29. Juni 2011

Athanasios die Glosse Hinducash mit Opiumreserve

Über den zeitgeschichtlichen Gehalt des Geldes

Fitrat, der Chef der Zentralbank von Afghanistan, hat sich nach Amerika verdünnisiert. Im gelobten Land seines Berufsstandes ist er zurückgetreten. Er fühle sich seines Lebens nicht mehr sicher, seit er die Ermittlungen gegen die private Kabul-Bank mit einer Rede im Parlament befeuert habe. Dort will er die Namen jener Männer genannt haben, die das schöne Geld aus Afghanistan um die Immobilienblase von Dubai zum Schneeball drehten. Deren Hintermänner wiederum wollen ihn nun wegen unerlaubten Druckens von Geld anklagen.

Nach einem Prinzip der Warburg-Schule ist der zeitgeschichtliche Gehalt einer Kunst vom minderwertigen Exemplar am besten bezeugt. Muss das nicht auch für die Kunst des Bankens in der Postmoderne gelten? Die Fitrat-Affäre lässt uns die Alchemie der Papierdestillation und das Kinderspiel der Pustefixinvestition unfiltriert bewundern. Nur hat die Kabul-Bank leider den Kunstgriff nicht rausbekommen, die Zentralbank vor den Karren zu spannen wie die guten Exemplare anderswo. Was werden die eingespannten Schneemänner von Kabul tun, wenn der Afghan Reconstruction Trust Fund (ARTF, nicht ARTE) die Hilfsgelder für den Aufbau einer Frauenfußballnationalmannschaft nicht ausschüttet? Es gibt nur eine Lösung: Sherkhan Farnood, Pokerspieler und Gründer der Kabul-Bank, muss ein Comeback als Zentralbankgouverneur geben. Nur sein Pokerface kann das Vertrauen der westlichen Welt zurückerobern, nur sein Ärmel kann Afghani-Asse emittieren, bis der Hindukusch überschwemmt ist.

Nein, es gibt noch eine zweite Lösung. Karzai schließt die Zentralbank und lässt auf Hinducash umstellen. Er schreibt sich als Visionär in die Geschichtsbücher und erlaubt mit Hilfe der Wiener Buam die Kunst des Marktgeldes. Als Deckung eignet sich Lapislazuli aus Badachschan. Oder Opium aus Kandahar! Die Opiumreserve würde nebenbei das Drogenproblem lösen, ohne die Präsidentenfamilie zu schädigen.


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