21. Juli 2011

Skandal an der Bundeswehruniversität Frausein als sozialer Panzer

Über angeblich frauenfeindliche Thesen und ungewollte Werbung

Ein neuer Skandal erschüttert Deutschlands Politisch-Korrekte. In der aktuellen Ausgabe der Studentenzeitschrift „Campus“ der Universität der Bundeswehr München wurde ein Artikel sowie eine Werbeanzeige gedruckt, die für großes Aufsehen gesorgt hat. Die als konservativ geltende „Welt“ titelt „Rechter Aktivist führt Magazin der Bundeswehr-Uni“, die für ihre ausgewogene Berichterstattung bekannte „Süddeutsche Zeitung“ spricht von „überholten Parolen aus einer vergangenen Zeit“. Da der Schreiber dieser Zeilen den erwähnten Artikel sowie die Werbeanzeige zuzüglich des restlichen Magazins bereits vor dem Medienrummel gelesen hat, kann er sich eventuell ein besseres Bild der Situation machen als die meisten Journalisten, denen dieses Glück scheinbar nicht vergönnt war, auch wenn das komplette Magazin via Internet abrufbar ist.

Bei dem zitierten Artikel, der vor ultrakonservativer Hetze strotzen soll, handelt es sich um einen Kommentar zur Integration von Frauen in der Kampftruppe. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass es sich nicht um den Einsatz der Frauen im Allgemeinen handelt, da „es faule und fleißige, fette und fitte, schlechte und bessere Soldatinnen gibt. Wie bei männlichen Soldaten auch.“ Gewollt ist hingegen vielmehr eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, vor allem in Bezug auf die derzeitigen Einsatzszenarien und dadurch gestiegene Anforderungen. Als frauenfeindlich gilt es jedoch heute offenbar schon, zu benennen, dass Frauen andere körperliche Eigenschaften haben als Männer. Nicht ohne Grund verzichtet unter anderem die israelische Armee darauf, Frauen in Kampfeinheiten einzusetzen. Dies widerspricht jedoch offenbar der gewünschten Sicht, dass nur das „soziale Geschlecht“ den Unterschied macht und jegliche biologische Differenzen reine Hirngespinste sind. Völlig unerwähnt bleibt in der derzeitigen Berichterstattung, dass dieser Artikel einen von zwei Kommentaren in der Rubrik „Campus kontrovers“ darstellt, dem ein Gegenkommentar folgt, der den Einsatz weiblicher Soldaten in der Bundeswehr deutlich befürwortet.

Die eingangs erwähnte Werbeanzeige, die zudem für Aufregung sorgte, stellt ein Buch zum Thema „Die Frau als Soldat“ einige Seiten weiter dar und kommt auch zu von der Mainstreampresse ungewollten Ergebnissen. Die Anzeige stamm vom Institut für Staatspolitik (IfS), das der Neuen Rechten zugeordnet wird. Dass der Chefredakteur des Campus, Martin Böcker, auch noch offen zugibt, ein gutes Verhältnis zu diesem Institut zu haben und „regelmäßiger Gast bei Veranstaltungen des IfS“ zu sein, brachte das Fass dann zum Überlaufen. Hinzu kommt, dass er für die „Junge Freiheit“ und die „Sezession“ schreibt. Die Präsidentin äußerte in einer Email, die an alle Uni-Mitglieder ging, dass „eine politische Nähe zum Rechtsextremismus“ und eine „Affinität zur ‚Neuen Rechten‘, die mit der Schaltung der Anzeige in unsere Universität einzieht“, nicht hingenommen werden könne. Sie gesteht ein, dass weder die „Junge Freiheit“ noch das IfS („derzeit“) unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen und dass es den Studierenden nicht untersagt werden kann, diese Schriften zu lesen. Es gehört jedoch schon geradezu Chuzpe dazu, auf der einen Seite „die Meinungsfreiheit des Einzelnen als hohes Gut der Demokratie“ zu bezeichnen, auf der anderen Seite jedoch als Präsidentin Tausenden zu erklären, die „Verbreitung dieses geistigen Gedankenguts schon im Grundsatz verhindern“ zu wollen und „weitere Werbung von Organen der ‚Neuen Rechten‘“, wie auch immer entschieden wird, wer dazugehört und wer nicht, zu untersagen. Offensichtlich schweren Herzens erklärt sie: „Es besteht aber kein rechtliches Mittel. Man kann diese jungen Leute nicht entlassen. Man kann ihnen nicht verbieten, zu schreiben.“ Chefredakteur Böcker wartet bisweilen vergeblich auf ein klärendes Gespräch, ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und gibt auch gerne zu, dass er sich zwar als katholisch-konservativ sieht, jedoch eine Bezeichnung als „rechtsextrem“ entschieden abwehrt.

Daraufhin rollte die Welle über die Medienlandschaft hinweg und brachte die übliche landesweite Empörung hervor. Geht man unbedarfterweise davon aus, dass diese Empörung der Zensur in Form eines internen Sozialistengesetzes und der Ausnutzung einer Machtstellung zur Verbreitung persönlicher Präferenzen gilt, liegt man vollends falsch. Von den Medien wurde nahezu einheitlich auf das Magazin und dessen Redaktion eingeprügelt, teilweise unterlegt mit erfundenen Zitaten und sachlich falscher Berichterstattung, die unter anderem auf einen freien Mitarbeiter des Bayrischen Rundfunks, Robert Andreasch, zurückgehen. Dieser Reporter arbeitet regelmäßig bei der „Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München“, welche vom bayerischen Verfassungsschutz aufgrund vermuteter linksextremistischer Bestrebungen beobachtet wird. Quer durch die verschiedenen Zeitungen weg wird von einer „Unterwanderung von rechtsaußen“ in der Bundeswehr („Spiegel“) oder von der „Lufthoheit über den Seminaren“ der Neuen Rechten an der Bundeswehr-Uni („taz“) gesprochen. Im Anschluss forderte der Bundeswehrsprecher der SPD-Landtagsfraktion in Bayern und Honorarprofessor an der Uni, Peter Paul Gantzer, eine Untersuchung und disziplinare Schritte. Er hat sich eigens mit einem Brief an den Verteidigungsminister gewandt.

Doch zuletzt zeigte sich langsam ein Zurückrudern der Medien und sogar Widerstand. Der Bayrische Rundfunk distanzierte sich von seinem Reporter und die „Süddeutsche“ korrigierte – zumindest unterschwellig – ihre Falschmeldungen. Zwei Professoren der Universität, Michael Wolffsohn und Carlo Masala, übten scharfe Kritik an der Hochschulpräsidentin und nannten ihre Intervention einen „Systembruch im Rahmen der Demokratie“. Und letztendlich äußerte sich sogar der liberale Flügel innerhalb der Jugendorganisation der FDP. Christian Wurmdobler, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen München-Land, erklärte in einer Pressemitteilung, dass sich sein Kreisverband „kompromisslos für die Meinungsfreiheit“ einsetzen werde. So bleibt der Redaktion des Campus vorerst nur zu raten, es bei der nächsten Ausgabe eventuell lieber mit einer Version von Marx‘ „Kapital“ zu versuchen.

Internet

Und darum geht es: Die „umstrittene“ Ausgabe des „Campus“


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Autor

Achim Fischbach

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