29. Mai 2012

Sarah Kuttner Die Puppe und der Schwulst

oder Die Geburt der Heiterkeit aus nekrotischem Hirngewebe

Moment bitte, ich verspeise gerade den Rest einer oral praktizierten Zärtlichkeitsbekundung eines Mannes dunkler Hautfarbe. So, nun habe ich wieder die Hände frei. Es gibt Ereignisse, die so banal, so lächerlich, unwichtig und eigentlich gar nicht erwähnenswert sind, dass man sich fragt, ob man überhaupt auch nur ein einziges Wort über sie verlieren sollte. Im Falle des „Rassismus“-Vorwurfs gegenüber der Moderatorin und Schriftstellerin Sarah Kuttner muss ich aber leider kurz darauf eingehen, denn die Reaktionen, denen sich die 33-jährige Autorin – 33-jährig? Das sagt ja schon alles, hahahantifa – angesichts eines kleinen Exzerpts aus ihrem Buch „Wachstumsschmerzen“ ausgesetzt sah, bilden leider keinen Einzelfall, sondern sind nur ein weiteres zugleich deprimierendes und Lachtränenüberschwemmungen förderndes Ergebnis zweier gesellschaftlicher Entwicklungen: zum einen einer offensichtlich sehr erfolgreichen Totalverbl... nein, das könnte Gefühle verletzen… also, einer tiefergehende Textanalyse beeinträchtigenden Degeneration und Depravation zerebraler Zellstrukturen bis hin zu ihrer vollständigen Nekrose, andererseits einer Verclaudiarothisierung und ‑künastisierung öffentlicher Diskussionsräumlichkeiten. Das haben die Kleinstgärtner, Maschendrahtzaunkönige und Sagrotanschnüffler der Political Correctness nun von ihren paranoiden Wahnvorstellungen. Das kommt nun mal dabei heraus, wenn man jahrelang Autobahnen für Pausenclowns baut.

Das angeblich rassistische Corpus delicti aus der Feder Kuttners: „Nichts zu sagen ist allerdings gegen meine Negerpuppe. Ein riesiges Stoffungetüm, ganze achtzig Zentimeter purer, unschuldiger Rassismus mit einem obszön großen Kopf, der so schwer ist, dass er der Puppe immer wieder auf die schmalen Schultern fällt und ihr so permanent einen ergreifend niedergeschlagenen Eindruck verleiht. Als wäre das nicht schon entsetzlich genug, wird das Ganze noch von einem furchterregenden Paar praller, aufgenähter Wurstlippen getoppt. Vollkommen undenkbar, dass so etwas heute noch verkauft würde.“

„Welt Online“: „‚Minderbemittelte‘ Kuttner faselt über ‚Negerpuppe‘“. Auch der Blog jetzt.de der „Süddeutschen“ widmete dem Nanovorfall einen ausführlicheren Kommentar. Schon die Einleitung des Artikels dürfte vernunftbegabte Leser an den Rand des Lachinfarkts führen: „Die Diskussion um Sarah Kuttner und die ‚Negerpuppe‘ wirft die Frage auf: Wo beginnt eigentlich Rassismus? Ein Anruf bei Andreas Zick, der seit vielen Jahren über ‚gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit‘ forscht“.  Oder um eine beliebte Chatfloskel zu verwenden: ROFLMAO! Ja, wo beginnt eigentlich Rassismus? Manchmal beginnt er an den Grenzen eines Ironieverständnisses, neben dessen Umfang sich ein Mikrochip ausnimmt wie der Kölner Dom.

Ich muss daher all denjenigen, die noch nicht mal den Anstand haben, sich für ihre eklatanten Mängel in puncto Textinterpretation zu schämen und die, statt in Erwägung zu ziehen, die Grundschule noch einmal zu wiederholen, ihre peinlich berührende nocturne Geistespflanzlichkeit stolz als aufrichtigen Widerstand herausposaunen, als auch denjenigen, die deshalb gleich soziologische, psychoanalytische und konfliktpräventive, interethnisch-harmonieamplifizierende Kräuterteegespräche mit Hochkarätern für „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ führen (schon die Formulierung verdirbt mir den Appetit), in aller politisch korrekten Deutlichkeit leider mitteilen, dass ich sie für eine Aggregation zur Entsorgung stoffwechselphysiologischer Endprodukte herausgebildeter Körperöffnungen im dorsalen Unterleibsbereich halte. Autobahn and out.


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