Lion Edler

Lion Edler, Jahrgang 1987, studiert in Berlin und arbeitet nebenher als freier Journalist.

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EHEC-Gurken: Schlimmer als Fukushima

von Lion Edler

Ein vergurkter Kommentar

30. Mai 2011

Aktuelles Hauptthema in den etablierten Medien von „taz“ bis „FAZ“: die spanische Nazi-Atomgurke, die uns alle mit ihrem riesigen, sexistischen EHEC-Killervirus vernichten wird. EU-Krise und Demographie spielen derzeit keine Rolle, das sind völlig sekundäre Aufgeregtheiten. Denn es gilt, vermeintlich existenzielle Bedrohungen nicht herbeizureden, sondern vielmehr mit der gebotenen qualitätsjournalistischen Sachlichkeit zu berichten.

Auf diese große Verantwortung achten deutsche Journalisten auch in schwierigen Zeiten: Schon jetzt wurde den zehn Gurken-Opfern (Stand: 28.5.2011) bedeutend mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Opfern des japanischen Erdbebens im März, das nach der Meldung der Polizei vom 21. April immerhin 14.094 Tote gefordert haben soll; endgültige Zahlen liegen nicht vor. Nach der Pietätslogik deutscher Journalisten, die es freilich von der ersten bis zur letzten Zeile nur gut meinen und durch keinerlei widerwärtige opportunistische Heuchelei getrieben sind, ist also die Berichterstattung über ein deutsches Gurken-Opfer rund 1.409 „Schlitzaugen" wert. Wenn das kein Grund für die Bessermenschen in den Medien ist, einen moralischen Reichsparteitag zu feiern, dann gibt es in tausend Jahren keinen mehr.

Allerdings, man will sich ja gar nicht beklagen: Im Vergleich mit der wochenlangen Berichterstattung über Fukushima erscheint das journalistische Herumgegurke um EHEC gerechtfertigt, denn schon jetzt dürften die Gurken, sofern man den Berichten Glauben schenken kann, bedeutend mehr Tote gefordert haben als Fukushima. Dessen Atomkraftwerk kann trotz gierigem Herbeisehnen durch deutsche Journalisten noch immer nicht mit Bildern von verstümmelten Kindern aufwarten. Allein im möglichen Verschlucken von harmlosen, virusfreien Gurken lauert quasi mehr als ein Fukushima zum Quadrat, ein nicht existenter Super-GAU plus x. Da fühlt man sich beim Verspeisen eines gesundheitlich soliden BigMac vergleichsweise so sicher wie in Fukushimas Schloss.

Daraus ergibt sich mit einwandfreier Logik nunmehr die glasklare Schlussfolgerung, dass sämtliches Gemüse konsequent verboten gehört. Anders geregelte Verträge spielen keine Rolle. Und zwar völlig unabhängig davon, ob der Erreger nun in den ebenfalls zu verbietenden Karotten und Zwiebeln gefunden wurde oder nicht. Denn gerade ,,unter dem Eindruck" der EHEC-Katastrophe wünschen sich doch ,,die Menschen in unserem Land", dass die Politik ihre Sorgen und Nöte ernst nimmt, dass man auf sie zugeht, ihnen ,,etwas anbietet" und sie ,,mitnimmt". Das bewiesen die Massendemonstrationen gegen den Gurkoismus, bei denen mit antikapitalistischen Seitenhieben auf die Baunernlobby und La-Ola-Wellen die ehrliche Betroffenheit zum Ausdruck gebracht wurde. An diesen herzlichen und bunten Gefühlen der aufrichtigen Anteilnahme sollte niemand zweifeln, denn das wäre ,,zynisch", ,,widerlich" und ,,pietätslos".

Dass die Gurkenpolitik der Parteien noch vor Kurzem einer exakt konträren Position entsprach, sollte uns im Übrigen nicht abschrecken, denn in einer sich ständig verändernden, globalisierenden Welt muss man flexibel und offen sein. Anstelle der Gurken sollten die Deutschen daher die Zeichen der Zeit erkennen und fortan mehr Büffel und Giraffen essen. Büffel und Giraffen reichen nachweislich für die Ernährung des Menschen völlig aus, sämtliche systemfinanzierten Arschkriech-Wissenschaftler haben das jetzt in frappierend übereinstimmenden Studien festgestellt. Danach seien anderslautende Ansichten lediglich unwissenschaftliche Scharlatanerie und rechtspopulistische Verschwörungstheorien. Sollte es nach der Büffel- und Giraffenreform dennoch zu körperlichen Mangel-Erscheinungen bei einzelnen Deutschen kommen, dann werden eben notfalls zusätzlich ein paar EHEC-Gurken aus Spanien importiert. Nur vorübergehend, versteht sich.

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