12. November 2011

Marktkommentar Jetzt ist Italien dran

...dann Frankreich und dann...

Der letzte Marktkommentar hatte den Titel  „Euro: sie wissen nicht mehr weiter“ und befasste sich mit dem Rettungsgipfel-Zirkus der EU. Herausgekommen sind damals einige Ankündigungen zur „Beruhigung der Finanzmärkte“, sonst nichts. Einige Tage später begannen die „Ergebnisse“ schon wieder zu zerfallen. Vor allem gelingt es nicht, die Riesensummen für die Hebelung des EFSF-Krisenfonds am Markt aufzutreiben. Alle potentiellen Geldgeber, inklusive der sonst immer spendablen Japaner, sagten ab. Die Politiker wissen wirklich nicht mehr weiter, sie bringen keine EFSF-Aufstockung mehr durch ihre Parlamente, noch würden das die Märkte glauben.

Stattdessen beginnen besonders Sarkozy und Merkel sich wie Diktatoren aufzuführen, sie geben Spardiktate und Ultimaten an renitente PIIGS-Staaten wie Griechenland oder Italien aus. Laut Medienberichten soll dabei sogar mit Krieg gedroht worden sein. Regierungen werden gestürzt, wie es passt. So etwa vor einigen Wochen in der Slowakei und jetzt in Griechenland. Der Hass in den betroffenen Staaten auf die EU und diese Diktatoren muss gigantisch sein. Das bringt EU und Euro auf mittlere Sicht alleine schon aus diesem Grund um. Der Gipfel ist, dass man den Griechen gedroht hat, sie aus dem Euro rauszuwerfen, wenn sie nicht gehorchen. Wie das rechtlich gehen soll, wurde nicht gesagt.

Der Untergang Italiens:

Alle diese Massnahmen wurden alleine zu einem Zweck gemacht: eine Ansteckung der grossen PIIGSs wie Italien und Spanien zu verhindern. Die Kapitalflucht besonders aus dem hochverschuldeten Italien läuft jetzt schon einige Zeit. Am 9.11.2011 sprangen dann die Zinsen auf italienische Staatsanleihen über die Todesgrenze von sieben Prozent, ab der die Kapitalflucht zur Panik wird. Wie bei Griechenland, Irland und Portugal gezeigt wurde, ist dann eine Rettung des Landes innerhalb weniger Tage erforderlich.

Nur, dieses Mal wird es keine Rettung mehr geben: Italien ist zu gross dafür – too big to fail. Auch die Hebelung des Rettungsfonds EFSF hat nicht funktioniert. Die letzte Rettung in solchen Fällen innerhalb der Währung ist das pure Gelddrucken. Die EZB unter ihrem neuen Chef, dem Italiener Mario Draghi, macht es bereits, wird aber durch interne Querelen behindert. Besonders Deutschland stemmt sich dagegen. Sobald die Flucht aber aus dem Euro rausgeht, hilft das auch nichts, der Euro crasht dann.

The next one, Frankreich:

Auch aus diesem (Noch-) AAA-Staat und Stützpfeiler der Euro-Rettung läuft inzwischen die Kapitalflucht. Die Zinsen fahren hoch, aber noch nicht so stark wie bei Italien. Damit bleibt dann nur mehr der letzte grosse Mohikaner übrig: Deutschland. Sobald die Märkte zur Auffassung kommen, dass Deutschland nicht alles retten kann, kommt die Panik-Flucht aus dem Euro, dieser crasht dann ganz sicher, da helfen keine Markt-Manipulationen mehr.

Gold:

Der Goldpreis hat sich seit seinem durch das Goldkartell im September induzierten Einbruch runter auf 1.600 Dollar/Unze wieder schön erholt und liegt jetzt bei etwa 1.800 Dollar. Noch gelingt es, den ganz grossen Ausbruch zu verhindern. Aber wenn der Euro richtig crasht, ist der Goldpreis sicher nicht mehr zu halten und explodiert. Denn Gold ist das einzige Geld, das keine Counterparty hat, nicht crashen kann und nicht inflationiert werden kann. Daher verstärkt sich die weltweite Flucht in Gold und Silber – die Rettungsboote für die kommende Zeit.


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