25. Mai 2012

Total übergeschnappt Steinbrück bei Jauch

Eine in Ansätzen womöglich satirische Warnung

Was hat sich die ARD wohl dabei gedacht? Zur besten Sendezeit durfte der umstrittene SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Gasometer aufmarschieren und eine komplette Talkshow alleine mit Thilo Sarrazin bestreiten. Auf dieser Bühne konnte Steinbrück unwidersprochen seine kruden Thesen zur deutschen Sonderverantwortung für den Euro zum Besten geben. Günther Jauch moderierte unaufgeregt und ausgewogen, statt offensiv nachzuhaken und die abenteuerlichen Tiraden des stiernackigen Politikers, die von Experten auch als Bullshit bezeichnet werden, zu hinterfragen. So leistete Jauch, ob gewollt oder ungewollt, parteiische Schützenhilfe bei der Profilierung des Hetzers und Möchtegern-Kanzlerkandidaten.

Nicht ganz zu Unrecht hatte Grünen-Chefin Claudia Roth vor der Sendung zu bedenken gegeben, dass es dem Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Staatssenders widerspreche, unausgegorene Thesen über die Segnungen des Euros für Deutschland und die ganze Welt vor einem Millionenpublikum frei aussprechen zu dürfen. Schließlich drohen ungefilterte Ansichten eines Polit-Clowns in einer Demokratie zu einem unkontrollierbaren Meinungsklima im Volke zu gerinnen und dann zu einem wenig hilfreichen Wählerverhalten zu führen.

Ganz folgerichtig demonstrierten vor dem Gasometer – welch historisch unsensibler Ortsname für den Aufmarsch eines dem rechten Parteiflügel verhafteten Sozialisten – zahlreiche besorgte Wutbürger mit Transparenten wie „Peer – halt’s Maul“ und erinnerten daran, dass der rechtsabweichlerische Steinbrück noch vor wenigen Jahren ein friedliches Nachbarland militärisch überfallen wollte, als er den Schweizern in rassistischer Manier eine genetische Nähe zu „Indianern“ bescheinigte und ihnen mit der Entsendung der völkermordenden Kavallerie drohte.

Dabei sind es Steinbrücks krude, umstrittene, populistische, zynische, menschenverachtende, unsensible, rechtslastige, konsens- und mehrheitsunfähige und somit unwissenschaftliche Äußerungen mitnichten wert, diskutiert, näher analysiert oder genau zitiert zu werden. Auch bei Jauch stimmte der rechte und unbelehrbare Demagoge Steinbrück immer wieder seine altmodische Leier an und hatte seinem inhaltlich und moralisch überlegenen Gesprächspartner eigentlich nichts entgegenzusetzen, so dass es letzterem durchaus gelang, wie auch Nils Minkmar in der „FAZ“ richtigerweise bemerkte, diese hausbackene und unsympathische „zuckende Menschenkarikatur“ (Mely Kiyak) zu entzaubern. Dennoch wäre es hilfreich und wünschenswert, wenn solch abseitigen und hetzerischen Ansichten kein weiteres Forum in den öffentlich-rechtlichen sowie den freiwillig-selbstverpflichteten Qualitätsmedien geboten würde. Denn möglicherweise handelt es sich dabei nicht um Meinungen, sondern vielmehr um Delikte, die man mit der geballten antifaschistischen Artillerie gegen Rechts bekämpfen muss.

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 1. Juni erscheinenden Juni-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 123


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