22. Dezember 2011

Marktkommentar 2011 hat der Euro noch geschafft

Gold oder Hölle

So wie es aussieht, kommt der Euro-Zerfall nicht mehr 2011, sondern vermutlich im ersten Halbjahr 2012. Mit Gelddrucken und Goldpreisdrücken sowie Stützungen durch die Zentralbanken ist das gelungen, obwohl die Aussichten immer düsterer werden. So bereiten sich inzwischen Banken und Konzerne weltweit auf den Euro-Crash und Euro-Zerfall vor. In normalen Finanzzeitungen werden etwa schon D-Mark-Einführungs-Szenarien beschrieben – allerdings ohne den Sparern zu sagen, dass sie dabei massiv in Währungsreformen verlieren werden. Der Euro ist damit so gut wie tot, alle sollten wissen, dass er sich bald auflösen wird. Griechenland will Anfang 2012 sogar schon offizielle Verhandlungen zum Euro-Austritt beginnen. 2011 war also das letzte volle Jahr des Euro, 2012  wird er zerfallen.

2011/12 ist nicht 2008

Wir erinnern uns: 2008 kollabierten einige US-Investmentbanken, Lehman Brothers ging sogar in Konkurs, was das Welt-Finanzsystem sehr nahe an den Rand des Untergangs brachte. Jetzt sind wir wieder in einer solchen Situation: die Banken trauen sich untereinander nicht mehr, bekommen kein Kapital mehr. Allerdings spielt es sich diesmal primär in der Eurozone ab. Eine riesige Kapitalflucht läuft etwa aus italienischen und französischen Banken. 2008 konnten überall die Staaten als Retter ihrer Banken einspringen, das geht jetzt nicht mehr, weil die Staaten selbst pleite sind oder kurz davor. So ist etwa die Hälfte der Staaten der Eurozone pleite und lebt nur mehr mit Hilfe der diversen „Euro-Rettungsschirme“ und durch Gelddrucken durch die EZB.

Gold:

„Dank“ der massiven Preisdrückung durch die desperaten Zentralbanken dürfte 2011 kein besonders gutes Goldjahr werden, in Euro gibt es nur eine Wertsteigerung von etwa 20 Prozent. Beim ebenfalls preisgedrückten Silber gibt es vermutlich gar keinen Wertzuwachs. Aber das ist immer noch besser als etwa der Aktienmarkt, wo es 2011 massive Verluste gegeben hat. Speziell bei Bankaktien von oft über 90 Prozent. Auch das erinnert an 2008, das ebenfalls ein schlechtes Gold- und Aktienjahr war.

Ausblick 2012:

2011 war der Vorhof der Hölle, 2012 werden wir die Hölle sehen. Zumindest all jene, die noch in Papierwerten sind oder beruflich davon abhängen. Nicht nur der Euro wird crashen und sich auflösen, Dollar, Pfund und den anderen Papiergeldern wird es kaum besser gehen. Wie immer enden diese durch Flucht daraus. Überall werden wir entweder Hyperinflationen oder Währungsreformen mit massivem Haircut bei den Sparern sehen. Nur die Gold-Bugs werden jubeln, denn die Preise von Gold und Silber werden raketengleich in den Himmel fahren, wenn es richtig losgeht. Die Flucht in diese Metalle ist weltweit ohnehin schon viel stärker als etwa 2008.

Dann sollte man lieber nicht Politiker sein und dem Volk erklären müssen, warum die Ersparnisse weg sind und jetzt richtig beim Staat gespart werden muss. Mit „richtig Sparen“ ist natürlich der Abbau von mindestens dem halben Staatsapparat gemeint, inklusive Kahlschlag beim Sozialstaat. Dann kommt auch zu uns die richtige Depression, deren Ansätze wir derzeit etwa in Griechenland sehen. Alles fliegt dann auf einen Arbeitsmarkt, der ohnehin schon von Arbeitskräften übersättigt ist. Man wird wie in Argentinien 2002 die Mülltonnen nach Essbarem durchsuchen. Wer dann das richtige Geld wie Gold und Silber hat, wird das nicht tun müssen.

An alle Leser: Fröhliche Weihnachten und Prosit auf ein goldenes Jahr (nicht für alle) 2012.


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