09. Juli 2012

Unionen Die Größe macht’s, oder etwa nicht?

Hayeks Ideen versus Zentralismus

In der gesamten Debatte um Fiskalunionen, Bankenunionen, Schuldenunionen, Eurounionen, europäische Unionen und vielleicht bald auch Globalunionen vergisst man zwei Fragen zu stellen. Erstens, welche Prinzipien liegen den Ideen zugrunde und klingen sie logisch? Und zweitens, hat man in der Vergangenheit schon ähnliche Experimente gewagt?

Doch zu allererst ein Wort der Demut: Man muss verstehen, dass Politiker nicht als Ziel haben, etwas zu zerstören. Ihr Ziel ist es, etwas besser zu machen. Man sollte sich immer fragen, ist man selbst in der Lage, es besser zu machen? Nichtsdestotrotz, dem Wunsch etwas besser zu machen unterliegt auch nicht immer die Kompetenz, dies zu verwirklichen. Entsprechend sind die Folgen manchmal nicht wünschenswert.

Nun aber zu den Prinzipien von Unionen. Unionen sollen Stabilität meistens durch eine Verteilung von stark zu schwach bringen. Eine Union soll etwas sein, dem man vertrauen kann, das gemeinsam, kollektiv agiert. Hier erkennt man also zwei Grundüberlegungen zum Bilden einer jeden politischen und wirtschaftlichen Union. Wenn man Gute und Schlechte, Stabile und Instabile in einen Topf schmeißt – also diversifiziert – meint man, man hätte am Ende ein gutes, stabiles Ergebnis.

Wenn man also ein Auto von einem schlechten Autohersteller und eins von einem großartigen besitzt und auf Abwechslung beim Fahren steht, müsste man nun aus den beiden Autos eins machen? Oder ist es denn nicht viel schlauer, dass schlechte zu verschrotten und sich ein anderes Modell des kompetenten Herstellers zu kaufen? Und wie sieht es aus, wenn man statt Autos solche Überlegungen über Finanzinstitute macht?

Das zweite Problem ist Zentralismus. Schon der römische Kaiser Augustus erkannte, dass, wenn man ein großes Reich besitzt, die Grenzen viel schwerer zu kontrollieren sind, als wenn man der Herrscher eines kleineren ist. Doch erst ein paar Jahrhunderte später ging das römische Reich zugrunde. Bis zu dieser Zeit hat man viele Ressourcen unter sehr großem organisatorischem Aufwand dazu benutzt, die Grenzen doch noch aufrechtzuerhalten. Stattdessen hätten dezentralisierte Gebiete smarter und wendiger agieren können, um Kosten (oft Kanonenfutter und Waffen) einzusparen und sich entsprechend auf andere Bereiche (zum Beispiel technologischen Fortschritt) konzentrieren können.

Und wer seinen Hayek gelesen hat, der weiß auch: Nicht jeder hat die gleichen Informationen. Informationen sind dezentralisiert. Die effizientesten Systeme sind nicht die mit einer einzigen Kommandozentrale, sondern die, wo es an jedem liegt, Eigenverantwortung zu übernehmen. Unterschiedliche Ideen müssen miteinander konkurrieren dürfen. Schwache werden dabei untergehen.

Genauso ist es heute mit Wikipedia-Artikeln beschaffen. Jimmy Wales ist selbst durch Hayeks Ideen beeinflusst. Er weiß sehr gut, dass nicht ein zentrales Redaktionsteam die besten Inhalte erstellen kann, sondern dass die Kompetenzen überall auf der Welt verstreut sind. Die einzelnen Themenautoren finden sich nicht in einer einzigen Stadt und auch nicht in nur einem Land. Und die Artikel werden ständig von wiederum anderen Personen aktualisiert und verbessert.

Wenn man jedoch meint, man könne zentralisieren, dann entsteht nicht nur viel Bürokratie, sondern oft auch ein großer Aufwand. Schutzschirme über Schutzschirme werden vielleicht entstehen. Immer mit mehr Milliarden ausgestattet. War solches „Wachstum“ nicht auch während des Rüstungswettlaufs im Kalten Krieg zu beobachten? Erklärt man jetzt den Krieg gegen Finanzmärkte? Wollen Staaten beweisen, dass sie über mehr Geld verfügen als Anleger? Wollen Finanzminister und Zentralbanker zeigen, wer Marktpreise beherrschen kann?

Wie im Kalten Krieg werden auch wieder nicht diejenigen am besten herauskommen, die das meiste eingesetzt haben.


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Alexander Czombera

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