Lion Edler

Lion Edler, Jahrgang 1987, studiert in Berlin und arbeitet nebenher als freier Journalist.

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Print oder Online?: Ein paar spontane Worte zur Debatte um das Niveau im Internet

von Lion Edler

Kleine Ketzerei gegen die naive Träumerei

Auch ich bin schon lange der Meinung, dass die Hoffnung, das Internet könnte die entscheidende Waffe für ein neues 1989 werden und für die Emanzipation von konformistischen Mitläufer-Meinungen sorgen, sich längst als völlig naive Träumerei erwiesen hat. An der Herrschaft des Mobs über die abwägenden und an Fakten und Informationen orientierten Leute ändert sich auch dadurch nichts, dass diese Herrschaft sich nun auf das Internet erweitert.

Genauso wie im Print-Bereich die „Bild“-Zeitung das auflagenstärkste Medium ist, so ist im Online-Bereich eben PI-News der größte politische Blog Deutschlands. Dass dieser Blog nun von vielen als Online-Version der „Bild“-Zeitung angesehen wird, trifft insofern den Nagel auf den Kopf. Niveauvollere nonkonforme Plattformen hingegen, die für eine solche Online-Emanzipation vom Meinungskartell hätten sorgen können, werden einfach mangels mündiger Bürger nur in sehr bescheidenem Maße gelesen. Der denkende „SZ“- oder „taz“ oder „FAZ“-Leser liest nun nach Einführung des Internets eben SZ-online, taz-online oder FAZ-online. Hauptsächlich nicht wegen großer politischer Übereinstimmung mit dem Blatt, sondern offenbar einfach aus Gewohnheit. Und wahrscheinlich gibt es da auch bei den meisten Leuten so eine Vorstellung im Kopf, dass die seriöse Medienlandschaft sich ausschließlich in jenen Medien erschöpft, deren Chefredakteure in Fernseh-Talkshows zu sehen sind, und denen Angela Merkel und Guido Westerwelle regelmäßig Interviews geben.

Dass es auch interessante kleinere Medien geben könnte, auf die Idee kommt kaum jemand. Genauso wie sich auch kaum jemand wirklich bei Wahlen die Parteiprogramme von Kleinparteien durchliest – man wählt trotz Unzufriedenheit die Etablierten und kommt gar nicht auf die Idee, dass es noch andere Parteien geben könnte, die diese Bürger vielleicht viel besser finden. Dazu kommt, dass solche Plattformen wie ,,Freie Welt“, ,,Achse des Guten" oder ef-Online natürlich einfach vom Mainstream totgeschwiegen werden, genauso wie nonkonforme Print-Medien auch schon vor Einführung des Internets von den Etablierten totgeschwiegen wurden. Blogs hingegen wie PI-News finden sehr viel mediale Beachtung, und zwar ganz einfach deshalb, weil damit die Mainstream-Medien mal wieder sagen können: „Sehr her, so sind sie, die Political-Correctness-Kritiker!“ Eben aus dem gleichen Grund, warum auch die NPD eine solch starke Beachtung erfährt und bei jeder Sarrazin-Debatte aufs Neue als angeblich typisch-sarrazinsche Organisation als Bedrohung präsentiert wird. Dass es auch „rechts der CDU“ noch Parteien geben könnte, die meilenweit von der NPD entfernt sind, für eine solche Idee fehlt dem derart dressierten Bürger fast jegliche Vorstellungskraft. Ebenso gibt es mit Sicherheit viele, die weiterhin nur Print-Medien lesen, weil sie eben wegen kritischer Medienberichte über PI-News oder über irgendwelche islamistischen Internetseiten oder Neonazi-Seiten denken, dass dies nun das „gefährliche Internet“ sei.

Abgesehen davon ist es durchaus so, dass die etablierten Zeitungen nicht zuletzt wegen ihrer dümmlichen Propaganda an Auflage verlieren und Medien wie „eigentümlich frei“ und „Junge Freiheit“ an Auflage gewinnen. Dieser in der Tat durchaus erfreuliche und hoffnungsvolle Trend hat aber meines Erachtens überhaupt nichts mit dem Internet zu tun. Im Übrigen habe ich von Anfang an nicht an die Verdrängung der Print-Medien von Markt durch Online-Medien geglaubt. Ich lese nunmal auch weiterhin lieber am Samstag bei Café und Zigaretten (so lange man das noch darf) die ,,JF“ oder ,,ef“, als vor dem elenden Flimmerkasten, vor dem man sowieso schon viel zu lange sitzt, und von dem man nur müde wird.

02. Januar 2011

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