03. September 2012

Ich will Europa Der Volkssturm bläst

Oder: Der Elefant im Porzellanladen

Ich will diese Europa, sprach Zeus, als er das Mädchen sah. Und wurde zum Tier. Europa, eine Schönheit, die Götter aus der Fassung brachte… Ich will Europa, so lässt sich heute der urkomische Versuch hören, fürs letzte Gefecht um Großeuropa einen Volkssturm anzublasen.

Gehen wir stiften, bevor es der Zahlemann tut, haben sich da wohl einige Direktoren jener Kombinate  zugerufen, deren Möglichkeit im Euroraume Kasse zu machen davon abhängt, die deutschen Werktätigen  den Gewinn der Exportweltmeisterschaft feiern zu lassen, selbst wenn der griechische Staatsbeamte das Produkt Made in Germany letztlich mit ihrem Gelde bezahlt haben sollte.

Gesagt getan – es wurde gestiftet, der Bundespräsident schirmt, die Kanzlerin grüßt. Und so dürfen wir jetzt alle wieder einmal Gesicht zeigen und bekennen, dass Europa in Gestalt von Schulzens Martin aus Hehlrath tausendmal schöner ist als die zarteste Versuchung des Göttervaters.

Und die Bekenntnisse lassen sich lesen. Sven zum Beispiel genießt die Freiheit, die ihm Europa und die EU bieten: „Arbeiten, wo ich möchte, Familien gründen, wo ich möchte.“ Aha – während also nomadisierende Bigamisten sich zu Europa bekennen dürfen, wurde mein Beitrag leider nicht freigeschaltet. Ich will, Europa, hatte ich geschrieben, weil es nur Europa gelingen konnte, das klimamordende Glühbirnchen zu bezwingen. Das war zwei Tage vor der endgültigen Befreiung von der  Killerlampe wohl noch etwas zu viel des Lobes. Ich werde aber wieder schreiben, denn ich will Europa, weil es einem einigen Europa schon 1492 hätte gelingen können, Amerika zu entdecken. Weil es einem einigen Europa sicherlich gelungen wäre, der Welt seinen Stempel aufzudrücken. Weil Einigkeit Europa in die Lage versetzt hätte, die Dampfmaschine, die Eisenbahn, Kunstdünger, Aspirin zu erfinden und die Elektrizität zu entdecken. Weil ein einiges Europa das Porzellan vor den Chinesen auf den Weltmarkt gebracht hätte. Weil … wes des Herz voll, des geht der Mund über, also bekennen Sie www.ich-will-europa.de!


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Christoph Mike Dietel

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