19. Oktober 2011

Athanasios die Glosse Wölfe schießen oder schützen?

Eine Tierfabel aus dem sächsischen Jagdrecht

Der Starke hat immer recht. Das kann man in Sachsen sehen. Jäger und Tierschutzaktivisten wollen den Wolf vor dem Aussterben retten. Die Jäger meinen, er müsse ins Jagdrecht integriert werden, aber nicht als Beute, sondern als Objekt des Monitoring: geschossen dürfen dann nur verhaltensauffällige Wölfe werden, also solche, die sozial schwache Nutztiere wie Schafe oder Ziegen reißen. Die werden ihrerseits geschützt, durch Elektrozäune, Unterwühlschutz und Herdenschutzhunde mit „Fördermitteln“.

Den Tierschützern reicht jedoch nicht, dass die Jäger geloben, sich für den Wolf zu engagieren. Sie fahren ihre Totschlagargumente auf wie verbotene Totschlagfallen. Keine Eigenverantwortung für Jäger, fordern sie, denn die Herren in Grün würden ja doch nicht an den Schulungen in den Wolfsbüros teilnehmen, wo man Meister Isegrim zu antidiskriminieren lernt. Nicht durch Waffen nämlich, nur „durch Prävention und Aufklärung der Bevölkerung“ werden „echte und vermeintliche Konftlikte zwischen Mensch und Wolf“ entschärft. Die Aktivisten lassen sich auch davon nicht beeindrucken, dass die Partei der Gelbfüchse einen Mitgliederentscheid über die Jagbarkeit des Wolfs auf den Weg gebracht hat. Der Wolf — nicht der freie Wald — muss die Wildmärkte regulieren, so die nackten Wald-Occupier ohne Pelz und Hubertus-Mantel. Der Wolfs-Managementplan Sachsens drücke nur die Interessen des Großwilds aus. Was aber ist Großwild anderes als Großgrundbesitz?

Und wenn die ersten Lämmer gerissen sind, das erste süße Bambi erlegt? Dann war es wieder einmal Jagdversagen. Dann muss das Monitoring verdichtet werden, das Gebiet ausgeweitet. Dann müssen die Jäger ein Sabbatjahr einlegen, in dem sie ihr Waidmannsheil bewältigen. Oder eine neue Jagdordnung muss her. Die Mann in Waffen haben auf Autos zu schießen, einmal in der Woche. Nur nicht auf Käfer und Panda. Und auf Jaguar nur mit Sondergenehmigung vom Stadtstaat Berlin.


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