13. Oktober 2012

Athanasios die Glosse Der noble Preis des Friedens

Ausgezeichnete Tianan’men in Black

Die Europäische Union befindet sich nun in guter Gesellschaft mit wohltätigen Einrichtungen wie „Amnesty International“ und den UN-Friedenstruppen, mit modernen Heiligen wie Mutter Teresa oder Henry Kissinger und mit schwarzen Bürgerrechtlern wie Mandela, Obama und Martin Luther King. Sie hat für „die Beförderung von Frieden und Versöhnung, von Demokratie und Menschenrechten in Europa“ einen Preis gewonnen, der Mao und Mugabe ebenso versagt geblieben ist wie Vladimir Nabokov der Nobelpreis für Literatur.

Die EU hat ihren Friedensnobelpreis wohl verdient. Sie hat die Demokratie auf eine höhere Stufe befördert, wo sie von Kommissaren in Form von Menschenrechten über die Idioten (griechisch für „Private“) ausgeschüttet wird; dafür hat sie die alten Abwehrrechte der Privaten vor dem Staat ins Jenseits befördert. Die EU befördert die Versöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich, indem sie beide in ein arbeitsteiliges Verhältnis bringt: Frankreich verteilt großzügig das Geld der Deutschen in den Süden, während die Deutschen in bewährter Strenge dafür kämpfen, dass es dort wenigstens sparsam verschwendet wird. Und sie befördert den Frieden zwischen den Unionsgenossen wie eine Dampflok in eine ungewisse Zukunft, angetrieben von der Liquidität, die im Kessel ESM durch die Verbrennung der Einheitswährung entsteht.

„Frieden hat seinen Preis“, daran hat Paul Kirchhof gestern auf der Frankfurter Buchmesse all jene erinnert, die Bilder von blutigen Protesten in Athen und Madrid als Beweis dafür heranziehen, dass die Europäische Union als Friedensprojekt gescheitert sei. Das Gegenteil ist richtig. Solange die Demoi auf der Straße den Lohn für ihr Dasein einfordern, solange gezahlt wird, rast der EU-Zug mit Volldampf ins Reich des himmlischen Friedens. Präsident Schulz, legen Sie den Frack an, nehmen Sie die Auszeichnung entgegen, der Himmel kann warten!


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