03. August 2011

Athanasios die Glosse Humanismus für Affen

Grundrechte ohne Latein?

Die „humanistische“ Giordano-Bruno-Stiftung hat das Projekt „Grundrechte für Menschenaffen“ neu gestartet. Warum ich Humanismus in Anführungszeichen setze? Weil die Stiftung mit dem Ketzer im Namen die Würde nicht nur dem Latein sprechenden Europäer zudenkt, wie die Humanisten es getan hätten, sondern auch den Großen Menschenaffen. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Affen namens Mensch sollen die Menschen namens Affe dieselben Grundrechte bekommen wie das französische Bürgertum im 18. Jahrhundert.

Was für den Menschen recht ist, ist für seinen nächsten Verwandten gerade gut genug. Seit jener die Leiter zum Himmel gekappt hat, rücken beide enger zusammen. Der Zeichner, der Darwins Kopf einem Orang-Utan aufsetzte, schuf die Allegorie für „Gerechtigkeit“ im 21. Jahrhundert: wenn der Mensch seine Rechte von Natur aus hat, die Arten aber wandelbar sind, dürfen die Menschenrechte vor Menschenaffen nicht zurückscheuen. Vielleicht stoßen sie bei ihnen ja auf größere Gegenliebe als bei Osteuropäern. Lassen wir die Großen Menschenaffen also ungestört ihre Religion ausüben, frei ihre Meinung äußern und verbreiten, selbst entscheiden, ob der Wärter ihren Käfig nach Kot durchsuchen darf, und sich ohne Stock und Stein „unter freiem Himmel“ versammeln, wenn dem kein Gesetz entgegensteht. Auch ihr Recht auf Eigentum sollen die Affen haben, auf sachliches wie geistiges.

Der Schimpanse Congo trat im Todesjahr 1956 des Malers Jackson Pollock dessen geistiges Erbe an und verkaufte seine Klecksbilder sogar an Picasso. Vor zwei Wochen profilierten sich Facebook-Nutzer mit dem Bild eines Schopfmakaken, der einem Tierfotografen die Kamera gestohlen hatte. Und ab sofort kannst du dich mit eigenem Video für die neue Staffel von DSDS bewerben. Das Ziel des humanistischen Projekts, „die Dekonstruktion der sakrosankten Grenzziehung zwischen Mensch und Tier“, es ist aber erst erreicht, wenn ein Affe Latein erlernt hat.


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