15. Februar 2012

Klimawahn Diese neue Religion

CO2-Wahn und Klimaschutz füllen eine religiöse Lücke, aber nun tauchen Häretiker wie Fritz Vahrenholt und Arnold Vaatz auf

Zu viele Menschen haben sich von der christlichen Kirche abgewandt, sind aus- oder gar nicht erst eingetreten. Dem von dieser Kirche verehrten Gott stehen sie fern, er ist ihnen gleichgültig, sie glauben nicht an ihn, sind von diesem Glauben abgefallen, haben zu ihm gar nicht hingefunden oder nicht hinfinden wollen – aus welchen Motiven auch immer. Es steht ihnen frei, sie dürfen es. Aber dann scheint ihnen doch etwas zu fehlen. Diese religiöse Lücke füllen sie mit dem Glauben daran, dass menschengemachtes Kohlendioxid (CO2) das globale Klima aufheize und daher das bisherige Klima vor dem Aufheizen zu schützen sei. Jedenfalls wird ihnen dieser Glaube von denen, die von ihm profitieren, eingetrichtert.

So laufen sie dann anderen Göttern nach

An etwas „glauben“ wollen die Menschen wohl. Für die, die vom Gottesglauben nichts halten,  muss es etwas Fassbares sein. Es muss etwas Gutes sein. Die meisten Menschen wollen sich als gute Menschen sehen und fühlen sich an Werte gebunden. Oder wer nach wie vor zu Kirche und Gottesglauben hingewendet ist, will an noch mehr glauben und ebenfalls an etwas Gutes. Menschen brauchen das wohl. In der Klimaschutzpolitik scheinen sie das gefunden zu haben. Diese Rolle einer Ersatzreligion haben  die Verteufelung des anthropogenen CO2 und der politisch propagierte, aber absurde Klimaschutz übernommen. Hinzukommt: Zu viele Menschen sind biegsam, fügsam und folgsam. Sie drehen ihre Fahne nach dem Wind und machen mit, was der Zeitgeist so verlangt, wollen nicht ins Abseits gestellt werden. So laufen sie dann anderen Göttern nach.

Die Abtrünnigen Vaatz und Vahrenholt

Einer, der von dieser neuen Religion inzwischen abgefallen ist und sich zum Häretiker gewandelt hat, ist der RWE-Manager Fritz Vahrenholt. Mit seinem Buch „Die kalte Sonne“ macht er in den Medien gerade Furore, und die Klimaschutzfanatiker gackern wie aufgeregte Hühner. Aufmerksam machen möchte ich aber noch auf einen anderen Abtrünnigen von der reinen CO2-Lehre, auf den Dresdener Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz. Vaatz ist Abgeordneter für den Wahlkreis Dresden II – Bautzen II im Deutschen Bundestag und dort Stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion. Er hält den Kernkraftausstieg Deutschlands für eine der verhängnisvollsten politischen Fehlentscheidungen der Bundesrepublik seit 1949. In seiner Antwort auf einen Leserbrief des Leipziger Professors Dr. Knut Löschke nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wer diesen Text nicht kennt, kann ihn unten nachlesen.

Bisher ohne Kesseltreiben davongekommen

Ich selbst kenne bisher keinen Politiker, der den Sachverhalt so unverblümt und treffsicher zur Sprache gebracht hat wie Vaatz. Erfolg bei seinen Parteifreunden hat er damit – wen wundert’s – nicht gehabt. Seltsamerweise hat aber bisher auch kein öffentliches politisches Kesseltreiben gegen ihn stattgefunden, jedenfalls nicht nach meiner Kenntnis. Allerdings habe ich ebenfalls nicht wahrgenommen, dass „die Medien“ seine massive Kritik an ihre Kundschaft weitergereicht haben, wie es ihre Pflicht gewesen wäre – und immer noch ist. Zumindest in dieser Hinsicht hat ihn die „Verbannung aus der medialen Relevanzzone“ wohl ereilt. Mal sehen, wie es Vahrenholt ergeht. Mit ihm wenigstens hat die Lügerei von der Klimakatastrophe durch anthropogenes CO2 und die mit ihr begründete „Klimaschutzpolitik“ erstmals  breite mediale Aufmerksamkeit gefunden. Möge das endlich zur Umbesinnung und bei den verführten Bürgern zur Abkehr von der „neuen Religion“ führen.

Und hier nun zum Nachlesen, was Professor Löschke schrieb und was Vaatz ihm geantwortet hat.  Löschke hatte in der „Leipziger Volkszeitung“ vom 9. Januar 2012 unter anderem dies geäußert:

„Mit der Klima-Rettungs-Wahnidee als Vorwand werden wertvolle Steuergelder verschleudert und auf eine Öko-Diktatur zugesteuert. Wir sollen glauben, dass die Erde in einer Klimakatastrophe verbrennen wird, wenn wir den Klimarettern nicht folgen. Die Wahrheit sieht anders aus…“

In seiner Mail-Antwort noch am gleichen Tag schrieb Vaatz unter anderem (die Zwischentitel sind von mir):

Eine Gleichschaltung der Gesellschaft ähnlich wie einst

„Herr Löschke trifft leider den Nagel auf den Kopf. Ich kenne beide (Löschke und den Nagel) ….  Während der Atomausstiegsdebatte im Vorjahr ist mir leider klar geworden, dass es nicht ein Mangel an naturwissenschaftlicher, mathematischer, technologischer oder volkswirtschaftlicher Sachkenntnis ist, der uns in die energiepolitische Sackgasse geführt hat. Es ist ein erbarmungsloser Konformitätsdruck, der von einer postreligiösen Gesellschaft ausgeht, die ihren arbeitslos gewordenen religiösen Sensus ausleben will. Dieser Konformitätsdruck hat eine Gleichschaltung der Gesellschaft verursacht, die zwar mit den Formen von Gleichschaltung wie wir dies aus der Geschichte der europäischen Diktaturen kennen, nicht identisch ist, jedoch ganz ähnliche Züge aufweist. Die Strafe für Widerspruch ist heute allerdings (zum Glück noch nicht!) Haft oder Liquidation, sondern nur die Verbannung aus der medialen Relevanzzone.

Leider ist dies als Todesstrafe für jene hinreichend, deren Existenzbedingung öffentliche Zustimmung ist. Dazu zählen in einer Demokratie ausnahmslos alle Politiker. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, dieses Dilemma zu bestehen:

Geisterfahrt der deutschen Klimapolitik, Bekehrung illusorisch

Erstens kann man versuchen, die öffentliche Meinung zu ändern. Man hat dazu eine scharfe Waffe: Die naturwissenschaftliche Schlafwandlerei, in der sich die Energie- und Klimadiskussion bewegt, und die bedarf nämlich scheinbar, um vom Balkon zu stürzen, nur des kleinen Rippenstoßes einer Richtigstellung durch die naturwissenschaftliche Klärung. Und man hat die Zukunft auf seiner Seite. Denn der Crash an der Wand der Realität nach der Geisterfahrt der deutschen Klimapolitik ist unausweichlich. Allerdings ist der Schlafwandler ein Elefant und der Rippenstoßgeber eine Maus. Und auf die Bekehrung des Schlafwandlers beim Erwachen zu setzen, ist Illusion.

Mitmachen ist politisch hocheffektiv

Zweitens kann man versuchen, sich der öffentlichen Meinung anzupassen. Diese Haltung ist politisch hocheffektiv. Viele schwere Entscheidungen muss man nicht selbst treffen. Sie werden einem von Umfragen abgenommen. Diese Haltung pflegen vielleicht 99 Prozent der Politiker in Deutschland. Sie wird gewöhnlich im Wort verachtet und in der Tat vollzogen. Die große Kunstfertigkeit des Politikers besteht in diesem Fall nicht mehr darin, einen objektiv richtigen Weg einzuschlagen und einen objektiv falschen zu vermeiden. Sie besteht darin, Argumentationsketten zu ersinnen, die auch die unlogischsten und verderblichsten Gelüste der öffentlichen Meinung als sinnvolle, legitime und erreichbare politische Ziele erscheinen lassen.

Hierzulande unterbunden: eine freie Diskussion

Das Schiff Deutschland hat seine Navigationsinstrumente an die Priesterschaft einer neuen Religion abgegeben. Es ist nicht mehr festzustellen, in welcher Seegegend wir tatsächlich manövrieren. Ob das neue Antiparadies, die Klimakatastrophe durch menschengemachtes CO2, wirklich unserer harrt, kann in unserem Land nicht festgestellt werden, weil eine freie Diskussion unter dem bei uns herrschenden Konformitätsdruck nicht stattfinden kann. Die Realität der Klimakatastrophe ist genauso wissenschaftlich erwiesen wie der gesetzmäßige Übergang der gesamten Welt vom Kapitalismus zum Sozialismus vor 35 Jahren, das Eintreten des ‚Endsieges‘ vor 70 Jahren und die Verantwortung von Hexen für Seuchen, Fehlgeburten, Todesfälle, Unfruchtbarkeit, Unwetter und Kriege vor 350 Jahren. Widerstand gegen Thesen dieser Art hat heute wie vor 35, 70 oder 350 Jahren für die bezweifelte These wenig, für den Zweifler aber große Folgen.

… die bisher größte Fehlallokation von Ressourcen und Kapital

Ob also eine Klimakatastrophe droht oder nicht, und von wem sie, wenn sie drohte, verursacht wäre und ob sie, wenn sie drohte, durch Politik vermeidbar wäre oder nicht, wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist, dass die politischen Vorkehrungen zur Verhinderung einer durch CO2 verursachten Klimakatastrophe gigantisch und von fraglichem Erfolg wären. Sollte sich die CO2-Annahme als falsch herausstellen, so hätten wir die bisher größte Fehlallokation von Ressourcen und Kapital in der Geschichte der Menschheit verursacht – mit allen hier nicht weiter zu erörternden Folgen besonders für die künftige Rangfolge der Volkswirtschaften in der Welt, möglicherweise dem definitiven Ende der Technologieführerschaft durch Demokratien…“


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