14. Januar 2012

Athanasios die Glosse Ballack und Bauhaus

Kunstfußwerker mit Flachdach

Michael Ballack gilt nicht gerade als Künstler am Ball, schon eher als Kunsthandwerker oder -fußwerker. In die Vorlehre ging er beim Chemnitzer FC, zur Werklehre in die Werkstätten von Kaiserslautern und Leverkusen. In der Baulehre erlernte er unter den Formmeistern Hitzfeld und Magath den internationalen Stil des klassisch modernen Fußballs. Kein Wunder also, dass er sich auf der Suche nach einer Heimstatt zur Villa des Bauhaus-Architekten Gerhard Weber in Berg-Allmannshausen hingezogen fühlt.

Sehnsucht nach seiner Heimat Karl-Marx-Stadt könnte dabei eine Rolle spielen, würde man von Ballack, den die Engländer als typischsten aller Deutschen sehen, doch eher etwas Monumentales im Stile Albert Speers erwarten. Nun, hätte er die Champions League gewonnen, wäre der Moment fürs Monument am Karriereende vielleicht da. Immerhin ist eine Bauhaus-Villa am Starnberger See anspruchsvoller als ein Einfamilienhaus in Großburgwedel. Und so weit sind Speer und Weber nicht voneinander weg: der Mies-van-der-Rohe-Schüler war im Nationalsozialismus weiter als Architekt von Industriebauten gefragt, während andere Bauhäusler als „Baubolschewisten“ im Zuchthaus steckten. Kulturbolschewismus, Nationalbolschewismus — Quaderstil, es schenkt sich nicht viel. Und so wollte die unabhängig regierte Gemeinde Berg dem Erben Webers nur ein Haus mit Walm- oder Satteldach erlauben, falls er die Villa mit dem Flachdach abreiße.

Nun steht die Bauhaus-Villa unter Denkmalschutz. Anders als Michael Ballack bei der Werkself von Bayer. Immer öfter muss der „ewige Zweite“ auf den Sportsitzen der Leverkusener Auswechselbank sitzen, sehr zu seiner Unzufriedenheit. Falls man ihn nach 2012 beim Verein halten will, muss man die Bank auswechseln: Sportsitze gegen Polyurethan-Polster mit Lederquadraten auf verchromten Füßen. Das ist die Bank von Ludwig Mies van der Rohe, und zwar die Barcelona-Bank. Wer nähme darauf ungern Platz?


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