02. März 2011

Athanasios die Glosse Erbakan, Erdogan und die Blaue

Deutschtürken und andere Deutschländer

Am Abend seines Todes erstand Erbakan, der Vordenker des Neo-Osmanismus, als Blaue Karte wieder auf. Sein Ziehsohn, Ministerpräsident Erdogan, hatte den großen Familienzweig der Deutschtürken in den ISS Dome zu Düsseldorf geladen. Ich will, dass ihr „Ärzte, Professoren und Politiker in Deutschland werdet“, ohne die Religion, die Sprache und die Kultur des türkischen Volkes aufzugeben. Damit ihr euer Erbteil vor den Fährnissen der deutschen Staatsbürgerschaft bewahren könnt, gebe ich euch diese Karte. Versagen ihre Kräfte, sende ich euch die Truppen des Vaterlandes.

Die Türkei als Schutzmacht ihrer Minderheiten im Ausland? CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt begreift und fordert die Einbestellung des türkischen Botschafters – um türkischen Müttern ausrichten zu lassen, sie möchten ihren Kindern bitte Deutsch als Muttersprache beibringen. Um ein Anwerbeabkommen zwischen türkischen Familien und deutschen Kindergärten sowie Ganztagesschulen anzubahnen. Um türkische Schwiegersöhne für bayerische Familien zu bestallen. Unions-Politiker wissen genau, wie konservative Politik auszusehen hat: integrieren, in den Sozialstaat integrieren, in die Familie integrieren, in den Westen integrieren, nachdem man sich schließlich selbst dorthinein integrieren musste.

Was sollte Dobrindt dem einbestellten Botschafter sonst bestellen? Dass man den Großen Bruder USA bitten wolle, die Einwanderer wieder zurückzunehmen, weil es um das türkische Bekenntnis zur NATO bedenklich stehe? Dass man das Verfahren der äußeren Westintegration durch innere Anatolisierung nach 50 Jahren zu beenden gedenke? Dass man in Deutschland nur Reden halten dürfe, die konservativ klingen? Nein, dass die Deutschtürken hierzulande ebenso allein zu sein haben wie alle anderen Deutschländer auch. „Ich bin hier, um zu zeigen, dass ihr nicht alleine seid“, das ist osmanische Vaterlandsliebe à la Carte Bleue. Afiyet olsun!


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Athanasios

Über Athanasios

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige