28. August 2012

Die evangelische Kirche bleibt sich treu Präses Schneider und die Räuberbande

Segne Du unsere Wehrmacht auf dem Lande, zu Wasser und in der Luft

Gemäß einer aktuellen Pressemitteilung plädiert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Nikolaus Schneider für eine stärkere steuerliche Belastung der Vermögenden: „Der Staat muss auskömmlich finanziert sein, und dazu müssen die Vermögenden ihren Beitrag leisten“, sagt der oberste Repräsentant der EKD: „Es muss Ehrensache sein, Steuern zu zahlen.“ Schneider nennt es „eine völlige Fehlentwicklung, dass das private Vermögen in Deutschland in der Summe höher ist als die öffentlichen Schulden“. Es dürfe kein Ziel sein, möglichst viel Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. „Dafür gilt es, das Bewusstsein zu wecken. Denn jeder braucht die Infrastruktur eines Staates, auch die Reichen.“ Ich schrieb Herrn Schneider den folgenden Brief...

Sehr geehrter Herr Präses Schneider, so wie Sie habe ich lange niemanden mehr vom Staate reden hören: Obwohl ein Scherflein ihres zusammengerafften Vermögens ausreichte, ihn zu erlösen, lassen seine missratenen Kinder den guten Vater Staat im Schuldturme verschmachten…

Ja, das geht zu Herzen, wirklich. Aber Sie reden doch nicht etwas über die Bundesrepublik? Meinen Sie tatsächlich diese abgetakelte Endsechzigerin, der man spätestens vor dreißig Jahren die Vermögensfürsorge für ihre Schutzbefohlenen hätte entziehen sollen, um sie daran zu hindern, deren Erbe und  Zukunft durchzubringen? Dieses Rabenaas hätte keine Hemmungen, seinen Urenkeln die Frühstückssemmeln aus der Brottasche zu klauen, um sie an seine gewerbsmäßigen Liebesdiener zu verfüttern. Uns alten Hammeln das Fell über die Ohren zu ziehen, braucht die keine geistliche Ermutigung eines Oberhirten. Naja, Sie haben freilich eigene Sorgen und die Furcht zu spät zu kommen; wer weiß denn schon, wieviel die Alte in Brüssel aufs Spiel gesetzt hat, und nur vom Fett der Schafe, die hier über die Klinge springen, bekommt Ihre Firma auch etwas ab. Versteh’ ich doch, bin doch kein Unmensch.

Sehr geehrter Herr Präses Schneider, Geld, also ich meine richtiges Geld, nicht Geldschein, ist ausgeprägte Freiheit. Und Freiheit ist das Vermögen des Bürgers, für sich, die Seinen sowie seiner Stadt Verantwortung zu tragen. Dass der Bürger dazu eines Staates vom Format des über uns gekommenen bedürfe ist ein vom Politikbetrieb tradierter Aberglaube, zu dem die Evangelische Kirche eine unheilbare Neigung zu haben scheint. Wieso sprechen Sie von einer Fehlentwicklung, wenn das Privatvermögen die Summe der öffentlichen Schulden übersteigt? Weil es unrecht wäre, wenn der Bürger hat, was dem Staat fehlt? Warum sollte das Unrecht sein? Weil der Staat sich für die Infrastruktur verausgabt, ohne die der Bürger nicht leben, geschweige denn reich werden kann? Das glauben Sie nicht ernsthaft! Die Wahrheit ist: Dieser Staat, der mit mehr als der Hälfte des Geldes seiner Leistungsträger kein Auskommen hat, ist eine Gefahr für seine Bürger, weil er ganz offenkundig unter die Räuber gefallen ist.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Christoph Mike Dietel

Autor

Christoph Mike Dietel

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige