06. Juli 2011

Athanasios die Glosse Im Zwerchfell links

Jakob Augstein, Dichter der traurigen Gestalt

Jakob Augstein, der Sohn von Martin Walser und Rudolf Augstein, fällt durch das männlich gute Aussehen auf, das er vom ersten, und den journalistisch guten Namen, den er vom zweiten Vater geerbt hat. Mit scharfen Beobachtungen oder klaren Gedanken tut er sich nicht hervor – bis zu seiner letzten ‚Spiegel’-Kolumne. Darin entlarvt er die Begeisterung für die Frauen-WM als künstlich, öffentlich verordnet, „von Verbänden, Firmen und Politikern in der Emanzipationsdebatte instrumentalisiert.“

Als ich aber die Kehrtvolte des Marlon Brando in der Journalistenrolle lese, überkommt mich ein Kitzel im Zwerchfell links. Die Inszenierung sei „wie ein Placebo für echte ‚affirmative action’. Es gäbe genug Gründe, die institutionalisierte Förderung von Frauen auszudehnen.“ So textet der Dressurschreiber, der den Applaus der Zuschauer über alles liebt. Der Frauenfußball, er soll also nur davon ablenken, dass in Belgien keine Männer mehr in den Vorstand kommen, bis ein Frauenanteil von lächerlichen 30 Prozent erreicht ist. Drei Prozent weniger als ihr Anteil in Jakobs Elternschaft. Dann kommt mir ein Kitzel im Zwerchfell rechts über die possierliche Piaffe-Pirouette, die der Hengst den emanzipierten Pferde-Liebhaberinnen zum Entzücken andreht: „Sollten die deutschen Frauen die WM gewinnen, könnten sie bei der Feier ihre T-Shirts hochziehen, aber nur so weit, dass die Worte ‚Equal pay now‘ zu sehen sind.“

Aber nur so weit. Zu welchem Schluss käme Jakob, wäre er kein Dressurhengst, sondern ein Kutschergaul – von der Arbeit geschunden, vom Leben gehärtet? Dass man den Fußballfrauen das Gehalt nicht auf Millionenhöhe hochaffirmieren kann, weil sie dieses Geld schlicht nicht erwirtschaften? Dass Frauen anscheinend doch nicht Gleiches können wie Männer, selbst wenn Propaganda und Hormone daran arbeiten? Dass Fußballfrauen nicht die neuen „Afroamerikaner“ sind, höchstens die neuen Vorzeige-Indianer?


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Athanasios

Über Athanasios

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige