17. August 2012

Krieg Wer als Letzter lacht, ist raus!

„Smarter Sensenmann“

Man liest ja viel, und als Freund von Definitionen und Anhänger der Wortgenauigkeit hat man sich längst an „Soziale Gerechtigkeit“, „Gleichstellungsbeauftragter“ und „sozialer Frieden“  gewöhnt wie an „eingefleischter Vegetarier“ oder „Bio-Zuchtlachs“, obwohl ein leichtes Zucken in der Schreibhand nie recht verschwinden will.

Ein Essay im „Spiegel“, Ausgabe 32/2012 lässt aber wieder alle Dämme im Kopf eines von Wortverdrehungen und absichtlich falschen oder schlampig verunglückten Schlussfolgerungen Geplagten brechen, trägt er doch den Titel: „Smarter Sensenmann“.

 „Fesch, fein, schick“, aber auch „vornehm, klug, pfiffig“ heißt es in der Übersetzung für „smart“. In Verbindung mit der mythischen Figur des Todes sicher ein ergiebiger Artikel für den an zu niedrigem Blutdruck leidenden Leser.

Schon im ersten Satz wird „Opferbereitschaft“ in Verbindung mit „Selbstmordattentäter“ genannt, aber Vorsicht, eventuell soll dieser konfliktreiche Einstieg ja innere Gegenwehr provozieren und eine wohlfeile Lösung kann dann um so schneller und einleuchtender präsentiert werden. Also weiter:

Eine kurze Erläuterung der Vorzüge von Distanzwaffen, Speer gegen Bogen, Bogen gegen Gewehr, Gewehr gegen Kanone. Ah, das ist die Richtung. Ich habe da so eine Ahnung.

Richtig. Trara! „Der nächste große Schritt waren die Raketen“. Großer Schritt wohin? Die Erklärung: „Nun konnten theoretisch auch Rollstuhlfahrer Krieger werden“, und weiter: „Sie (die Soldaten) brauchen weder Mut, noch Kraft und Geschick. Ein Knopfdruck reicht.“ Da reibt sich doch der militärische Gleichstellungsbeauftragte die blutigen Händchen. Wenn wir die Dinger rosa anmalen, dann wollen vielleicht auch Mädchen oder Schwule mal Knöpfchen drücken. Und da ja keinerlei Intelligenz benötigt wird, dürfen auch hin und wieder geistig Behinderte die ein oder andere Großstadt ausradieren. Gibt es die Knöpfe auch mit tastbarer Blindenschrift? Fantastisch. Was für ein großer Schritt! Dann der Satz: „Die militärische Forschung trachtet danach, den Menschen aus den Kriegen herauszuhalten, Roboter sollen das erledigen. Die Drohne ist eine Vorstufe der künftigen Kriege...“.

R2D2 gegen Robbi? Und in den 6.000 Kilometer entfernten Kommandozentralen zerren ganze Eliteeinheiten wie blöd an ihrem Joystick, saufen Bier, fressen Chips und machen Shake Hands, wenn sie Robbo Rambo die Platine zerbeult oder dem Titan Trooper die Ölleitung zerfetzt haben? Das macht so einen Spaß, wird gesponsert von Apple und der Telekom, und wer mal Bier wegbringen muss, drückt einfach auf „Pause“.

Bis, ja bis die Grünen kommen und den nächsten „Großen Schritt“ anschieben. Es geht ja auch um Ökologie und Nachhaltigkeit, all die Energieverschwendung, das ganze Blech und die Sauerei mit dem Öl, welches in die Umwelt versickert. Es gibt eine öffentliche Ausschreibung aller Computerspielentwickler, ein besonders realistischer Actionknaller in 3D gewinnt, bei dem man einen kleinen Stromschlag bekommt, wenn man abgeschossen wird wegen „...Mut, Kampfeswille, Opferbereitschaft, also Kriegerstolz“ und so, und wer verliert, baut die Twintower wieder auf oder muss bin Laden wiederbeleben. Am Gamepad entscheidet sich, welches Volk seine Ländergrenzen und seinen Besitz an den Gewinner zu übergeben hat und dessen Sprache und Kultur übernimmt. Haben ja 16:24 verloren! Klasse. So stellt Klein Fritzchen sich die Welt vor.

Darauf fragt sich der Autor, ob das alles nach alten Vorstellungen „feige“ ist, denkt wohl nicht sehr lange nach und hat schon die Antwort: „...das muss den Westen nicht kümmern. Es ist ein Gewinn, dass die alten männlichen Tugenden nicht mehr die Gesellschaft beherrschen.“ Frauenbeauftragter? Dann etwas mit: „... wie gerade die Deutschen wissen“, muss immer rein, und weiter: „Der Pilot einer Drohne kann durchaus stolz sein auf die Technologie des Westens, auf die Klugheit.“ „Intelligenz“ hätte smarter geklungen, ist aber wohl nicht verfügbar.

Ich muss atmen! Was ist da los? Schreibt Helge Schneider unter einem Synonym? Testet der „Spiegel“ die von der  Eurorettung übernommene und leicht abgewandelte Methode: „Wir schreiben mal etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da geschrieben wurde, dann machen wir weiter“?

Aber der Text kann nicht aus der Feder eines Komödianten sein, denn jetzt wird es so unappetitlich,  dass er im Ernst keinem der Lustigen zuzutrauen ist. Nach dem, was ich jetzt zitiere, werde ich den Artikel abbrechen, weil ich es nicht wage, einen ernsthaften Kommentar dazu zu schreiben. Ein lustiger liegt außerhalb meines Vorstellungsvermögens.

 Zitat: „Die Drohne ist gerade für den Typus des sanften Politikers eine Versuchung. (...) Zwischen 2.524 und 3.247 Menschen wurden getötet. Davon waren 482 bis 852 Zivilisten, einschließlich 175 Kindern. (…) obwohl die Drohnen präzise sind. (…) Humanität in Kriegsdingen ist also eine komplexe Angelegenheit...“


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Bengt Einicke

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