23. November 2011

Athanasios die Glosse Ägypterin mit Balken im Auge

Aliaa Magda, die nackte Alliierte des Westens

In seiner Liebe zu Amina, der lesbischen Syrerin, wurde er bitter enttäuscht, jetzt hat sich der Westen wieder in eine arabische Bloggerin verliebt. Liebe macht ja blind, blind für künstlerische Minderbegabung, blind für eine gedrungene Figur, für ungleichförmige Brüste und einen altmodischen Haarschnitt. Besonders die Liebe des Westens hat höhere Werte im Auge. Sie liebt Aliaa Magda, die als „säkulare, liberale, feministische, vegetarische, individualistische Ägypterin“ und bekennende Atheistin bei Twitter aufgetaucht ist.

Die Medienstudentin an der Amerikanischen Universität von Kairo hat sich für ihr „Tagebuch einer Rebellin“ nackt in Strümpfen fotografiert, angeblich „vor Monaten im Haus ihrer Eltern“. Das Foto wurde verdreifacht, die Ballerinas und die Haarspange rot gefärbt, ein gelber Querbalken bedeckt einmal die Scham, einmal den Mund, einmal die Augen. Das symbolisiert, so soll auf dem Blog zu lesen sein, „unsere Zensur von Wissen, Ausdruck und Sexualität“. Einleuchtend, findet die „Süddeutsche Zeitung“, die das Nacktfoto ab den Brustwarzen zensiert: „Der künstlerische Wert ist nebensächlich. Was zählt, ist das Motiv“, und das rufe, wie in der Überschrift: „Seht her, ich bin nackt, akzeptiert mich!“ — An wen aber richtet sich der Ruf? An die Salafisten, die auf Tabus um Nacktheit ihr anti-säkulares, anti-feministisches Regime errichten wollen?

Ich glaube nicht. Ich glaube, das Foto richtet sich — wie die Slutwalks, wie die Occupy-Stripteases — an den säkularen Staat: Sieh her, Mutter Staat, ich bringe dir meinen Leib dar, untersuche ihn, reguliere ihn, versichere ihn und entnimm ihm die Organe! Nur schütze ihn vor der Religion und der Familie. „Meine Familie hat kein Anrecht auf meinen Körper oder meine Handlungen“, schreibt die Feministin mit der Fünfziger-Frisur. Deshalb fordern die Konservativen 80 Peitschenhiebe. Wogegen die Liberalen nichts einzuwenden haben.


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