10. Dezember 2011

Athanasios die Glosse Friedensnobelpreis für Mumia

Aber wer besänftigt die Götter?

Der afroamerikanische Aktionskünstler Mumia Abu-Jamal ist zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Genau genommen ist er sogar ein zweites Mal zum Tode verurteilt worden, findet jedenfalls Desmond Tutu aus Südafrika: „Der Gerechtigkeit wird nicht damit gedient, ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis zu verbannen — eine weitere Form eines Todesurteils.“ Deshalb bittet er den Staatsanwalt, er möge der Gerechtigkeit zuliebe „den Fall einstellen und Mumia Abu-Jamal sofort entlassen.“

Will sich der anglikanische Erzbischof ans weiße Establishment anbiedern, so wie kürzlich mit seiner Verleumdung, die Regierung des ANC sei schlimmer als die Apartheid? Ja, soll denn Mumia einfach freigelassen werden und sein Leben fristen wie ein Schwerverbrecher? Oder muss sich der Erich-Mühsam-Preisträger, der Ehrenbürger von Paris, das Ehrenmitglied der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ bald in Paris mühsam der Verfolgung durch Neonazis erwehren? Ich finde, er hat für sein Engagement zur Versöhnung der Rassen (immerhin hielt sich der schwarze Panther in den letzten dreißig Jahren aus allen Unruhen heraus) den Friedensnobelpreis verdient. Tutu hat ihn schon, nun soll er sich mit Günter Grass und Elfriede Jelinek für den gemeinsamen Schützling beim Nobelpreis-Komitee einsetzen. Friedliebende Politiker mit slavischem Background und sicherer Hand sind überall gefragt.

Ich gebe zu, früher hielt auch ich Mumia für den Mörder des Polizisten Daniel Faulkner. Ich war weiß, wie die Geschworenen von Philadelphia. Heute schwarz ich es besser — ich trage Rastazöpfe und jene Schminke, die aus jedem Europäer einen Afrikaner macht. Und ich bekenne: Mumia ist unschuldig. Damit ist aber ein prozesstechnisches Problem noch nicht aus der Welt. Womit besänftigen wir die grausamen Götter, die sich aufs Mumia-Skalp-Süppchen gefreut hatten? Ersatz muss her. Ich bin für Günter Wallraff.


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