Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Buchbesprechung: Der Detektiv aus der Gosse

von Ansgar Lange

Düsterer US-Thriller aus der Reihe „Hard Case Crime“

Diejenigen, die von einem packenden Krimi etwas mehr erwarten als skandinavische oder anglo-amerikanische Einheitsware, sollten sich bei der Serie „Hard Case Crime“ bedienen, die im linken Rotbuch-Verlag erscheint. Es handelt sich um düstere und harte Thriller aus den Vereinigten Staaten, an die hierzulande bisher schwer heranzukommen war. „Die Gosse und das Grab“ ist ein klassischer private eye-Roman in der Tradition Hammetts und Chandlers. Allerdings ist die Hauptfigur Matt Cordell kein Held im eigentlichen Sinne, sondern ein abgestürzter Trinker, der New Yorks Barkeeper zu seinen besten Freunden zählt. Früher einmal war er zwar auch ein harter Bursche, aber vor allem ein trockener und glücklich verheirateter Detektiv. Bis er schließlich seine schöne Frau im Bett mit einem Mitarbeiter seines kleinen Büros erwischte und diesen mit einer 45er zum Schweigen brachte.

Als sein alter Kumpel Johnny Bridges ihn schließlich um Hilfe bei der Aufklärung einer verwickelten Kriminalsache bittet, findet er sich schnell in der Gesellschaft schöner Frauen und blutiger Morde wieder. EdMcBain erzählt diese Geschichte über einen Alkoholiker, der auch am Ende der traurigen Geschichte den Weg aus der Gosse nicht gefunden haben wird, mit viel Sinn für Tempo und nervenzerreißende Spannung. Cordell lernt im Zuge seiner Ermittlungen ein schönes Schwesternpaar kennen. Alle beide belügen ihn, mit einer der beiden Damen beginnt er eine stürmische Affäre. Letztlich interessieren aber weniger die Einzelheiten der Story, sondern die düstere Atmosphäre, der man sich erst nach Seite 212 wieder entziehen kann.

Auch wenn dieser ursprünglich unter dem Pseudonym Curt Cannon bereits 1958 erschienener Roman jetzt erst mal in deutscher Erstveröffentlichung der Neuübersetzung vorliegt – 1959 war er in der „Panther“-Reihe des Lening Verlags um ein Viertel gekürzt worden –, ist der Autor auch in Deutschland kein Unbekannter. McBain, der am 15 Oktober 1926 in New York als Salvatore Lombino geboren wurde und am 6. Juli 2005 in Weston, Connecticut, verstarb, landete mit „Saat der Gewalt“ seinen ersten Bestseller, der auch verfilmt wurde. Als Drehbuchautor war er unter anderem für das Skript von Hitchcocks „Die Vögel“ verantwortlich. Der Vielschreiber war unter den Namen Hunt Collins, Ezra Hannon, Richard Marsten, John Abbot und Curt Cannon tätig. Berühmt ist auch seine Reihe über das 87. Polizeirevier.

„Die Gosse und das Grab“ macht Lust auf die weiteren 15 Krimis, die unter dem Logo Hard Case Crime bisher in deutscher Sprache erschienen sind. Im Herbst 2010 folgen zwei weitere Titel aus der Feder von Robert Bloch und des Autorengespanns Ken Bruen/Jason Starr.

 

Literatur:

Ed McBain: Die Gosse und das Grab. Übersetzt und mit einem Nachwort von Andreas C. Knigge. Rotbuch Verlag: Berlin 2009. 224 Seiten. ISBN 978–3–86789–066–3.d 

07. November 2010

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