12. Oktober 2012

Literatur- und Kunstbanausen aufgepasst Seelische Schwermetallvergiftung durch Subventionen

(Erlebnisse an der Grube IV)

Aus dem alten Rom kennen wir das lustige Märchen, dass starke Geschlechter durch das Saufen von verbleitem Leitungswasser langsam verblödet und schließlich in der Richtung einer verschlafenen Zeugungsunfähigkeit beeinflusst worden sind. Um Schwermetallvergiftungen anderer Art soll es heute gehen; wir werfen dazu einen kurzen Blick auf den sogenannten zeitgenössischen Kulturbetrieb. Aber der Leser muss keine Angst haben: Es wird keine umfassende Kritik entfaltet, kein kritisches Weltbild verklickert, ein paar persönliche Bösartigkeiten tun es auch.

In unserer Welt gibt es betreutes Wohnen, betreutes Altwerden, Sexualassistenz, betreute katholische, koptische und evangelische Kirchenschändungen, existenzsichernden Feminismus, betreuten Links- und Rechtsextremismus, Kurse für Opfer und Fortsetzungen des dritten Teils eines Kurses für Berufsopfer; und es gibt den sogenannten betreuten Schreibprozess. Dieser setzt nach zehn Jahren Networking ein, wenn der einhundertfünfte „Kontakt“ in der Szene geknüpft und trotz äußerster Aggression im Kleingewerbe und der tausendsten Klinke, die man ins Maul genommen hat, das Geld nicht zurückkommt, das der Staat mit zahllosen Stipendien in einen investiert hat.

In seiner Angst um die drohende Abschreibung „nimmt der Staat Geld in die Hand“ und veranstaltet eine Ausschreibung für ein ultimatives Stipendium, mit dem das Opfer erstens Geld für die Miete der nächsten zwei Jahre erhält, zweitens von ein paar Vollprofis aus dem Literaturbetrieb handwerklich und sozial angeleitet wird, 120 Seiten zu schreiben, drittens Kontakte vermittelt bekommt zu Verlagen, die indirekt vom Staat abhängen, viertens auf Fotos gemeinsam mit sozialdemokratischen Politikern erscheint.

In diesem Wohlfühlprogramm, das ethisch nicht umstritten ist, spielt die Staatsangst zahlreicher staatsnaher sogenannter Kritiker und Redakteure eine große Rolle. Wenn der Staat dann auch noch so bauernschlau ist, einen Autor mit gefälliger Schlankheit, einem gewinnenden Lächeln und künstlichen Zöpfen für seine Wohltat auszuwählen, und wenn der Autor nicht aufmuckt und so konformistisch wie möglich und so gewinnend wie möglich seine stromlinienförmigen, eskapistischen Phantasien ausbreitet, steht dem ZDF-Aspekte-Literaturpreis nichts mehr im Weg.

Im erweiterten Wirkungskreis des Wolfy Herles trifft der Autor dann auf eine Konkurrenz, die zur einen Hälfte aus hartgesottenen 19-jährigen Subventionsempfängern und zur anderen Hälfte aus literarischen Busenwundern beiderlei Geschlechts besteht, denen gar nichts zu blöd ist, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, die der Autor von Muddern oder Vaddern nicht bekommen hat. Zum Pflichtprogramm eines solchen Textes, der natürlich in der öffentlichen Wahrnehmung des Preisträgers gar keine Rolle mehr spielt, gehören auch noch gewinnend vorgetragene ideologische Elemente wie eine Verteidigung der Zerstörung echter sozialer Bindungen (statt der Hoden des Vaters werden halt Lieblingshühner enthauptet und verkocht, symbolisch halt, weil Literatur) und eine Berufung auf alt-linke Klischees aus dem poststrukturalistischen Suppentopf. Den Trachtenjanker der „österreichischen Sprachtradition“ nicht vergessen; Händchen falten, Köpfchen senken und an die Jelinek denken.

Als Beobachter fresse ich eher den falschen Zopf einer linken Nobelpreisträgerin als einen solchen Käse vollständig durchzulesen. Es gibt im Netz keine einzige kritische Stimme gegen den diesjährigen Preisträgertext des Aspekte- Literaturpreises. Woran liegt das? Eher fresse ich tiefgefrorene nordkoreanische Hühnerfüße als darüber noch länger nachzudenken. Das Schwermetall der Subventionen hat die Menschen dumm und apathisch gemacht, mein letzter Gedanke.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Fritz Gstättner

Autor

Fritz Gstättner

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige