20. August 2011

Marktkommentar Von den Euro-Bonds bis zur Euro-Wirtschaftsregierung

Der letzte Tango von Pantsuit Angela und Petit Nicolas

Mein letzter Marktkommentar vor zwei Wochen hieß: „Die letzten Wochen des Euro“. Diese sind jetzt eindeutig eingeläutet, nachdem neben Spanien und Italien auch Frankreich unter Druck kommt. Große US-Geldmarktfonds ziehen gerade aus den Banken dieser Staaten riesige Summen ab. Die Kunden der Fonds wie Konzerne, die dort ihre Cash-Reserven parken, haben wohl kalte Füße bekommen. Daher gibt die EZB diesen Banken wieder einmal unlimitiert Liquidität.

Der Kampf gegen den Euro-Untergang

In der Realität erinnert dieser Kampf an die letzten Wochen und Tage des Hitler-Regimes, nur dass hier nicht fremde Armeen gegen Berlin vorrücken, sondern von den Finanzmärkten ein Euro-Staat nach dem anderen von den Finanzmärkten abgeschossen wird. Die Untergangs-Propaganda ist ähnlich.

Eine Wunderwaffe in diesem Kampf sollten „Euro-Bonds“ sein, bei dem alle Eurostaaten gemeinsam für die Rückzahlung haften. Wozu die Eurobonds? Der italienische Finanzminister Tremonto, einer der glühendsten Verfechter der Euro-Bonds, sagte am Wochenende nach der Verabschiedung eines harten Sparpakets sinngemäß: Dieses Vorgehen (das Sparpaket) wäre nicht nötig gewesen, wenn man seinen Vorschlag der Euro-Bonds bereits früher umgesetzt hätte.

Aha, mit Eurobonds müsste Italien nicht sparen, da die Staatsdefizite dann von anderen Eurostaaten bezahlt werden. Nur darum geht es auch Spanien und Sarkozy in Frankreich.

Jedoch wurden die Eurobonds gerade von Deutschland abgedreht, die FDP in der Regierung macht dabei nicht mit. Außerdem müssten dazu die EU-Verträge geändert werden, das ist kompliziert und dauert viel zu lange. Also ist das Geschrei um die Eurobonds nur ein letzter Versuch, die Märkte vom Abschuss der letzten Eurostaaten abzuhalten.

Dafür zogen Merkel und Sarkozy bei einem Treffen dieser Woche ein neues Euro-Rettungskaninchen aus dem Magier-Hut: die Europäische Wirtschaftsregierung. Auch dafür müssten die EU-Verträge geändert werden, selbes Problem. Außerdem wollen sich die EU-Staaten nicht noch mehr dreinreden lassen. Also ist es eine Totgeburt – nur ein weiteres Propaganda-Vehikel zur „Beruhigung der Märkte“.

Die Marktmanipulation funktioniert noch

Auch wenn die Euro-Politiker gerade den letzten Kredit verspielen, der wahre Grund, warum der Euro noch nicht kollabiert ist, ist Marktintervention. Nicht nur monetisiert die EZB derzeit spanische und italienische Staatsschulden und rettet die Banken vor dem Untergang. Es gibt auch externe Helfer wie die Schweizer Nationalbank (SNB), die in einer Harakiri-Aktion wieder einmal wertlose Euros in Massen aufkauft, um den Franken von der Parität zum Euro wegzubringen. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann ist klar, aber der politische Druck in der Schweiz von Regierung und Exporteuren dürfte zu stark sein.

Aber schaut auf das Gold

Der Goldpreis hat inzwischen $1800/oz erreicht. Weltweit hat eine Flucht aus den kaputten Währungen in das echte Geld, nämlich Gold, eingesetzt. Das Goldkartell versucht zwar noch auf den Preis zu drücken, aber das wird nicht mehr lange gehen. Dann kommt der große Preisausbruch und die panische Flucht aus allem Papier, auch dem Euro. Wie viele Wochen das noch aufgehalten werden kann, kann niemand sagen, aber mehrere Monate dürften es nicht mehr sein. Die Edelmetallhändler berichten bereits von Rekordumsätzen.


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