnet. Er fand, dass der mit der Sonnenaktivität schwankende Partikelstrom (Sonnenwind) auf der Nordhalbkugel der Erde die Wolkenbildung und die Nordatlantische Oszillation (NAO) zwischen dem so genannten Island-Tief und dem Azoren-Hoch beeinflusst (Korrelation bis zu 0,8). Bei einer Abschwächung der Sonnenaktivität, wie sie seit Dezember 2006 zu beobachten ist, geht die NAO in einen Modus über, der so genannte meridionale Luftströmungen anstelle der sonst vorherrschenden Westströmung begünstigt und es kommt öfters zu Blockadesituationen, wie wir sie zurzeit erleben.

Es ist also klar, dass Schwankungen der Sonnenaktivität nicht direkt auf die irdische Lufttemperatur wirken, sondern Muster der Luftzirkulation beeinflussen. Das kann dazu führen, dass sich eine Region aufheizt oder abkühlt, während in einer benachbarten Region das Gegenteil zu beobachten ist. Bekanntlich ging die Hitzewelle in Russland mit einem außerordentlich kühlen Augustwetter in Westeuropa einher. Ob es dabei unterm Strich global wärmer oder kälter wird, ist gar nicht so leicht feststellbar. Hätte Joannna Haigh nicht Klima und Temperatur gleichgesetzt, wäre ihr das auch aufgefallen. Aber das ist nicht das erste Mal, dass Weltverbesserer die Welt buchstäblich auf den Kopf stellen.

Internet:

A stronger Sun actually cools the Earth 

Sonne wärmt stärker während Schwächephase

Die Original-Veröffentlichung in „nature“

Global Warming Theory in Chaos 

David Whitehouse: Solar Speculation 

Vortrag Dr. Borchert 

15. Oktober 2010

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