Lion Edler

Lion Edler, Jahrgang 1987, studiert in Berlin und arbeitet nebenher als freier Journalist.

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Kulturkampf: Europäische Dekadenz gegen islamischen und US-amerikanischen Überlebenskampf

von Lion Edler

Wahre Nährböden der Parallelgesellschaften sind Feminismus, Selbstaufgabe und Geschichtsneurose

22. Juli 2011

Es ist mehr oder weniger stets derselbe Fehler, der zu diversen falschen Schlussfolgerungen aus den nationalsozialistischen Erfahrungen führt: aus der braunen Pervertierung beziehungsweise Übertreibung von Werten wird geschlossen, dass der Wert an sich von Grund auf verwerflich und gefährlich sei. Das allgemein bekannteste Beispiel hierfür ist, dass der braune Wahn einen aggressiven Nationalismus beinhaltete, was aber heute dazu führt, dass patriotische Positionen in die „faschistische“ Ecke gestellt werden und gar latente anti-deutsche Tendenzen in manchen linken Kreisen erkennbar werden. Vergessen werden aber diverse andere Bereiche, bei denen ebenfalls von einem Extrem ins Andere gefallen wurde und bei denen ebenfalls Wertvorstellungen durch den Nationalsozialismus diskreditiert wurden.

So wurde beispielsweise aus der hitlerschen Verherrlichung von Krieg und Militär nunmehr eine gleichgültige bis verachtende Haltung gegenüber der Armee. Aus dem braunen Männlichkeitswahn wurde Männerfeindlichkeit und Weiblichkeitswahn (Letzteres konnte zuletzt beim medialen Hype um die Frauenfußball-WM bewundert werden). Nach dem als rechtsextrem eingeordneten Nationalsozialismus herrscht heute wiederum eine totale Übermacht an linken Positionen, während bei rechten Positionen schon der Begriff „rechts“ mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt wird und somit stigmatisiert wird. Nachdem Hitler die Jugend „Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“ wollte, ist die heutige Gesellschaft verweichlicht wie Butter und lasch wie Merkel. Und so weiter, und so fort.

Dieser Zeitgeist der radikalstmöglichen Hitler-Negation ist feminisiert-männerfeindlich, Militär-feindlich, verweichlicht, links und latent anti-deutsch. Wer daran rüttelt, wird in allen Fällen stigmatisiert. Für jeden Bereich gibt es eine entsprechende Totschlag-Vokabel: Kritik am Feminismus ist ,,sexistisch“, die Würdigung der Leistungen von Soldaten ist ,,militaristisch“, Patriotismus ist „nationalistisch“, hartes Durchgreifen gegen Kriminalität ist ,,menschenverachtend“, anti-linke Positionen sind „rechtspopulistisch“ oder wiederum ,,menschenverachtend“. Wobei Hitler gar nicht so marktwirtschaftlich war, aber da Neoliberalismus und Hitler als ,,rechts“ gelten, werden auch neoliberale Positionen stigmatisiert. Wenn man diesen allgemeinen Widerwillen gegenüber Härte, Männlichkeit, Militär, rechten und marktwirtschaftlichen Positionen sowie (nationalem) Stolz und Ehre auf einen Nenner bringen will, so lautet dieser Nenner: Es ist der allgemeine Widerwillen gegen das, was den Überlebenskampf ausmacht. Es darf daher auch nicht verwundern, dass es häufig bereits als unerträgliche Provokation aufgefasst und sogleich stigmatisiert wird, wenn man sagt, dass es so etwas wie einen Überlebenskampf beim Menschen überhaupt gibt. Auch hier gibt es passende Totschlag-Vokabeln: „sozialdarwinistisch“ und „biologistisch“. Gewissermaßen ist das natürlich verständlich, denn auch bei diesem gemeinsamen Nenner des Überlebenskampfes liegt eine Pervertierung durch Hitler zugrunde: seinen mörderischen Wahn begründete er bekanntlich mit dem sogenannten „Rassenkampf“ und seiner Ideologie vom „Lebensraum im Osten“.

Europa und wie wohl kaum ein anderes Land speziell Deutschland mogeln sich daher am Überlebenskampf in erheblichen Teilen vorbei, man nennt es auch Dekadenz. Man hat sich daran gewöhnt, dass Millionen Deutsche dem Überlebenskampf durch großzügige Hartz-IV-Leistungen entzogen sind, und die Transferempfänger werden zur Mehrheit – widernatürlicher geht es nicht. Wer dann eine Kürzung dieser Sozialleistungen fordert und damit eine stärkere Annäherung am Überlebenskampf-Gedanken, wird wiederum als „menschenverachtend“ ausgegrenzt. In Jüterbog verglich gar ein Linkspartei-Stadtverordneter einmal das Schicksal der Hartz-IV-Empfänger mit verfolgten Juden im Nationalsozialismus – womit die These von der Diskreditierung marktwirtschaftlicher Positionen durch die deutsche Geschichte, bestätigt wäre. Der SPD-Politiker Ludwig Stiegler verglich ebenfalls einst die CDU-Aussage „Sozial ist, was Arbeit schafft“ mit dem KZ-Spruch „Arbeit macht frei“.

Dass aber die niedrigeren Sozialleistungen in den USA nicht nur ein Segen für die Staatskasse sind, sondern sich dort auch positiv auf die Arbeitslosenquote auswirken, ist doch ein Beweis für die Stimmigkeit des Überlebenskampfes, mithin für die Weisheit der Natur. Der ef-Autor Roland Baader erklärt: „Im Gegensatz zum Sozialismus ist der Kapitalismus keine Kopfgeburt, sondern eine Art menschliches Naturereignis. Deshalb hassen ihn die Intellektuellen.“ Es muss ja nicht gleich die totale Abschaffung von Sozialleistungen sein, aber es wäre schon hilfreich, wenn der selbständige Überlebenskampf für die Betroffenen finanziell attraktiver wäre als widernatürliche Massen-Alimentierung. Die USA haben freilich kein Problem mit dem Selbstbewusstsein. Die Kriegsgewinner-Nation sieht sich selbst als Befreier Europas Nummer eins.

Die dem Überlebenskampf entzogenen Transfer-Empfänger leiden nicht in erster Linie materiell, sondern sie leiden zutiefst an der Demütigung der Abhängigkeit von Anderen. Das gilt für Hartz-IV-Empfänger genauso wie für Studenten mit häufig ebenso schwachem Selbstbewusstsein. Denn manche Studenten werden – freilich häufig mangels sinnvoller Alternative und insofern unfreiwillig – ewig von den Eltern finanziert, während sie noch nie komplett selbst für sich gesorgt haben.

Auch die extrem niedrige deutsche Geburtenrate, die derzeit auf ein Aussterben der Deutschen hinausläuft, zeigt doch eine Entfremdung der Deutschen vom Überlebenskampf. Denn die Fortpflanzung ist doch neben der Versorgung der eigenen Existenz ein ganz wesentlicher Grundpfeiler des Überlebenskampfes. Natürlich ist in wohlhabenden Ländern die Geburtenrate banalerweise niedriger, und Deutschland braucht sich hierbei nun wirklich nicht an Entwicklungsländern zu orientieren. Aber wenn die Geburtenrate mit rund 1,4 Kindern etwa 0,7 Kinder unter der Überlebensrate liegt, dann stimmt etwas nicht. Das Argument, dass dies wiederum an der starken staatlichen ,,Absicherung“ liegt, die die Absicherung durch eigenen Nachwuchs ersetzt, erscheint mit Blick auf die diesbezüglich deutlich besser aufgestellte USA nicht ganz unplausibel und bestätigt das eben Gesagte über Hartz IV. Auch das Phänomen der kinderlosen Akademiker passt dazu. Wenn man mit 35 mit dem Studium fertig ist, dann wird es eben bereits eng mit der biologischen Uhr. Aber ein effektiver aufgebautes und privatwirtschaftlicheres Studiums-System ist ja ebenfalls verpönt, denn das ist böses neoliberales „Vernutzungsdenken“ und „Leistungswahn“.

Was das Militär als Eckpfeiler der gesellschaftlichen Sicherheit und damit als Eckpfeiler eines erfolgreichen Überlebenskampfes betrifft: die Gesellschaft identifiziere sich ungern mit den Soldaten und sei nicht bereit, ihnen Rückhalt zu geben, erklärte einmal der ehemalige Bundestags-Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD). Die Initiative „Soldatengedenken“, die den gefallenen Soldaten der Bundeswehr gedenkt und sich für mehr gesellschaftliche Solidarität mit den Soldaten einsetzt, hat es denn auch sehr schwer: an einem Gedenk-Zug im vergangenen Jahr in Berlin beteiligten sich noch nicht einmal ein Dutzend Personen. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete über die Reaktionen von Passanten: „Das sind Rechte, eindeutig“, raunten sich die Passanten zu. „Das sind doch sicher Rechte“, schimpfte die Ehefrau des albernen Herrn. Heinrichs Leute marschierten ohne Verstärkung weiter. Um in Deutschland als Nazi wahrgenommen zu werden, reicht es offenbar, die Fahne des eigenen Landes zu schwenken und das Hoheitszeichen des eigenen Militärs zu zeigen.“ Womit wir bei meiner Ausgangsthese wären. Typisch deutsche Militär-Verkrampfung auch, dass Spielzeugpistolen deutschen Lehrern als „Waffen“ gelten. Und nun bringe ich bezeichnenderweise wieder die stärker am Überlebenskampf orientierte USA ins Spiel: dort gibt es derartiges Soldatengedenken nicht nur in viel selbstverständlicherer Weise. Sondern die Facebook-Gruppe „Bundeswehr appreciation“ als erste Bundeswehr-Solidaritäts-Gruppe bei Facebook wurde von einem Amerikaner gegründet: „The founder of this group feels they are under appreciated and deserve more respect!“ Zu deutsch etwa: Der Gründer der Gruppe findet, dass die deutschen Truppen mehr Respekt und Würdigung verdienen.

Mitnichten ein Zufall ist auch Deutschlands Umgang mit Graf Stauffenberg und den Helden des Attentats auf Hitler am 20.Juli. Dass Medien Stauffenberg lieber als „Oberst“ denn als „Graf“ betiteln, hat häufig einen abwertenden Unterton. Die erste Kino-Verfilmung des Stauffenberg-Attentats übernahm nicht etwa ein deutsches Filmstudio, sondern – wieder sind wir bei den USA – Hollywood. Wie soll sich auch ein positives Soldaten-Bild in einem Land entwickeln, da Historiker wie Götz Aly formulieren, Millionen deutsche Soldaten wären im Zweiten Weltkrieg „plündernd und mordend durch Europa marodiert“. Die hoffentlich nur unglücklich formulierte Aussage unterscheidet sich kaum vom Ausspruch „Soldaten sind Mörder“ und vergisst freilich, dass die deutschen Soldaten es sich nicht einfach aussuchen konnten, ob sie kämpften oder nicht.

Dieses Vakuum an Härte, Männlichkeit, der Ausstrahlung von militärischer Wehrfähigkeit, Stolz und so weiter, dieses Überlebenskampf-Vakuum ist der eigentlich entscheidende Grund für die Probleme mit inländischen und ausländischen Jung-Machos auf den Straßen deutscher Innenstädte. Ein von Sozialpädagogen regiertes und von der „Bunten Republik“ träumendes „Gewalt-ist-keine-Lösung“-Kuschelland erzeugt nunmal kein Angst und Schrecken beim Straßenpöbel. Um nicht missverstanden zu werden, viele Anliegen der Islamkritik sind auch berechtigt und es gibt auch bei der Politik eine gewisse Islam-Duselei, die sich in Sonderrechten in Gestalt der Islam-Konferenz oder der kultischen Betonung der Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland zeigt. Aber die pauschalen und übrigens oftmals durch manche Mythen und Falschmeldungen zustande kommenden Angriffe gegen den Islam sind doch letztlich ein hilfloses Verdrängen der eigenen Schwäche und des ausgehebelten Überlebenskampfes.

Selbstgeißelungen mit der deutschen Geschichte zerstören die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Überlebenskampf, nämlich Stolz und Selbstrespekt. Dass die Selbstgeißelung Deutschlands und der damit einhergehende Verlust an Stolz und Selbstachtung jedenfalls eines der eigentlichen Ursachen der migrantischen Jugendgewalt ist, das zeigt ein Vorfall im Februar 2011. Vier Einwanderer, die einen 30 Jahre alten Deutschen ins Koma prügelten, zogen ihre Vorwürfe gegen das Opfer zurück, die sie in ersten Vernehmungen äußerten. Der Malergeselle habe sie mit rassistischen Sprüchen und mit „Sieg-Heil“-Rufen provoziert, behaupteten sie zunächst. Die Staatsanwaltschaft wies dies jedoch als „Schutzbehauptung“ zurück, Zeugen hätten Derartiges nicht gesehen. Aber versuchen kann man es eben erstmal, wenn der Deutsche sich erfahrungsgemäß durch so etwas beeindrucken und sofort paralysieren lässt. Die Täter können auf die Rückendeckung von Feuilletonisten wie Jens Jessen von der „Zeit“ vertrauen, der sich einmal sehr verharmlosend über einen U-Bahn-Überfall auf einen deutschen Rentner äußerte und dies in Zusammenhang zu „deutschen Spießern“ stellte. Auf Roland Kochs Kritik an kriminellen Ausländern reagierte Jessen mit dem Totschlag-Argument von rechtsextremen Übergriffen. Gerade diese mentalen Zustände forcieren es erst, dass Ausländer mit erhöhten Kriminalitätsraten auffallen, denn freilich sind es ja keine schlechteren Menschen. Der Mechanismus fängt schon viel früher als bei Straftaten an: die „Süddeutsche Zeitung“ brachte im vergangenen Jahr einen Artikel mit dem Titel „Die Schweinefleischfresser“. Darin wird von einer 88 Jahre alten Witwe erzählt, die als „Nazi-F...e“ beschimpft wurde, nachdem sie einem türkischen Jungen gesagt habe, dass er nicht auf den Boden spucken solle. Hier wird deutlich, dass die Wirkmächtigkeit der Faschismuskeule über die Debatten von Feuilletons und Politik  hinausgeht, sie reicht tief in den Alltag. So wird es im Alltag erreicht, dass sich die zivilisierte Gesellschaft schon im Vorfeld nicht gegen die Rüpel durchsetzen kann. Das Problem existiert so lange, wie sich die Deutschen durch solche „Nazi“-Anwürfe aus dem Konzept bringen lassen. Wenn sie es einfach an sich abprallen lassen, die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen und die Pöbler dafür ermahnen, dann erledigt sich das Problem. Es muss bei Integrations-Problemen eben nicht immer Alles durch Gesetze gelöst werden. Sondern die deutsche Gesellschaft hat es auch bei diesem Thema viel mehr in der Hand, das Problem im Alltag anzugehen, als man stets vermutet.

Dass nicht nur die Selbstgeißelung, sondern auch der Widerwillen gegen Männlichkeit mit dem Nationalsozialismus zusammenhängt, dafür gibt ein von Alice Schwarzer herausgegebenes Buch einigen Aufschluss: „Krieg. Was Männerwahn anrichtet und wie Frauen Widerstand leisten“. Zugegeben, es stammt aus dem Jahr 1992, aber man muss die feministische Bewegung wie alle anderen Bewegungen auch schon ein wenig nach ihren Wurzeln beurteilen. Schon der Buch-Titel ist bemerkenswert: für den Krieg sind offenbar nur die Männer verantwortlich, für den Widerstand nur die Frauen. Schwarzer schreibt: ,,In der vom Männlichkeitswahn beherrschten Nazizeit erlaubten gesuchte und schnell gefundene Sündenböcke, Gewalttätigkeit und Verachtung auszuleben und die Idealsierung des „heiligen Vaterlandes“ der eigenen Sippe und des eigenen Ichs aufrechtzuerhalten. Diese Art „männlicher“ Konfliktlösungen wird zunehmend durchschaut und abgelehnt.“ Die Anführungsstriche bei dem Wort „männlich“ machen es nicht besser, sie drücken nur aus, dass es sich um das traditionelle Verständnis von Männlichkeit handelt und nicht um die feministische Vorstellung vom feminisierten Mann. Schwarzer in einem anderen Aufsatz des Buchs: „Wer gegen Fremdenhass ist, muss darum auch und zuerst gegen Frauenhass vorgehen. Wer den Rassismus abschaffen will, muss auch den Sexismus bekämpfen. Denn der Sexismus ist die Quelle dieses breiten Stroms der Menschenverachtung, der über immer mehr Schwächere hinwegschwappt.“ Erstaunlich, nicht wahr? „Auch und zuerst gegen Frauenhass“! Noch deutlicher auf den Nationalsozialismus anspielend: ,,Denn im Golfkrieg fließen die beiden Ströme der Menschenverachtung zusammen: Rassismus und Sexismus. Beide haben dieselbe Quelle, beide funktionieren nach denselben Mustern: indem ein Mensch sich über den anderen erhebt, sich zum Mittelpunkt der Welt, zum Maß aller Dinge macht - und sein Gegenüber  als „das andere“ definiert, als minderwertig, als Untermensch.“ Die Lage der Frauen, erklärte Schwarzer an anderer Stelle des Buchs, müsse global begriffen werden: „Denn die Ideologie vom Untermenschentum trifft und alle – Frauen der dritten und der ersten Welt.“

Schwarzers kurze Beschreibung ihrer politischen Biographie passt da nur zu gut ins Bild: „Es gibt auch antifaschistische Eltern. Ihnen verdanke ich meine Politisierung, die in der „bleiernen Zeit“ mit der Aufklärung über die Naziverbrechen begann, weiterging mit dem Protest gegen die Wiederaufrüstung und Notstandsgesetze, vertieft wurde durch die 68er und in die Frauenbewegung mündete.“ Möglicherweise sog Schwarzer bereits bei der Aufklärung über die Naziverbrechen ein Geschichtsbild auf, das die französische Publizistin Elisabeth Badinter beklagt und vom Feminismus-Kritiker Arne Hoffman in seinem Buch „Männerbeben“ zitiert wurde. Badinter führte aus, bei der Beschäftigung mit dem Dritten Reich hätten deutsche Feministinnen und Historikerinnen weibliche Täterschaft „fast 40 Jahre lang nahezu vollständig gemieden“ und sich stattdessen „auf die Aktivitäten von Widerstandskämpferinnen oder die weiblichen Opfer des Nationalsozialismus“ beschränkt. So entstand ein Geschichtsbild, welches die Historikerin Claudia Koonz wie folgt beschreibt: „Die Männer waren Nazis und die Frauen unschuldig.“ Dieses Männerbild halte sich bis heute, wie sich im Umgang mit dem Völkermord in Ruanda zeige. Unter den Personen, die für diesen Völkermord angeklagt waren, befanden sich auch 3.564 Frauen. Badinter fragt: „Aber ist das Schweigen der Medien, das sich um diese Frauen hüllt, nicht verblüffend?“

Das Schwarzer einen Zusammenhang sieht zwischen „Sexismus“ (also aus radikal-feministischer Sicht: Kritik am Feminismus) und „Faschismus“, scheint sich bei aller inzwischen vorgenommenen Mäßigung ihrer Aussagen bis heute erhalten zu haben: Eva Hermans Feminismus-Kritik befand sich für Schwarzer „Zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz“. Auf die Frage des „Spiegel“, ob es Schwarzer keine Sorgen bereite, dass in Deutschland so wenige Kinder geboren werden, antwortet sie mit Klartext: „Ehrlich gesagt: nicht die Bohne. Wir müssen doch im Jahr 2006 dem Führer kein Kind mehr schenken.“ Ein Land mit solchen publizistischen „Vorbildern“ braucht sich über die niedrige Geburtenrate wirklich nicht zu wundern. Die Pointe aber ist: Schwarzer ist bekanntlich auch als sehr scharfe Islam-Kritikerin bekannt, und auch wenn man ihre Kritik am westlichen Kuschelkurs gegenüber Islamisten verstehen kann, so arbeitet sie bei der Islam-Kritik mitunter genauso demagogisch wie bei ihrer Patriarchats-Kritik. Und diese überzogene Furcht vor dem Islam und die Verknüpfung des Problems der arabischen oder türkischen Jung-Machos in Kreuzberg mit dem Islam, hängt meines Erachtens eben damit zusammen, dass der kinderreiche Islam sich eben nicht so stark wie die europäischen Einheimischen dem Überlebenskampf entzogen hat. Dass Schwarzer selbst kinderlos ist und mit Verweis auf Hitler findet, dass die deprimierend geringe Geburtenrate Deutschlands kein Problem ist, könnte ein Hinweis darauf sein. Thilo Sarrazin hingegen macht sich in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ zwar auch starke Gedanken um die Demographie, betrachtet die niedrige Geburtenrate aber ziemlich fatalistisch. Er scheint das seiner Meinung nach offenbar ohnehin feststehende demographische Unheil lediglich abfedern zu wollen, indem er das Integrations- und Bildungs-Problem löst. Der „FAZ“-Herausgeber Frank Schirmacher urteilt: „Sarrazin argumentiert aus einer Position der Verzweiflung heraus. Die demographischen Prozesse sind so träge, dass die Transformation unserer Gesellschaft nicht aufzuhalten ist.“ Und hatte sich nicht auch Henryk M. Broder, ebenfalls wie Schwarzer in früheren Zeiten mitunter sehr vorschnell mit der Faschismuskeule bei der Hand, spöttisch über die Sorgen bezüglich der niedrigen Geburtenrate geäußert?

Einen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen ausgehebeltem Überlebenskampf durch niedrige Geburtenrate, einem daraus folgendem schwachen nationalen Integrationsvermögen und dem politischen Aufreiben an einer Religion findet sich auch in Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. Arendt erkennt: „In der durch die dauernd sinkende Geburtenrate nach dem Ersten Weltkrieg eintretenden Überfremdung Frankreichs gewann die Judenfrage noch einmal eine gewisse Bedeutung, und zwar weil die Juden das Sinnbild aller derer wurden, die auf französischem Boden lebten und doch dem Nationalverband nicht angehörten.“ Ohne Islamkritiker in die Ecke von antisemitischen Neonazis stellen zu wollen – und darum geht es ja in dem Zitierten auch gar nicht, nur werden solche Vergleiche natürlich wegen der historischen Belastung des Antisemitismus-Begriffes leicht falsch verstanden – die Parallelen sind an dieser Stelle dennoch faszinierend. Arendt an anderer Stelle des Werks: „Die Massen, mit welchen es die totalitäre Propaganda zu tun hat, leiden in keiner Weise an einer krebsartigen Wucherung des utilitaristischen Sektors der menschlichen Existenz.“ Sie litten umgekehrt an einem Schwund von Menschenverstand, Urteilskraft, sowie an einem „radikalen Versagen der elementarsten Selbsterhaltungstriebe.“ Inzwischen scheint Henryk M. Broder sich diesem Befund in einem anderem Zusammenhang zu nähern. Nach dem allgemeinen Mitleid diverser deutscher Politiker wegen des Tods von Osama bin Laden erklärte Broder in der „Welt“: „Aus dem Volk ohne Raum wurde ein Volk ohne Rückgrat. Eine WG, in der darüber diskutiert wird, ob man sich über den Tod eines Massenmörders freuen darf, hat nicht alle Tassen im Schrank; ein Volk aber, das solchen Schabernack treibt, hat sich politisch und moralisch aufgegeben, ein Club der toten Seelen, getrieben vom Willen zur Ohnmacht. Alles, was es zu seinem Glück braucht, findet es bei OBI. Und wenn es mal auf die Barrikaden geht, dann nur, um den Abriss eines hässlichen Bahnhofs zu verhindern.“ Sieh an!

Schwarzer indessen überträgt ihre halb-religiös übersteigerte antifaschistische und ihre feministische Weltsicht auf die Islam-Debatte. Das Kopftuch etwa bezeichnet sie als Brandzeichen, „vergleichbar mit dem Judenstern“. Es kommt bei der Islamkritik öfters vor, dass nicht-feministische Ansätze des Islam, die aber noch lange nicht frauenfeindlich sind, bereits als Beweis für seinen angeblich totalitären beziehungsweise Nazi-ähnlichen Charakter herangezogen werden. Für Nekla Kelek etwa ist in den Moscheen bereits die übliche Sitzordnung mit der Trennung nach Geschlechtern ein Zeichen für Demokratiefeindlichkeit. Damit wären das freilich auch Studentenverbindungen. Zwei vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebene Studien führten im letzten Jahr zu der Aussage von der  Ministerin Kristina Schröder (CDU), „dass eine erhöhte islamische Religiosität korreliert mit einer erhöhten Zustimmung zu Männlichkeitsnormen, die Gewalt legitimieren“. Jedoch: Belastbare Zahlen zur Kriminalitäts-Rate von muslimischen Einwanderern gegenüber Einheimischen konnte keine der beiden Studien vorzeigen. Eine der beiden Studien verweist lediglich auf eine Untersuchung, wonach 24 Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen als „gewaltaffin“ gekennzeichnet werden (nichtmuslimische Jugendliche Einwanderer: 16 Prozent; Deutsche jugendliche: 15 Prozent). Doch wieder gibt es einen Haken: Der „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen“ macht sich bereits schuldig, wer unter anderem folgenden Aussagen zustimmt: „Wenn jemand mich angreift, dann schlage ich auch zu“, „Der Stärkere muss sich durchsetzen, sonst gibt es keinen Fortschritt“, „Auge um Auge, Zahn um Zahn, so ist das nunmal im Leben“. Die feministisch-sozialpädagogische Denkschablone wird hier zum Maßstab für die Bewertung der Sittlichkeit von Muslimen. Wer die feministisch-sozialpädagogische Weltsicht nicht teilt und sich stattdessen am Überlebenskampf anlehnt, gilt schon ein gewaltaffiner Macho.

Lassen wir nochmals Alice Schwarzer mit einem diesmal verlängerten Zitat zu Wort kommen: „In der vom Männlichkeitswahn beherrschten Nazizeit erlaubten gesuchte und schnell gefundene Sündenböcke, Gewalttätigkeit und Verachtung auszuleben. Diese Art ,,männlicher“ Konfliktlösungen wird zunehmend durchschaut und abgelehnt. Die junge Generation und Friedensbewegung widersetzt sich der Spaltung in „Gute“ und „Böse“ (...).“ Bei Schwarzer wird die Spaltung in „Gute“ und „Böse“ verpönt und als Faschismus-verdächtig denunziert, bei der Studie des Familienministeriums ist es die in etwa äquivalente Formulierung ,,Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Insofern waren auch die denunzierenden Fragen in der Studie eine Folge der deutschen Geschichts-Neurose und der daraus folgenden Verpönung von Überlebenskampf-Gedanken und Männlichkeit. Und so entstehen die islamkritischen Mythen auf der Grundlage dieser Geschichts-Neurose. Das Mitleid mit Osama bin Laden war ebenfalls eine Folge der Verwischung dieser  von Schwarzer als faschistisch denunzierten Trennung zwischen Gut und Böse. Auch beim Tod von bin Laden zeigten die dem Überlebenskampf entsprechenden, kapitalistischeren und Militär-freundlicheren USA ein gänzlich anderes Verhalten. Die Freude über seinen Tod findet man dort nicht anstößig; George Bush werden indessen immer wieder aus Deutschland seine Formulierungen wie „Achse des Bösen“ vorgeworfen. 

Xenophile Islam-Duselei einerseits und Islam-Beschimpfung andererseits erweisen sich als zwei Seiten derselben Geschichts-Neurose. Beides ist die Folge eines schwachen deutschen Selbstbewusstseins, einer Angst vor den Deutschen selbst, vor einer Rückkehr des braunen Reichs in Gestalt von „Faschismus“ oder eben „Islamofaschismus“, wie die Islamkritiker auch formulieren. Patrick Bahners schreibt in einem keinesfalls nur gutmenschlich-sozialromantischem Buch „Die Panikmacher – die deutsche Angst vor dem Islam“: „Ständige Angst erhöht die Sicherheit nicht. Sie begünstigt Kurzschlussreaktionen und den Fehlalarm, sie zerstört das Alltagsvertrauen und das Selbstbewusstsein.“ Es ist nur bedauerlich, dass Bahners die geschichtlichen Ursachen hierfür in seinem Buch außen vor lässt oder nicht sehen will und sich stattdessen am Symptom der radikalen Islamkritik abarbeitet. So ist das Meiste in seinem Buch Gesagte zwar richtig, aber wohlfeil. Bahners und seinesgleichen geißeln in der Islam-Debatte zu Recht die den Überlebenskampf verleugnenden „Fanatiker der Aufklärung“, sind aber nur selten zu hören, wenn sich dieser Fanatismus nicht gegen den Islam, sondern aus den selben geschichtlichen Gründen zum Beispiel gegen Eva Herman oder Erika Steinbach richtet; das ist die Heuchelei an der ganzen Sache. „Panikmacher“ sind auch Rechtsextremismus-Hysteriker, und letztlich ist auch Bahners ein wenig ein „Panikmacher“ vor der Islamfeindlichkeit. Neulich bezog Bahners immerhin in der „FAZ“ gegen Professoren Stellung, die gegen eine Studentenzeitschrift vorgehen wollten, weil dessen Chefredakteur für die nationalkonservative „Junge Freiheit“ schreibt. Hier also einmal Kritik an der anderen Seite der „Fanatiker der Aufklärung“.

Diese Einseitigkeit der Kritik an den „Fanatikern der Aufklärung“ gilt auch bei Bahners’ Betrachtung des Islamkritikers Ralph Giordano, dessen bemerkenswerter politischer Hintergrund für Bahners offenbar ebenfalls kein Grund für Grübeln ist. Arne Hoffmann schreibt in einem ef-Artikel über Giordanos Kritik an der Faschismuskeule und am Islam: „War der früher nicht mal deutlich links? Hatte er nicht die These einer deutschen Kollektivschuld vertreten? In den neunziger Jahren erklärt, dass er sich hierzulande offenbar aus Selbstschutz bewaffnen müsse? Während der Möllemann-Kontroverse geäußert, sein Fluchtgefühl sei seit der Befreiung vom Nationalsozialismus noch nie so stark gewesen? Und hatte er nicht, als 2006 ein Schüler mit einem antisemitischen Schild über den Schulhof getrieben worden war, ‚An dieser Untat ist ganz Deutschland beteiligt!’ befunden?“ Hoffmann findet schließlich eine Erklärung: „Eigentlich ist Giordano ganz der alte geblieben. Er denkt immer noch gerne in Kollektiven statt in Individuen. Und statt pragmatischer Lösungsansätze hat er viel Hysterie und viel Selbststilisierung zu bieten. Der Giordano mit der Kollektivschuldthese ist immer noch da. Er hat für seine Rhetorik nur ein weiteres Kollektiv aufgetan.“

Könnte es nun sein, dass dies auch für Alice Schwarzer gilt? Wenn sie Eva Hermans Feminismus-Kritik und damit Millionen Anhänger von Hermans Thesen in die Nähe von Mutterkreuzen rückt, dann deutet sich an, dass sie geschichtspolitisch jedenfalls eher den ahistorischen Kollektischuld-Thesen von Daniel Goldhagen zustimmen würde als etwa einem wesentlich deutschenfreundlicheren und mehr differenzierenden Konrad Löw. Denn wer der Meinung ist, dass ein großer Teil oder gar die Mehrheit der Deutschen die Verbrechen Hitlers gutgeheißen hätte, der unterstellt auch gern einem großen Teil der heutigen Deutschen braune Tendenzen. Bekanntlich äußern linke Sozialwissenschaftler hin und wieder, untermauert durch dubiose Studien, der Rechtsextremismus komme „aus der Mitte der Gesellschaft“. Wenn Schwarzer so denken sollte, dass der „Faschismus“ aus der Mitte der Gesellschaft komme – dann auch aus der Mitte der muslimischen Gesellschaft?

Wenn nun auch Konservative und Rechte, die der feministischen oder „schuldkultigen“ Gehirnwäsche unverdächtig sind, sich mit der Islamkritik von Schwarzer oder Giordano identifizieren können, dann mag das eine gewissermaßen nachvollziehbare Reaktion auf deutsche Selbstgeißelung und Xenophilie sein. Sie geht aber eben doch am Thema vorbei und spiegelt eher die religiöse Variante des Antifaschismus. Wo die Islamkritik den Islam schon in seiner Struktur und von Grund auf totalitär findet, da finden Linke in jeder konservativen Position schon den Faschismus angelegt. Wo Erstere meinen, die Grenzen zwischen dem normalen Muslim und dem Fundamentalisten seien „fließend“, da erfinden Zweitere ein angebliches „Scharnier“ zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus. Wo linke Sozialwissenschaftler mit dubiosen Studien einen Rechtsextremismus aus der Mitte der Gesellschaft konstruieren, fabuliert eine CDU-Ministerin über „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen“ bei einer relevanten Anzahl von Muslimen. Beides läuft auf ein Misstrauen gegenüber großen Teilen der Gesellschaft und einer Angst vor diesen Teilen hinaus, die durch Verbote und Gängelungen gelöst werden sollen, also durch anti-liberale Konzepte: die Einen wollen Minarette und Moscheen verbieten, die Anderen wollen Sarrazin in den sozialen Tod treiben und die Republikaner vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Die einen wollen schärfere „Volksverhetzungs“-Paragraphen gegen Ausländerfeindlichkeit, die anderen strafrechtliche Sanktionen gegen Deutschenfeindlichkeit. Kein Wunder also, dass die anti-islamischen sogenannten „Rechtsparteien“ in Wahrheit zumindest wirtschaftspolitisch eher staatsgläubige Linksparteien sind.

In dem schon genannten Artikel der „Süddeutschen“ über die „Schweinefleischfresser“ wird auch die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erwähnt, die dafür gesorgt habe, dass eine islamistische Zeitung nicht mehr in Deutschland erscheine, da sie antisemitische Hetze enthalte. Daraufhin sei sie in e-Mails als „deutsche Schlampe“ und „Nazi“ beschimpft worden. Wie reagiert Schröder? Sie führt das Problem der Deutschenfeindlichkeit auf den Islam zurück und beklagt sich darüber, dass Deutschenfeindlichkeit nicht strafrechtlich belangt werden kann. Anstatt sich zu fragen, warum manche „Migranten“ solche Beschimpfungen wie „Nazi“ benutzen, nämlich weil sie genau wissen, welchen erpresserischen psychologischen Druck sie damit auf die deutsche Seele ausüben können. Und was dagegen zu tun ist. Stattdessen Schröders Haltung: Her mit den Gesetzen und Verboten! Aber die strafrechtliche Verfolgung sowohl von Deutschenfeindlichkeit als auch von Ausländerfeindlichkeit sind anti-liberale Konzepte und bequeme Lösungen, zu denen man kommt, wenn man es sich mangels Selbstbewusstsein als Gesellschaft nicht mehr zutraut, solchen Beschimpfungen auch anders Herr zu werden. Weil man den selbständigen Überlebenskampf verlernt hat. Kristina Schröder sollte sich daher lieber an einem liberaleren Bonmot von Cora Stephan aus deren Anti-Merkel-Buch orientieren: „Thilo Sarrazin hat eine wichtige Debatte angestoßen, die ein klares Ergebnis hat: Unser Problem sind nicht die Minderheit der Nichtintegrierbaren allein, die im Übrigen keineswegs nur muslimisch sind. Unser Problem ist mangelnder Selbstrespekt. Und die falschen Anreize, die von Sozialstaat und Steuersystem ausgehen.“

Im Zusammenhang mit diesem ,,mangelnden Selbstrespekt“ ist es meines Erachtens nicht ausreichend bemerkt worden, dass Patrick Bahners seinem Buch den Untertitel „Die Deutsche Angst vor dem Islam“ gab. Dass diese Angst deutsch und wahrscheinlich auch europäisch ist, dafür gibt es tatsächlich Indizien. Ein Beitrag des SWR aus dem letzten Jahr erklärt: „Laut einer Umfrage des US-amerikanischen Pew Research Center aus dem Jahr 2008 ist die Islamfeindlichkeit in Deutschland, Spanien und Polen besonders ausgeprägt (50, 52 und 46 Prozent der Bevölkerung). Und: „Deutlich weniger ablehnend sind die Menschen in Großbritannien und den USA. Aber auch in diesen Ländern sieht immer noch jeder vierte Einwohner Muslime in einem negativen Licht.“ Nun, das sind dann in den USA – auf deren Rolle in Bezug auf den Überlebenskampf und den Zweiten Weltkrieg habe ich in diesem Artikel schon mehrfach verwiesen – immer noch weniger als die Hälfte des deutschen Werts. Wobei man alle Zahlen solcher Studien aus bereits erwähntem Grund freilich mit einer gewissen Gelassenheit betrachten kann, aber der Gegensatz zwischen dem anglo-amerikanischen Raum und Rest-Europa ist dennoch interessant. Bahners betitelt in seinem Buch ein Unter-Kapitel über deutsche Kopftuchverbote mit ,,Ein deutscher Sonderweg“ (die Angst vor der Atomkraft lässt grüßen). Darin schreibt Bahners, allgemeine Kopftuchverbote für Lehrerinnen gebe es in Europa sonst nur in Frankreich und der Türkei, „den beiden Ländern, in denen der Kulturkampf gegen die Religion ein Element der Staatsräson ist“. In Österreich habe Bundeskanzler Schüssel ÖVP-Forderungen 2003 mit folgender Bemerkung abgelehnt: „Wir müssen nicht alle Diskussionen aus Deutschland importieren.“ So ist es, und stattdessen sollte Deutschland lieber klarmachen, dass Soldaten keine Mörder sind, hartes Durchgreifen gegen sich asozial verhaltende Jugendliche nicht faschistisch ist (auch nicht wenn die Jugendlichen mitunter Einwanderer sein sollten), deutsche Spießigkeit keine Rechtfertigung für Gewalt ist, und Männer keine Schweine sind. Sie sollten kurzum den Überlebenskampf wieder aufnehmen, für eine Geburtenrate oberhalb der Überlebensrate sorgen und gegen auf den Boden rotzende und die Füße auf die S-Bahn-Bänke legende Vollidioten intervenieren. Die real existierende sozialpädagogisch-feministisch-antifaschistische Selbstaufgabe-Republik hingegen wird auf den marodierenden Pöbel der Innenstädte keinen Eindruck machen. Freilich hat Zivilcourage bekanntlich Risiken, und was man hier von einem Bürger verlangen kann, hängt auch von seinen körperlichen Voraussetzungen und der möglichen Bewaffnung von Tätern ab. Aber eine Liberalisierung des Waffenrechts, die hier wenigstens für ausgeglichene Kräfteverhältnisse sorgen könnte und nach allen bekannten statistischen Fakten die Sicherheit erhöht, ist aufgrund der bereits angesprochenen Waffen- und Militär-Verpönung in Deutschland ja leider ebenfalls nicht drin. Welches Land ist noch einmal wegen seines liberalen Waffenrechts bei deutschen Sozialpädagogen verhasst? God save the USA! Ich glaube immer noch an sie, allen Untergangs-Propheten zum Trotz.

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