12. September 2012

Frauenquote EU-Richtline soll kommen

Gleichberechtigung sieht anders aus

Die Europäische Kommission macht Ernst in Sachen Frauenquote. Justizkommissarin Reding plant für den Herbst eine neue Richtlinie. Bis ins Jahr 2020 sollen 40 Prozent aller Aufsichtsräte in großen Unternehmen weiblich sein.
Bei Verstößen drohen Bußgeld, ein Entzug von Subventionen oder ein Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben. Die Entscheidung über Sanktionen solle aber bei den Mitgliedstaaten liegen.
Kommissarin Reding verweist auf McKinsey-Studien, wonach sich die Aktienkurse von Unternehmen mit gemischten Entscheidungsteams deutlich besser als die anderer Firmen entwickelt hätten. Unterstützt wird sie dabei von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: „Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze“, sagte sie.
Im Grunde widersprechen sie sich allerdings selbst. Wenn mehr Frauen in Spitzenpositionen mehr erwirtschaften würden, bräuchte es gar keine Quote – der zusätzliche Gewinn wäre Ansporn genug die Quote freiwillig zu erhöhen. Wäre das wirklich so – die Unternehmen würden sich darum reißen, Frauen in Spitzenpositionen zu platzieren.
Jetzt hat allerdings eine Studie über die Folgen der 40-Prozent-Frauenquote in Norwegen untersucht. In „The Changing of the Boards“ – ein Aufsatz zweier amerikanischer Ökonomen über Norwegen, kommen sie zu einem ernüchternden Ergebnis. Dort beschloss das Parlament 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent für die Verwaltungsräte. Der Anteil weiblicher Verwaltungsräte betrug damals nur 9 Prozent. Bis Anfang 2008 stieg der Frauenanteil dann wie vorgeschrieben auf über 40 Prozent.
Darunter litten jedoch die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen. „Wir finden einen großen negativen Effekt des erzwungenen Austauschs in den Boards auf den Unternehmenswert“, schreiben die Finanzprofessoren Kenneth Ahern und Amy Dittmar. Schon am Tag, als das Gesetz verkündet wurde, sanken die Aktienkurse derjenigen Unternehmen, die bislang keine Frauen im Verwaltungsrat hatten deutlich ab.
Hauptursache für die Verschlechterung ist wohl die Unerfahrenheit der neuen Managerinnen. Im Durchschnitt waren sie acht Jahre jünger als die bisherigen männlichen Mitglieder in den Verwaltungsräten und hatten weitaus seltener ein Unternehmen geführt.
Grund für die verschiedenen Gehälter ist keine „Diskriminierung“, wie immer behauptet wird. Zumindest nicht in großem Umfang. Der norwegische Soziologe Harald Eia hat das in seiner Dokureihe mit dem Titel „Brainwash“ überzeugend ergründet. Frauen wählen im Schnitt andere Berufe, sind eher zufrieden in ihrer Stellung, wollen kürzer arbeiten und haben Berufspausen wegen ihren Kindern. Zudem ist Intelligenz bei Männern ungleicher verteilt – es gibt mehr „dumme“ aber auch mehr hochintelligente. Das sind einige der wirklichen Gründe. Eine Quote ändert daran nichts und schadet nur den Unternehmen und der Wirtschafft allgemein.
Zudem bestraft der Markt Diskriminierung schlichtweg, weil sie teuer ist. Die Unternehmen konkurrieren um die besten Mitarbeiter. Lehnt eines von ihnen bessere Arbeiterinnen aus entsprechenden Gründen ab, finden sie woanders eine Anstellung und helfen dem Unternehmen die diskriminierende Konkurrenz vom Markt zu drängen. Wo also sind die Unternehmen, welche die unterbezahlten und besser arbeitenden Frauen massenweise einstellen und jegliche Konkurrenz schlagen? Um die These zu halten müsste man von einer weltweiten Verschwörung aller männlichen Unternehmer ausgehen die – alle – Kartellabsprachen haben und diese auch einhalten.

Großbritannien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Litauen, Malta, die Niederlande, Schweden, Slowenien sind allerdings schon jetzt gegen Redings Pläne. Sie haben im Rat einen Anteil von 104 Stimmen. 91 reichten aus, um den Vorschlag zu stoppen.


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