28. Mai 2011

Marktkommentar Keinen Euro mehr für Griechenland

Burnout der Brüsseler Leid-Währung

Die große Preisdrückungsorgie bei Gold und speziell Silber auf Befehl der US-Regierung, die Anfang Mai 2011 startete, dürfte jetzt zu Ende sein. Die Preise beider Metalle steigen wieder. Vermutlich war dies das „letzte Gefecht“ des Papiergeld-Systems, denn die Probleme darin häufen sich derzeit. Da ist etwa die Schuldengrenze der USA, die nicht überschritten werden kann, da die Republikaner im Kongress sich ein Gefecht mit Präsident Obama über Budget-Einsparungen liefern. Der US-Bundesetat funktioniert derzeit nur mehr über Finanztricks, spätestens im August geht das auch nicht mehr. Das ist aber nur ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn das Ausland seine Dollars abstößt.

Das Griechenland-Problem

Es ist derzeit virulenter denn je. Der letzte Marktkommentar vor zwei Wochen berichtete darüber, dass der große Zampano der Eurozone, Jean-Claude Juncker, in einem Geheimtreffen versucht hat, den Griechen noch einmal 60 Milliarden Euro zu schenken. Das stieß auf massiven Widerstand.

Inzwischen sieht es so aus, dass Griechenland am 18. Juni nicht einmal die vereinbarte nächste Rettungs-Tranche von EU und IWF bekommen wird, weil es eben ein Jahr lang nicht wie vereinbart massiv gespart und gar nichts privatisiert hat. In der Zwischenzeit hat sich Einiges geändert, etwa im Internationalen Währungsfond. Dort ließ man den Chef, den Franzosen Dominique Strauss-Kahn, über eine Sexaffäre stolpern, inzwischen ist er weg. Damit ist auch die von ihm im letzten Jahr organisierte Subventionierung von Pleitestaaten in der EU Geschichte. Den IWF-Mitgliedern dürfte nicht gefallen haben, dass sie etwa die üppigen Frühpensionen der Griechen zahlen sollen.

In der Zwischenzeit junktimieren sich IWF, wo die alte, harte Garde wieder die Macht übernommen hat, und verschiedene Eurostaaten wie die Niederlande gegenseitig: wenn der eine nicht zahlt, zahlen wir auch nicht.

Bank-Run in Griechenland

Inzwischen melden die Medien, dass der schon seit Monaten laufende Bank-Run in Griechenland sich in den letzten Tagen intensiviert hat. Man flüchtet aus den Banken und wenn es geht, mit dem Geld ins Ausland. So bieten etwa deutsche Banken ihre Dienstleistungen schon in griechischer Sprache an.

Dass so die griechischen Banken bald zusammenbrechen, dürfte klar sein. Der Staat wird sie nicht rekapitalisieren können, da er selbst bald nicht mehr Gehälter und Pensionen bezahlen kann.

Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki sagte am 25.5. laut „Handelsblatt“: "Ich bin gezwungen, offen zu reden. Entweder einigen wir uns mit unseren Schuldnern auf ein Programm mit brutalen Opfern, oder wir kehren zu Drachme zurück.“

Die nötigen „brutalen Opfer“ werden die Griechen nicht erbringen wollen, also werden sie den Staatsbankrott erklären und aus dem Euro aussteigen. Die neue Drachme dürfte schon gedruckt sein.

Fast niemand in der Eurozone dürfte den Griechen eine Träne nachweinen, außer einigen Politikern und Bankern, die dann ihre Griechenpapiere komplett abschreiben können. Die Finanzmärkte werden feststellen, dass die Euro-Rettungspakete nichts wert sind und alle PIIGS-Papiere abstoßen. Auch bei Italien und Spanien hat das bereits begonnen. Der Euro dürfte in den nächsten Wochen und maximal Monaten Geschichte sein.

Ach ja, die goldenen Rettungsboote sind in Euro wieder hoch im Kurs und steigen von einem All-Time-High zum nächsten. Es ist gut, wenn man sie hat. In Griechenland sind sie schon lange ausverkauft.


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