07. September 2011

Athanasios die Glosse Hilfe, der Mohr wird reaktionär!

Über dem Pflaster liegt das Laster

Es sah schon aus, als habe Reinhard Mohr seine Schuldigkeit getan und sei gegangen. Jetzt meldet er sich als Mohr im Hemd schokoladenschwarz zurück und sucht Anschluss an die heiligen drei Könige aus dem „Spiegel“: Broder, Matussek und Fleischhauer. Wie es seiner Mohrigkeit entspricht, gibt er den Kasper unter den Weisen des Abendlandes. Auf „Achse des Guten“, der Route 666 zur amerikanischen Ostküste, dem Highway to Hell der europäischen Neocons, seufzt er „unter der Dusche“ kleinlaut: „Hilfe, ich werde reaktionär!“

Was ist in der Mohrrübe vorgegangen, wenn der Sarotti-Fahnenträger der Sponti-Bewegung auf die Seite der Ausbeuter wechselt? In ihm hat das „übelriechende, klirrende Inferno“ der sogenannten Fuckparade Raum gegriffen. Mohr ging samstags durch die Friedrichstraße, als die Berliner Stadtreinigung (deren Slogan „We kehr for you“ von ihm stammen könnte) „den müllübersäten Asphalt mit schwerem Gerät“ von den Resten seiner Weltanschauung räumte. In den 80ern träumte dem Mohrn vom Strand unter dem Pflaster, im Magazin „Pflasterstrand“ wollte er ihn freischreiben. Und heute? Schöne Scheiße, über dem Pflaster liegen „umherwirbelnde Dreckhaufen und ein zehn Zentimeter hohes Meer aus zerborstenen Bierflaschen.“ Und unter dem Pflaster nichts. Ja, aber wie wird der Mohr schwarz im Kanal wie ein Fleisch-Hauer von der Landwehr?

„Auf dem Weg nach Hause dann der furchtbare Gedanke: Wer zahlt eigentlich die Reinigungskosten für diese Privatparty? Der Fuck-off-Staat? Die Steuerzahler? Ich?“ Der Fuck-off-Staat zahlt die Kosten für diese öffentliche Party von deiner Mohrenkopfsteuer. Den reaktionären Staat, der vor der Party das schwere Gerät auffahren würde, habt ihr ja mit Pflastersteinen demoliert und im Moor der Spontanität versenkt. Geschenkt. Und warum der Mohr vom Heimweg bis zur Dusche braucht, um reaktionär zu werden? Den „Mohr im Hemd“ gibt’s nur mit einem Schuss Sahne. Wie im Wiener Kaffeehaus.


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