07. Juli 2011

Cut and Paste Fast alle Politiker haben gesündigt

Die erschreckenden Ausmaße des Plagiatsskandals

Während sich die Online-Plagiatsjäger in ihrer Freizeit immer noch ausschließlich auf unstatthaftes Kopieren und Einfügen (Copy and Paste) bei Dissertationen einzelner FDP- und CDU-Politiker konzentrieren, bahnt sich unterdessen ein noch viel größerer Skandal an: Eine Untersuchung aller öffentlich zugänglicher Staatsbilanzen hat ergeben, dass fast ausnahmslos alle regierenden Politiker sich an einer Cut-and-Paste-Praxis beteiligt oder diese zumindest gebilligt haben, die alle bisherigen Plagiatsskandale von Guttenberg über Koch-Mehrin bis Althusmann wie harmlose Doktorspielchen aussehen lässt.

Es geht um einen irreversiblen Gesamtschaden von mehreren Billionen Euro: Geschädigte haben nämlich ausgerechnet, dass rechtschaffen arbeitende Bundesbürger nach konservativen Schätzungen mindestens fünfzig, nach anderen Berechnungen sogar mehr als siebzig Prozent ihrer erwirtschafteten Einnahmen verlieren, indem sie diverse Zwangsabgaben zahlen. Diese werden auf Anweisung oder unter Billigung der Politiker bei fast allen freiwilligen menschlichen Interaktionen (etwa bei Waren-, Arbeits- und Dienstleistungskäufen), bei denen staatliches Monopolgeld (Euro) zum Einsatz kommt, direkt an staatliche Stellen abgeführt (Cut). Dann werden diese Gelder gewaschen, um für Dinge ausgegeben zu werden (Paste), über die ausschließlich Politiker bestimmen.

Vielen rechtschaffen arbeitenden Bürgern gehen zusätzlich Einnahmen dadurch verloren, dass der Staat Konkurrenzunternehmen gründet oder subventioniert (etwa im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen), aber auch dadurch, dass der Staat oder sein vorgesetzter Überstaat (EU) die Menge des Monopolgelds beliebig erweitern können, um unhaltbare Rentenversprechen pro forma einlösen zu können oder um andere notleidende Länder zu „retten“, die sich aufgrund noch dreisterer Cut-and-Paste-Aktionen noch größere wirtschaftliche Probleme eingehandelt haben.

Man ist versucht, diese Cut-and-Paste-Aktionen nicht nur als Plagiat (sittenwidriges Kopieren), sondern sogar als Diebstahl (sittenwidriges Wegnehmen) zu bezeichnen. Bei einer plagiierten Doktorarbeit schadet der Sünder allenfalls sich selbst. Bei den allermeisten Urheberrechteinhabern würden in der Regel keinerlei Geldeinnahmen dadurch entgehen, wenn Passagen aus ihren Artikeln geklont würden, um Dissertationen zu verfassen wie etwa Gregor Gysis „Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechtes im Rechtsverwirklichungsprozess“ oder auch Aufsätze im Fach Gender Studies an der Universität von Khartum, wie von der ehemaligen Grünen-Abgeordneten Anna Lührmann. In aller Regel liest solche Arbeiten nämlich nur der Schreiber selbst, manchmal auch der betreuende Professor. An dieser Stelle soll nicht auf den enormen volkswirtschaftlichen Schaden eingegangen werden, der dadurch entsteht, dass junge Menschen in der Blüte ihrer Arbeitskraft bis zu sieben Jahre damit verbringen müssen, für ihre Karriere Schriften zu produzieren, von denen sich niemand im Leben etwas kaufen kann, einmal abgesehen vom Ghostwriter.

Beim Cut-and-Paste des Staates dagegen entsteht den Geschädigten sofort ein spürbarer Schaden, ebenso beim Copy-and-Paste des Monopolgeldes durch die Zentralbank. Geld, das einem abgenommen wird, kann nicht mehr für das eigene Wohlergehen genutzt werden und zieht eine unmittelbare Verarmung nach sich. Und Monopolgeld, das kopiert wird, richtet durch die entsprechende Entwertung einen ähnlichen Schaden an.

Dass dieser Megaskandal noch von keinem der vielen Plagiatsjäger angeprangert worden ist, liegt offenbar daran, dass die Freizeit, in der sie ihrer Jagd frönen, vom Staat subventioniert wird, dass wir es hier also mit Profiteuren des Cut-and-Paste-Skandals zu tun haben.


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Naomi Braun-Ferenczi

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