17. März 2012

Marktkommentar Griechenland jetzt auch offiziell pleite

Und den Schafen werden die Haare geschoren

Die Griechen haben es wieder einmal „geschafft“ und den nächsten Staatsbankrott hingelegt. Mit dem Schuldenschnitt bei den Privatgläubigern und dem Triggern der Credit Default Swaps ist es „offiziell“ geworden. Die griechische Tragödie ist aber noch nicht zu Ende. Auch hat dieser Staatsbankrott bisher zu keinem Systemkollaps geführt.

Griechenland war die halbe Zeit seines Bestehens im Staatsbankrott, der derzeitige Staatsbankrott  dürfte Nummer neun sein. Also ein typisches Zeichen für einen Staat, dem man absolut kein Geld borgen sollte – weil er damit nicht umgehen kann. Es gibt nur wenige Staaten, die einen so negativen Track Record aufweisen.

Da stellt sich die Frage, warum hat man diesen Staat mit anderer Kultur, Schrift und Religion überhaupt zuerst in die EU und dann in den Euro aufgenommen? Der wahre Grund ist die Schwärmerei der europäischen Eliten für die griechische Kultur, die es seit dem 19. Jahrhundert gibt. Nicht umsonst wird in manchen Schulen bei uns immer noch Altgriechisch gelehrt – „Humanistisches Gymnasium“. Das und der Wunsch nach einem starken Südpfeiler der NATO im Kalten Krieg führten zur Aufnahme dieses Staates in die EU 1976. In den Euro schwindelte man sich mit der Hilfe von Goldman Sachs und Erpressung.

Die Folge des Euro-Beitritts 2001 war, dass Griechenland voll auf Konsum auf Auslandskredit setzte, den Staatsapparat riesig ausbaute und die Industrie duch hohe Kosten vertrieb. Über lange Zeit tolerierten das die Finanzmärkte und stellten Kredite zu kaum höheren Zinsen bereit, als sie andere Eurostaaten zu zahlen hatten. Bis dann ab 2010 die Kapitalflucht begann. Der Staatsbankrott hätte schon 2010 kommen sollen, wurde aber immer wieder durch „Rettungspakete“ aufgeschoben.

Jetzt ist es also so weit: der erste Staatsbankrott in der Eurozone ist offiziell eingetreten. Mit dem Schuldenschnitt auf die Griechenbonds haben die restlichen Gläubiger ihren Haircut abbekommen, sie verlieren vorerst einmal circa 70 Prozent des Nominalwerts. Wer glaubt, dass es nicht genügend Naivlinge gibt, die immer noch Griechenbonds halten, der irrt: so etwa die KA-Finanz, die Pleitebank der österreichischen Kommunalkredit, die sowohl beim Schuldenschnitt verloren hat als auch Credit Default Swaps auf Griechenbonds auszahlen muss, was in Summe etwa eine Milliarde Euro Verlust ergibt. Wie dumm können Banker nur sein, warum stellt sie niemand vor Gericht?

Aber solche Naivlinge gibt es auch bei den Kleinanlegern. So will jetzt etwa eine deutsche Schutzgemeinschaft gegen den Schuldenschnitt und den nachfolgenden Squeeze Out der unwilligen Gläubiger klagen. Wir erinnern uns auch an die Aktion des „Handelsblatts“ 2010: „Wir kaufen griechische Staatsanleihen“, in der deutsche Prominente angekündigt haben, aus Solidarität solche zu kaufen. Einige haben es getan und haben jetzt ihren Haircut bekommen, falls sie nicht vorher heimlich verkauft haben.

Fazit: es gibt kaum ein Beispiel, wo man so gut gesehen hat, dass man sein Geld verlieren wird, wie bei griechischen Staatsanleihen. Nicht nur war der Track Record aus der Vergangenheit enorm schlecht, auch die derzeitige Tragödie zog sich zwei Jahre hin. Aber viele Schafe sind so blind, dass sie das alles nicht merken wollten.

Der aktuelle griechische Staatsbankrott ist natürlich noch nicht zu Ende. Bei der Parlamentswahl Ende April dürften linksextreme Kräfte an die Macht kommen, die dann jede weitere Schuldenzahlung ablehnen und aus dem Euro austreten werden. Die neue Drachme ist ja bereits fertig gedruckt.


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