18. Juli 2011

„Elemente des Lumpenjournalismus“ Jürgen Habermas und der moralische Terror

Zeichen und Wunder dank Egon Flaig und der „FAZ“

Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Eigentlich hatte ich die bundesdeutsche Historikerzunft schon abgeschrieben – intellektuell und moralisch. Denn das Ende des Historiker-Streites bedeutete letztlich auch das Ende der Seriosität der Geschichtsforschung in diesem Lande, die sich seither weitgehend darauf konzentriert, das politisch und ideologisch Erwünschte durch zielgerichtete Selektion und Interpretation der Quellen herauszuarbeiten und unerwünschte Tatsachen zu verschweigen oder gar zu leugnen.

Ein schönes Beispiel für diese Arbeitsweise ist das von Herrn Joseph Fischer beauftragte „Werk“ „Das Amt und die Vergangenheit“, das nach der üblichen medialen Lobhudelei (wobei sich der Leichtmatrose im Außenamt wie üblich bar jeder Sachkenntnis in Positur warf) sogar aus dem eigenen Lager massive Kritik auf sich zog. Derartiges geschieht jedoch schon allein deshalb nur im Ausnahmefall, weil sich Kritisierende sofort dem Vorwurf der „Relativierung“, der „Verharmlosung“ oder gar „rechtsextremer Tendenzen“ ausgesetzt sieht, und zwar unabhängig von der inhaltlichen Berechtigung seiner Kritik.

Diese Methode der Diffamierung und moralischen Abwertung des Kontrahenten mit Hilfe der Massenmedien bis hin zur gesellschaftlichen Exekution wurde anlässlich des sogenannten „Historikerstreites“ von einem gewissen Professor Jürgen Habermas federführend in die wissenschaftliche Debatte eingeführt und erfreut sich seitdem hierzulande steigender Beliebtheit. Heute genügt bereits die simple Erwähnung einer historischen Tatsache wie der, dass der Klassenmord der Bolschewiki dem Rassen-Mord der Nationalsozialisten vorausging, um bestenfalls Unverständnis, im Regelfall aber den Vorwurf des Relativismus oder gar der Nähe zu rechtsextremen Positionen auszulösen. Solche Unterstellungen haben ihre Wurzeln in den damals gegenüber Ernst Nolte öffentlich erhobenen Vorwürfen, er habe die Verbrechen des Nationalsozialismus dem Bolschewismus „in die Schuhe geschoben“ (Marcel Reich-Ranicki) oder produziere gar „eine deutsch-national eingefärbte Natophilosophie“ (Habermas).

Diesem Trend, der inzwischen längst Orwellsche Züge angenommen hat, stellt sich nun ausgerechnet ein Historiker entgegen, Professor Egon Flaig von der Universität Rostock. In einem couragierten Beitrag, der in der „F.A.Z.“ auszugsweise veröffentlich wurde, reißt er der dem Hof-Philosophen der Bundesrepublik Deutschland die Maske wissenschaftlicher Seriosität herunter, mit der dieser seine sozialpädagogischen Obsessionen stets zu verbrämen wusste.

Zitat: „Allen seriösen Historikern, die in die Debatte einstiegen, egal auf welcher Seite, fiel auf, wie und wo der Frankfurter Sozialphilosoph Zitate verkrümmte und den Kontrahenten Positionen unterstellte, um denunziatorische Urteile loszulassen. Gar nicht selten verbarg diese ‚Habermas-Methode’, dass der Sozialphilosoph keine Ahnung hatte von den theoretischen Voraussetzungen, mit denen etwa Nolte operierte. Es hätte keine Nachsicht geben dürfen, denn das Ausmaß der Zitate-Verkrümmungen war gigantisch; und sie hat kein Vorbild in der Geschichte deutscher Polemiken unter Wissenschaftlern. Habermas bediente sich journalistischer Tricks, und zwar solcher, die sonst dem Lumpenjournalismus vorbehalten waren.“

Dieses Urteil über Professor Habermas ist eindeutig, vernichtend und vor allem eines: überfällig. Die Habermassche „Diskursethik“ reduziert sich bei objektiver Betrachtung auf das Motto: Fälschen, zurechtbiegen, behaupten, denunzieren. Dieser Widerspruch zwischen Anspruch und Realität kommt an anderer Stelle dieses bemerkenswerten Aufsatzes zu Sprache: „Wie ernst darf man das Gerede von Diskursethik noch nehmen, wenn der Großprediger dieser Ethik auf die ethische Regel pfeift, die seit der griechischen Klassik in jeder Debatte zu gelten hat: die Rechenschaftslegung (logon didonai) – unter dem strengen Auge der Schiedsrichter im intellektuellen Agon? Seien wir offen: Das hat natürlich auch mit Bildung zu tun. Wahrscheinlich verlangt das logon didonai zu viel von Habermas, der, wie so viele seiner Schüler, unter Vergangenheit die letzten acht Jahrzehnte versteht. Bildung hat Habermas stets anderen überlassen; dementsprechend sehen seine Werke aus.“

Ich gebe zu, dass insbesondere dieser letzte Satz meinen Tag gerettet hat. Wieder einmal fühlte ich mich Andersens Märchen von „Des Kaisers neuen Kleidern“ erinnert, auch wenn es dieses Mal kein Kind ist, das den Protagonisten buchstäblich nackt dastehen lässt, indem es etwas ausspricht, das zwar längst offensichtlich ist, aber aus Gründen der Staatsräson nicht ausgesprochen werden darf.

Weniger amüsant, aber leider vollinhaltlich zutreffend ist Flaigs Fazit: „Die Sprache des moralischen Terrors ist einfach und klar. Hier endet das griechische logon didonai. Wir sind Zeugen geworden eines Kulturbruchs, nämlich einer weitgehenden Negierung der Errungenschaften des Griechentums. Da die Verbindlichkeiten nicht mehr über den Streit entlang von Wahrheitsregeln herstellbar sind, müssen neue, ganz anders geartete Verbindlichkeiten moralisch erzwungen werden. Daher die pestartige Virulenz der Political Correctness und des Gutmenschentums mit seiner spezifischen Intelligenz. Die moralischen Diffamierungen müssen folglich immer mehr zunehmen.“

Professor Jürgen Habermas gebührt das zweifelhafte Verdienst, die moralische Diskreditierung des Kontrahenten als Argumentersatz in die geschichtswissenschaftliche Debatte eingeführt und hoffähig gemacht zu haben. Daran wird man sich bei der Erwähnung seines Namens erinnern. An mehr kaum.

Internet

http://www.faz.net/artikel/C31315/historikerstreit-die-habermas-methode-30462111.html


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