06. Juli 2012

Streit der Ökonomen Unwissenheit ist Stärke

Lassen Sie sich nicht verunsichern! Bleiben Sie ahnungslos!

Erneut hat eine beachtlich große Zahl von Ökonomen die Rettungspolitik angeprangert. Ähnliche Aktionen gab es zweimal bei der Einführung des Euro, auch während des Mitgliederentscheids in der FDP und nun in Bezug auf die geplante Bankenunion. 172 Ökonomen haben sich dagegen ausgesprochen, eine Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung einzurichten.

Herr Schäuble warf den Wissenschaftlern in einem Radiointerview vor, sie stifteten Verwirrung. Offensichtlich hält er die Bevölkerung für gefährdet, durch das Lesen einer anderen Meinung als jener der Bundesregierung falsch geleitet zu werden. Das erinnert an Orwells 1984: "Unwissenheit ist Stärke." Fest im Glauben muss man sein, vertrauend auf das Geschick der Bundesregierung, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie, soll Ludwig Erhard einmal gesagt haben. Vielleicht hat Herr Schäuble ja diesen Satz mitgenommen. Dann wäre es sicher besser, den Menschen psychologisch beizustehen, indem man ihnen keine Grundlage für Zweifel gibt. Unwissenheit ist Stärke. Stärke bedeutet Wirtschaftswachstum.

Andererseits gilt auch: Wissen ist Macht. Wenn man mehr weiß als der Bürger, bleibt der Bürger dumm und die Regierung mächtig. Unwissenheit ist Stärke - die der Regierung. Wenn dann am Ende doch die 172 Ökonomen und nicht die bunte Truppe um Professor Bofinger recht behalten haben, dann kann die Regierung den ökonomischen Zusammenbruch immer noch auf die Chinesen schieben. Egal wie's kommt, Herr Schäuble hat dann ein weiteres Argument, mit dem er die politische Zentralisierung Europas rechtfertigen kann.


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