12. Oktober 2011

Athanasios die Glosse Nobelpreis vor die Säue

Tranströmer und der Sexstreik von Oslo

Tomas Tranströmer ist eine gute Wahl als Träger des Nobelpreises für Literatur. Er steht ganz in der Tradition von Moby Dick. Erzählen, bis der Tran strömt — wie der Name schon sagt. Wer zum Teufel sind aber die drei Kannibalinnen, die dieses Jahr den Friedensnobelpreis bekommen haben? Ich erschrecke mich zu Tode, als mir das Triummulierat aus der Zeitung unter dem Turban entgegentanzt, im Kopftuch entgegenknurrt, im Schleier entgegenklagt. Niemals aber kämen mir die geringsten Zweifel an der Autorität des Nobelpreiskomitees.

Und so mache ich mich kundig über die Begründungen der hehren Damen und Herren aus Oslo: Der Preis wird den drei Menschenfresserinnen verliehen „für ihren gewaltlosen Kampf für die Sicherheit von Frauen und ihre Rechte, an der Friedensbildungsarbeit voll teilzunehmen.“ Friedensbildungsarbeit, wie geht das? Ich lese weiter in einer feministischen Tageszeitung vom Axel-Kleopotra-Springer-Verlag: Sirleaf (nicht Sir Leaf) ist „das erste frei gewählte weibliche Staatsoberhaupt in Afrika überhaupt.“ Und Gbowee (nicht G-Punkt-Bowee) gründete im Krieg eine Frauenbewegung und rief „einen ‚Sexstreik‘ aus“, um von den Gatten „einen Frieden zu erzwingen“. Also nicht bloß Anthropophaginnen, sondern Androphaginnen — Männerfresserinnen! Die Voodoo-Hexe und ihre Trommlerin, prämiert mit dem Fetisch des kalt kriegenden Abendlandes…

Nobel-Dynamit und Nobel-Preis gehören zusammen wie Atombombe und gerechter Krieg, pflegte ein Freund von mir im Kalten Krieg zu sagen. Heute müsste man seinen Spruch abwandeln. Nobel-Dynamit und Nobel-Preis sind wie Drohnenflug, oder Feminismus, und gerechter Krieg. Oder gerechter Friede. Oder auch nicht. Manche munkeln, mit Tawakkul Karman werde auch die Friedensbewegung der Muslimbruderschaft gewürdigt. Ich glaube das nicht, denn das Klageweib aus dem Jemen will ihr Geld in des Westens liebste Sparsau werfen: die Staatskasse.


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