08. Juni 2011

Athanasios die Glosse Missionsbefehl für Angalina!

Heilsgeschichte der Reeducation, reloaded

Für die Deutschen haben sich Obamas Berater eine besonders schöne Geschichte ausgedacht, die Heilsgeschichte der Reeducation. Harry S. Truman brachte den Westdeutschen den Marshallplan und ließ die Westberliner mit Chewing Gum bombardieren. Jetzt denkt Obama dem vereinigten Deutschland die Mission zu, alle anderen Völker zu seinen Jüngern zu machen. Also sprach er 2008 an der Berliner Siegessäule, und die Eltern deutscher Obamas lauschten andächtig im Zwischenschnitt.

Diese Woche wurde ein neues Kapitel in jener Heils- und Endgeschichte geschrieben: Chancellorin Merkel durfte mit Ministern und Blondinen (Gottschalk und Klinsmann) antanzen, um sich die „Freiheitsmedaille“ der USA abzuholen. 19 Salutschüsse begrüßten den Tross im Weißen Haus – alle daneben. Merkels Rolle: das ostdeutsche Mädel, das sich dank Amerikas Sieg im Kalten Krieg zur Juniorchefin im Juniorwesten aufschwingen konnte. Mit einem doppelgebundenen Lasso aus Sentimentalität und Erpressung verbrüderte sich Obama die Schwester: „Liebe Angela, wir beide sehen nicht so aus wie unsere Vorgänger. Dass wir hier stehen, als Präsident und Kanzlerin, zeigt, dass Fortschritt und Freiheit möglich sind.“ Merkel zog den richtigen Schluss, sie dürfe aus Dankbarkeit für ihre fortschrittliche Amtsbekleidung den Marshallplan zum Wiederaufbau Libyens bezahlen, wenn Gaddafi erst getroffen ist.

Obama-Events sind auf den amerikanischen Geschmack abgestimmt; deshalb müssen sich deutsche Journalisten beim Berichten ein bisschen dumm stellen. Nicht so Klaus-Dieter Frankenberger. Der Außenpolitik-Chef der „FAZ“ hätte gern Rosinen über Tripolis abgeworfen und gönnt der zaudernden Führerin die Ehren nicht: „Warum wird eigentlich Frau Merkel jetzt mit dem höchsten zivilen Orden der Vereinigten Staaten ausgezeichnet?“ Weil sie für zivile Dienste nach dem Krieg vorgesehen ist. Sie wird Gaddafis neue Krankenschwester Angalina. Wir haben mehr zu bieten als Gummi.


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