Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Klima-Betrug: Ein Jahr nach „Climategate“

von Edgar L. Gärtner

Wird das Jubiläum zum Requiem für die Klimapolitik?

Als ich vor einem Jahr unter anderem an dieser Stelle als einer der ersten deutschen Journalisten prophezeite, der an die Weltöffentlichkeit gelangte ZIP-Ordner „FOI2009“ mit kompromittierenden e-Mails, die zwischen Forschern der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia in Norwich und anderen führenden Köpfen des „Weltklimarates“ IPCC ausgetauscht worden waren, werde das Ende der Klima-Hysterie einleiten, stieß ich selbst bei Mitstreitern zunächst auf Zurückhaltung. Ähnliches widerfuhr meinem bekannteren britischen Blogger-Kollegen James Delingpole, der schon am 20. November 2010, das heißt nur einen Tag nach der Veröffentlichung eines Links zu einem russischen Server durch den kleinen Skeptiker-Blog „Air Vent“, von einem mit dem Watergate-Skandal vergleichbaren „Climategate“ sprach und empfahl: „Wenn Sie Aktien von Unternehmen der Erneuerbaren-Energien-Branche besitzen, dann stoßen Sie diese jetzt ab!“ Das erschien voreilig, denn der politisch hochgepäppelte parasitäre Öko-Industrie-Komplex um Wind- und Solarenergie setzte in Großbritannien und Deutschland gerade zu einem für die Normalverbraucher kostspieligen Höhenflug an und die Regierungen in London und Berlin fuhren fort, sich selbst als Vorreiter im „Klimaschutz“ zu feiern.

Ein Jahr nach „Climategate“ zweifelt kaum noch jemand daran, dass Delingpole mit seiner Empfehlung richtig lag. Mir selbst war damals übrigens aus der Investoren-Szene bestätigt worden, dass Wind- und Solarprojekte für sie keine Priorität mehr genießen. Auch die Hoffnungen, die die Finanzindustrie und ihr oberster PR-Mann Al Gore in den globalen Handel mit „Verschmutzungsrechten“ mit einem geschätzten Jahresvolumen von 10 Billionen Dollar gesetzt hatten, sind durch den Ausgang der US-Halbzeitwahlen zerstoben. Der Preis für CO2-Zertifikate nähert sich in den USA der Null-Linie und die größte Zertifikatshandelsbörse, die Chicago Carbon Exchange CCX, hat kürzlich folgerichtig diesen Geschäftszweig geschlossen.

Das Fiasko der Kopenhagener Klimakonferenz Anfang Dezember 2009 ließ das schon ahnen. Konnte „Climategate“ zumindest in Deutschland zunächst nur wenig am Ansehen des IPCC kratzen, weil sich in den so genannten Qualitätsmedien kaum jemand die Mühe machte, den ZIP-Ordner „FOI2009“ zu öffnen und den verräterischen e-Mail-Verkehr und insbesondere die Datei „Harry_read_me.txt“ zu studieren, so sank die Glaubwürdigkeit des IPCC bei der folgenden Aufdeckung von „Ungenauigkeiten“ im letzten IPCC-Bericht selbst in Deutschland. Insbesondere die abwegige Prognose, das Himalaya-Massiv werde wegen der angenommenen globalen Erwärmung schon in einem Vierteljahrhundert nahezu schnee- und eisfrei sein, sorgte bei uns für Kopfschütteln, denn solche Eismassen brauchen Jahrhunderte, um abzuschmelzen. So geriet der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri selbst in die Schusslinie. Die seither eingeleiteten Versuche, die in den „Climategate“-Skandal verwickelten Wissenschaftler wie vor allem Phil Jones (GB) und Michael Mann (USA) mittels bestellter Gutachten vom Vorwurf des Betruges zu entlasten und eine Strukturreform des IPCC einzuleiten, konnten den Glaubwürdigkeitsschwund der von nationalen und internationalen Bürokratien gesteuerten Computer-Klimatologie nicht aufhalten. Eine Serie sehr kalter Winter machte die Lage der Warner vor einer Überhitzung der Erde nicht komfortabler.

Die Deutschen müssen im kommenden Jahr nicht weniger als 13 Milliarden Euro hinblättern, um dekorative Solaranlagen und Windräder sowie blubbernde Biogasanlagen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) über die Strompreise zu subventionieren. Bis 2020 wird die Förderung dieser unzuverlässigen Formen der Stromerzeugung dreistellige Milliardenbeträge verschlingen, ohne dadurch herkömmliche Kraftwerke überflüssig machen zu können. Allenthalben ertönt daher der Ruf, die Förderung der „Erneuerbaren“ zu deckeln, wenn nicht das EEG ganz abzuschaffen. Kein Wunder, dass die Wachstumsperspektiven von Wind- und Solarfirmen nun auch an den europäischen Börsen pessimistisch eingeschätzt werden. Nun hofft vor allem die Windbranche auf „frischen Wind“ durch die EU und ihre Mitgliedsstaaten. Doch „frischer Wind“ heißt jetzt in der EU eher, dass der Wind sich dreht. Gerade hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy Jean Louis Borloo, seinen „Superminister“ für Nachhaltigkeit und alles Mögliche, in die Wüste geschickt und die Energiepolitik wieder dem Wirtschaftsressort zugeschlagen. Die EU-Staaten sind zurzeit vollauf damit beschäftigt, den drohenden Zusammenbruch der Euro-Währungszone infolge der Schuldenkrise aufzuhalten. Von einer CO2-Steuer ist fast nur noch im Zusammenhang mit der Finanzierung des Stabes der EU-Außenbeauftragten und dem Stopfen nationaler Haushaltslöcher die Rede.

Derzeit weist vieles darauf hin, dass auf dem bevorstehenden „Klima-Gipfel“ im mexikanischen Luxus-Badeort Cancún das Requiem der Klimapolitik gesungen werden wird - allerdings wohl längst nicht so feierlich und erbaulich wie das von Mozart. Denn Vertreter der BRIC-Staaten haben bereits verlauten lassen, es werde nach einem Scheitern dieses Gipfels keine weiteren Verhandlungen über eine globale Begrenzung des Ausstoßes von „Treibhausgasen“ mehr geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich nach dem Scheitern der Kopenhagen-Konferenz mit Äußerungen zur Klimapolitik auffällig zurückhält, ist vermutlich schon mit dem Problem beschäftigt, wie sie ohne allzu großen Gesichtsverlust zum geordneten Rückmarsch blasen kann.

Internet

Air Vent (Noconsensus)

James Delingpole: Climategate: The final nail in the coffin of „Antropogenic Global Warming“?

Christopher Booker: Climate Change: this is the worst scientific scandal of our generation

Kevin Parker (Deutsche Bank): Keiner kommt am Klimawandel vorbei

Christopher Booker : The climate change scare is dying, but do our MPs notice it ?

Ein Gewitter entlädt sich über Windaktien

Frischer Wind für die Flautebranche

17. November 2010

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