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Athanasios die Glosse: BoSS, Hugo Bossvon Athanasios Wie entnazifiziere ich eine Modemarke? Wenn ich ein Modegeschäft besuche, gehe ich zuerst in die Abteilung von Boss, Hugo Boss oder Hugo. Angelsächsische Mode reizt mich nicht, italienische Mode ist zu knapp, deutsche zu weit geschnitten für mein Gardemaß. Die Mode von Hugo Boss ist mir nicht bloß auf den Leib geschneidert, sondern erfüllt mit ihrem klaren und strengen Schnitt und ihrem militärischen Design auch meine ästhetischen Ansprüche. Sie können sich vorstellen, wie schockiert ich hörte, dass Hugo Boss sich erst zum Unternehmer aufschwang, als er in die NSDAP eintrat und die feschen Nazi-Uniformen schneiderte. Die von einem Londoner Private-Equity-Unternehmen eroberte Marke hat nämlich zur Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit eine Studie in Auftrag gegeben, die morgen im Talar des Beck-Verlags erscheint. Verfasst hat sie Roman Köster von der Universität der Bundeswehr in München. Demnach war Hugo Boss zwar nicht „Adolfs Schneider“, wie es sich der britische Eros gewünscht hätte, aber ein Beschäftiger von Zwangsarbeitern und Freund vom „berüchtigten Ortsgruppenleiter der NSDAP, Georg Rath, der in Metzingen vor allem durch sein grobes Verhalten unangenehm aufgefallen war.“ Das aber hatte schon die erste, persönliche Entnazifizierung von Hugo Boss zutage gefördert. Zur Entnazifizierung der Marke reicht das nicht aus. Dazu muss die Kollektion von heute antifaschistisch umgeschnitten werden. Diese schwarze Hose mit aufgesetzter Pattentasche am Oberschenkel, sie bekommt einen Five-Pocket-Schnitt. Das braune Hemd mit Schulterriegeln wird entriegelt und rosa gefärbt. Und was ist mit dem herrischen Herrenmantel „Sintrax“, soll das gelebte Vergangenheitsbewältigung sein? Das Parfümlabel „Boss Orange“ geht mit gutem Beispiel voran und unterstützt Unicef-Schulen in Madagaskar. Übrigens hat schon Hugo Boss gleich nach dem Krieg die Uniformen „für die französische Besatzungsmacht und das Rote Kreuz“ geschneidert, steht in der Studie. Wie wäre es nun mit orangen Schuluniformen für die Madagassen-Jugend? 21. September 2011 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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