06. April 2011

Athanasios die Glosse Tu felix Styria!

Der FC St. Pauli und die Golduniformierten

Weil er ihn für einen kaiserlich-königlichen Offizier hielt, warf ein Anhänger des FC St. Pauli dem Golduniformierten einen Bierbecher in den Nacken. Thorsten Schiffner, der goldgelbe Linienrichter auf der Rechtsaußenbahn, erwies sich jedoch als Quietschente. Kurz dachte er nach, dann sank er tödlich getroffen zu Boden. Für den Heckenwurf des braunen Partisanen erfand Kommentator Hansi Küpper kurzerhand einen neuen Tatbestand des humanitären Fußballrechts: „Becher an den Hinterkopf zu schleudern, das ist menschenverachtend. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der FC St. Pauli als Verein genauso Stellung beziehen wird.“

Wenn ein neuer Tatbestand erfunden wird, ist das Urteil vorgezeichnet. Die Niederlage wird vor Gericht wiederholt werden. Und tatsächlich verlor St. Pauli das Spiel gegen Schalke 04, das es auf dem Schlacht- und Spielfeld 0 zu 2 verloren hatte, vor dem DFB-Sportgericht noch einmal mit demselben Ergebnis! Um die Menschenverachtung auch mit Boden und Henkel auszureißen, wird der Verein, da bin ich mir sicher, geeignete Maßnahmen ergreifen: Bierverbot; Beschränkung von Pyrotechnik auf Freundschaftsspiele, nach dem Vorbild der UN-Friedensmissionen; im Fall rassistischer Anfeindungen von Seiten des Publikums (auf dem Kiez eher unwahrscheinlich): Leuchtraketen und bengalisches Feuer gegen die Menschenverächter im Fanblock.

Herrn Schiffner geht es den Umständen entsprechend gut, so hört man. Soll wohl heißen, den Becherwurf habe er verwunden, die Menschenverachtung nicht. Seinem österreichischen Kollegen Wiensauer erging es besser: Bei Sturm Graz gegen Rapid Wien bekam er in der zweiten Spielminute im steirischen Bierbechersturm einen Becher an den Kopf, blieb aber standhaft und ließ seinen Schiedsrichter weiterpfeifen. Wo Schiachperchten die Menschen Selbst- und Todesverachtung gelehrt haben, kann man Spiele laufen lassen, wenn es brennt oder hagelt. Tu felix Styria!


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