23. Juni 2012

Athanasios die Glosse Fräulein Berg kommt zum Propheten

Gegen das Bündnis von Burka und Tweedjacket

Eine Schriftstellerin, an deren Satisfaktionsfähigkeit ernste Zweifel bestehen, fordert Martin Mosebach in ihrer Spiegel-Kolumne zum Duell. Der Romancier hat sich an entlegener Stelle „die strafrechtliche Ächtung der Blasphemie“ gewünscht und muss sich nun als „Gotteskrieger im Tweedjacket“ beschimpfen lassen: „Mosebach ist Träger karierter Tweedsakkos und runder Brillen, und scheint über sein wahres Alter hinaus gealtert zu sein“, schreibt die unter ihr wahres Alter hinein verjüngte Frau Sibylle.

Die Regeln der Höflichkeit verbieten selbst dem Plattfisch, einer Dame in dem Ton zu antworten, nach dem ihr Masochismus zu lechzen scheint. Deshalb will ich ihr ein Kompliment dafür aussprechen, dem Büchner-Preisträger das neue Etikett „Vordenker einer ganzen Generation adelssehnsüchtiger Jungjunker“ angebeppt zu haben. Und wende mich dem Sadisten Mosebach zu: „Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird.“ Richtig, Herr Mosebach, das wird es. Ja, es wird den Künstler disziplinieren, wenn er die „entstehenden Unkosten“ überschlagen muss, bevor er den Gott oder seinen Propheten beleidigt. Aber brauchen Sie dazu sicher „das Gewaltmonopol des Staates“? Denken Sie wirklich, dass die Blasphemie den Gott schlimmer beleidigt, „wenn die staatliche Ordnung durch sie gefährdet wird“? Und ist sie bei der Güterabwägung im Angesicht des Leviathan keine kleinere Gefahr als die Frömmigkeit?

Niemand soll seine künstlerische Freiheit missbrauchen, um Gott zu beleidigen, schon gar nicht, wenn der den Goldstandard und die Vollreserve von Sichteinlagen verlangt. Das wiederum ist eine Frage der Höflichkeit, nicht des Gesetzes. Um „wieder Musik in die Sache“ zu bringen, ist keine Staatskapelle von nöten. Knöpfen Sie ihr Tweedjacket auf und legen Sie die Reitpeitsche ins Eck, halten Sie das Einstecktuch bereit und zücken Sie das Monokel: die Musik spielt nicht zu Hofe, sondern in der Lobby.


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