27. April 2011

Athanasios die Glosse Die Goldmann-Sachsen

Lehrstück über Kredit und Geld

In einem Land, das darum kämpft, seine eigenen Interessen nicht vertreten zu dürfen, ist ein Held, wer fremde Interessen vertritt. Deutschlands große Heroes sind zwei Ökonomen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Rufen reaktionärer Unken entgegenzuhalunken. Hall-Unken nennt man nämlich Feuerkröten oder niedere Froschlurche, die Schwingungen einer Hallplatte in alle Welt tragen. Die goldene Hallplatte heißt Goldman Sachs, einer ihrer Zuträger (und Geschäftsleiter in Deutschland, Österreich und Russland) Alexander Dibelius. Dank dem Euro stehe sein Heimatland, die Exportnation, „so stark“ da, „dass es sich eine Umschuldung Griechenlands theoretisch fast allein leisten könnte.“

Jan Hatzius ist seit Anfang des Jahres Chefvolkswirt in der Landsmannschaft der Goldmann-Sachsen. Seither warnt er aus seinem Büro „direkt neben der Baustelle des World Trade Centers“: die Europäische Zentralbank, den Zins anzuheben, und die Vereinigten Staaten, das Staatsdefizit abzubauen. Eine Fiskalkrise stehe nicht bevor, die größten Probleme lägen schon hinter uns, war seine Osterbotschaft in der „FAZ“. So klingt der Refrain eines amerikanischen Schlagers von der Abspielplatte, dessen Mittelstrophe selbst den hartgesottenen Goldsucher erweicht: „Der entscheidende Beweggrund für die Kreditblase war nicht eine psychologische Entscheidung der Amerikaner, dass sie über ihre Verhältnisse leben wollten.“ Nein?

Als ich einer Geschäftspartnerin – ein echtes California Girl! – in alteuropäischer Naivität einmal anvertraute, dass ich mir ein neues Auto erst kaufen wolle, wenn ich das Geld dazu gespart habe, zeigte sie mir nicht einfach den Vogel. Sie zeigte mir einen ganzen Weißkopfseeadler. Wieso ich keinen Kredit aufnehme, wie jeder? Dann sei das Auto ja umsonst. Ich spare immer noch, mein Auto wurde vermutlich in die USA exportiert – es lebe die deutsche Selbstlosigkeit!


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