16. Oktober 2012

FDP Brandenburg Eine typische Debatte um das Waffenrecht

Bericht und eigene Kommentierung

Es ist wohl eine zwischen den Zeilen zu lesende Botschaft, die die brandenburgische FDP-Fraktion jüngst auf einer Veranstaltungs-Einladung mitteilte: „Die erbarmungsloseste Waffe ist die gelassene Darlegung der Fakten.“ So zitiert der Flyer, der zu einer Diskussion über das Waffenrecht in eine Potsdamer Kneipe einlud, den früheren französischen Politiker Raymond Barre. Titel der Veranstaltung: „Legalwaffen und freie Bürger in Brandenburg!“ Dementsprechend kamen vor allem Gegner einer Verschärfung des Waffenrechts zu Wort – was freilich nur fair ist angesichts eines Meinungsklimas, das bereits einseitig genug von Waffen-Hysterie geprägt ist. Und bevor eventuell irgendwelche Verdächtigungen kommen sollten: Ich besitze weder eine Waffe, noch bin ich „Waffenlobbyist“, was aber auch nicht verwerflich wäre. Das Wort „Lobbyist“ gibt es im Zuge der linken Sprachmanipulation übrigens nur im Anschluss an „Atom-“ und „Waffen-“; handelt es sich dagegen um Wind- und Solarenergie oder den „Kampf gegen rechts“, so sind es nur   „Interessengemeinschaften“.

Welche guten und statistisch belegten Gründe es dafür gibt, dass eine Verschärfung des Waffenrechts keine Sicherheit schafft, hat ef-Kollege Jörg Janssen auf dieser Seite bereits in einem sehr fundierten Artikel dargelegt (Link siehe unten). Ich besuchte die FDP-Diskussion, und es sollte eine Veranstaltung werden, die mal wieder typisch und bezeichnend für den Zustand des gesamten „bürgerlichen Lagers“, ja für den Zustand des ganzen Landes und die dafür verantwortlichen Machtstrukturen war.

Schon die Ereignisse im Vorfeld waren typisch und bezeichnend. Die vom öffentlich-rechtlichen RBB ausgestrahlte Sendung „Brandenburg aktuell“ berichtete, dass in Brandenburg 40.000 Besitzer eines Waffenscheins rund 118.000 erlaubnispflichtige Schusswaffen besäßen. Weiterhin wird von insgesamt über 400 Straftaten mit Waffen gesprochen, die seit dem Jahr 2010 bis heute in Brandenburg stattfanden – wobei der RBB allerdings zu erwähnen vergaß, dass diese Straftaten mit erlaubnisfreien beziehungsweise illegalen Waffen begangen wurden. Der Verein Pro Legal e.V., der sich unter anderem gegen ein als überreguliert empfundenes Waffengesetz und für die „gesellschaftliche Akzeptanz von privatem Waffenbesitz durch seriöse Aufklärung und Berichterstattung“ einsetzt, beklagt auf seiner Internetseite, dass in dem RBB-Bericht binnen 40 Sekunden gleich drei Fehler begangen worden seien:

Erstens: „Der Begriff Waffenschein mit Waffenbesitzkarte wurde verwechselt.“
Zweitens: „Es wurden falsche Zahlen genannt. (242 statt 146 Straftaten im Jahr 2010.)“
Drittens: „Manipulation mit statistischen Werten. Es wurde suggeriert, dass legale Besitzer für über 100 Straftaten pro Jahr verantwortlich zu machen seien.“

Die von der FDP im Einladungs-Flyer zitierte „gelassene Darlegung der Fakten“ als „erbarmungsloseste Waffe“ kommt an ihre Grenzen, wenn das Gegenteil der Fakten von einem übermächtigen linken Medienkartell verbreitet wird. Zumal dann, wenn zudem auch noch das sogenannte „bürgerliche Lager“ in Politik und Medien nicht die geringste Lust verspürt, diesem Medienkartell und seinen täglichen linken Lügen und Gehirnwäschen irgendeinen Widerstand entgegenzusetzen. Es waren unabhängige Bürger und nicht die FDP, die wieder einmal mit der Aufgabe auf sich selbst gestellt waren, Protest gegen diese RBB-Gehirnwäsche zu organisieren.

Typisches Beispiel für diese bürgerliche Kapitulation: der brandenburgische FDP-Chef Gregor Beyer, der auch bei der Diskussion um das Waffenrecht dabei war. Er kritisierte die inzwischen abgesägte, frühere brandenburgische CDU-Landesvorsitzende Saskia Ludwig für ihre konservativen Positionen und für ihre Kritik an einer linken medialen „Meinungsmanipulationsmachine“. Andere Politiker kritisierten an Ludwig, dass diese ihre Thesen in der „Jungen Freiheit“ veröffentlichte, die ja nun gerade ein Gegengewicht gegen diese linke Meinungsmanipulation zu bilden versucht. Beyer jedenfalls sagte dem RBB: „Die Zeit, dass auf den Koppelschlössern deutscher Soldaten ‚Für Kaiser, Gott und Vaterland‘ stand, ist nun seit ziemlich genau hundert Jahren vorbei.“ Und nun kommt's: Er wünsche sich daher, dass die CDU allmählich kapiere, von wo der „Wind der Zeit“ wehe und mit diesem segle, anstatt mit „irgendwelchen vergangenen Winden“. Es klingt polemisch, aber dazu kann und muss man nur noch eines sagen: Es ist exakt diese Argumentation, die nach 1917, 1933 und 1968 Schlimmes bewirkt hat. Und Parteien mit einer solchen Argumentation belehren uns nun tagtäglich über „Zivilcourage“ und über die angebliche „Feigheit“ jener Generation von Deutschen, die unter der Knute der nationalsozialistischen Diktatur leben musste. Inzwischen wurde Ludwig wegen der „Affäre“ von der CDU zum Rücktritt gedrängt. Doch zurück zum eigentlichen Thema: Es ist natürlich logisch, dass von solchen Politikern auch kein Widerstand gegen die zunehmende Gängelung, Stigmatisierung und Kriminalisierung legaler Waffenbesitzer zu erwarten ist, und dass es eben auch nicht zu öffentlichem Protest gegen den RBB kommt.

Um mir die Zeit bis zur Diskussionsveranstaltung zu vertreiben, trank ich noch ein Bier und sah mir die Flyer an, die in den Wandkästen der Kneipe zum Mitnehmen auslagen. Dort fand ich selbstverständlich keinen Flyer der „Jungen Freiheit“, dafür aber einen Flyer für die „Horrornächte“ im Filmpark Babelsberg („Schrei, wenn du kannst!“) – und einen vom „Neuen Deutschland“. Man hat hier eben offenbar kapiert, woher der „Wind der Zeit“ weht, und dass man lieber mit diesem als mit „vergangenen Winden“ segelt. Gregor Beyer kann zufrieden sein.

Die Diskussion begann, und Beyer erzählte gleich von einer „Fülle von Zuschriften“, die er nach dem RBB-Beitrag bekommen habe. In dem Bericht seien legale und illegale Waffenbesitzer „na, ich sag mal, nicht ganz abgegrenzt dargestellt“ worden. Das Thema sei „für uns Liberale“ ein „hervorragendes Thema“, um liberale Grundsätze darzustellen. Und natürlich dankte er für das „große Interesse“ an dem Thema, das sich in gut 60 Zuhörern ausdrückte. Allerdings sei das „kein einfaches Thema, das möchte ich ganz deutlich sagen“. Nach den Amokläufen in Erfurt und Winnenden sei es „rein menschlich“ verständlich, eine Verschärfung des Waffenrechts zu fordern, doch interessiere ihn als Politiker natürlich, was der Maßstab für verantwortliches politisches Handeln sei.

Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei fragte daraufhin rhetorisch: „Was ist für die Polizei bedrohlicher, legale oder illegale Waffen?“ Die Antwort sei ganz klar, nämlich natürlich illegale. Schätzungsweise gebe es in Deutschland etwa doppelt so viele illegale Waffen wie legale. 2011 habe es in Deutschland 5.597 Schusswaffengebräuche gegeben, 27 davon mit legalen Waffen. Dies verdeutliche also in Bezug auf Verbotsforderungen gegen Waffen: „Na ja, kriminalistisch ist das jetzt nicht so das drängende Thema.“ Seit Langem fordere man bei der Gewerkschaft der Polizei jedoch ein „nationales Waffenregister“, in der jede Waffe registriert werden soll. Leider sei das Waffenrecht jedoch „außerordentlich kompliziert“ und „nur mit absolutem Spezialistentum“ zu verstehen. Die vorgeschlagene Lagerung von Waffen in einem Schützenhaus sei indessen aus Sicht der Polizei „das Schlimmste, was man sich vorstellen kann“, da potentielle Waffendiebe bei einer solchen Maßnahme erst recht auf den Geschmack kommen könnten.   Man beobachte allerdings in letzter Zeit eine Zunahme des Kaufs von „unschädlich gemachten Kriegswaffen“ im Internet, wie etwa einer sogenannten AK47, die für etwa 300 bis 400 Euro im Internet zu erwerben sei. Diese Waffen hätten seiner Ansicht nach „nichts, aber auch überhaupt nichts im Internet zu suchen“.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören gab die Ergebnisse seiner Gespräche in den USA  wieder: Dort herrsche bezüglich des Kino-Massakers von Colorado die Meinung vor, dass Schlimmes hätte verhindert werden können, wenn nicht nur der Täter, sondern auch andere Kinobesucher eine Waffe gehabt hätten. Diese andere Sichtweise wolle er nur mal „darstellen“, allerdings: „Ich will keine US-amerikanischen Verhältnisse in Deutschland haben.“ Warum er diese nicht haben will, sagte er allerdings nicht. Und so wirkte auch diese Äußerung wieder einmal auf mich als Wegducken vor dem Zeitgeist, weil man Angst hat, als FDP mit den üblichen dümmlichen Klischees als „Waffennarren“- oder „Waffenlobbyisten“-Partei stigmatisiert zu werden. Die Medienberichterstattung sei in Deutschland häufig ganz anders: „Da wird mit Ängsten gearbeitet, da wird nicht mit sachlichen Argumenten gearbeitet.“ Hier werde „ein Angriff gefahren“, der „in vielen Teilen nicht berechtigt“ sei. Im Koalitionsvertrag habe man aber festgeschrieben, dass es mit der FDP „keine Verschärfung“ des Waffenrechts geben werde. Diese Verschärfung sei nicht nur aus der Opposition gefordert worden, sondern „durchaus“ auch „aus der Koalition“. Bezüglich der Forderung nach einer Waffensteuer fragte er rhetorisch: „Welchen Sinn und Zweck hat das?“ Diese Forderung würde nicht erhoben, um Geld für den Staat einzuspielen, sondern einzig und allein, weil gewisse Kreise generell Waffen aus der Öffentlichkeit „wegbekommen“ wollten.

Das Vorstandsmitglied von Pro Legal e.V., Katja Triebel, zeigte sich in Sachen Waffen generell enttäuscht von der Politik. Sie hätte einst geglaubt, „dass die Politik uns rechtstreuen Bürgern den Rücken stärkt“, was jedoch nicht der Fall sei. Triebel erinnerte an diverse Verschärfungen der Gesetzeslage, wie etwa das 2008  eingeführte Messerführverbot. Trotz fehlender Fallzahlen und trotz fehlenden kriminalistischen Erfolgs sei die Maßnahme durchgezogen worden, doch die Kriminellen liefen auch weiterhin mit Einhandmessern und verbotenen Schlagringen umher. Ein „nationales Waffenregister“ schafft ihrer Meinung nach „überhaupt keine Prävention“ und auch keine Sicherheit. In Kanada habe eine Befragung von 2.800 Polizisten ergeben, dass „keine Gewalttat besser aufgeklärt“ worden sei. Zwischendurch verteilte Triebel kleine Seitenhiebe an die FDP wie jenen, dass nur René Stadtkewitz von der Partei Die Freiheit sich „getraut“ habe, im Berliner Abgeordnetenhaus eine kleine Anfrage bezüglich Zahlen zum Waffenbesitz zu stellen. Leider würden in der Debatte ständig „Fakten unter den Tisch fallen gelassen“. Nunmehr sei man im Zuge einer „Graswurzelbewegung“ dabei, diese Fakten selbst zu verbreiten. Unausgesprochen schien sie mir anzudeuten: Die FDP kuscht vor dem Thema, weshalb man die Sache als Bürger selbst in die Hand nehmen muss. Während ihrer Ausführungen meinte ich den seltenen Anblick von Schamesröte auf Politikergesichtern genießen zu können. 

Dr. Bernd Möller vom Landesjagdverband Brandenburg e.V. klagte, als legaler Waffenbesitzer werde man „kriminalisiert“, und man versuche dies nun „auch noch in Geld zu fassen“, indem bei Lösung eines Jagdscheins eine Gebühr fällig werde. Zudem sei eine Regelüberprüfung eingeführt worden, die alle drei Jahre eine Gebühr von 25 Euro nach sich ziehe, sowie eine Aufbewahrungskontrolle. Als Zahlen nannte er etwa 7,1 Millionen legale und etwa 20 bis 30 Millionen illegale Waffen in Deutschland: „Das ist eine Diskrepanz, die auf uns zurückfällt“, so Möller, denn man werde für die Taten durch diese illegalen Waffen als legaler Waffenbesitzer mitverantwortlich gemacht.

Die Fronten waren insgesamt schnell und klar erkennbar: Die beiden FDP-Abgeordneten klopften sich damit auf die Brust, Verschlimmerungen verhindert zu haben, und verteidigten somit den Status quo. Triebel und Möller hingegen sprachen für die Mehrheit des Saals, indem sie ihren Frust über die längst vorhandenen,  zahlreichen Zumutungen gegenüber Waffenbesitzern äußerten, die in den zuvor geäußerten Statements der FDP-Männer fast komplett verschwiegen wurden. Der Abgeordnete Serkan Tören erklärte sogar offen, dass es besser sei, „strategisch diese Linie zu fahren“, dass die vorhandenen Zumutungen nicht thematisiert werden, sondern man sich stattdessen darauf konzentrieren müsse, Verschlimmerungen zu verhindern. Denn wenn man jetzt für eine Liberalisierung des Waffenrechts streite, dann öffne man „die Tür für viele neue Diskussionen“, die dann erst recht zu Verschärfungen führten.

Bei der anschließenden Einbeziehung des Publikums in die Diskussion zeigte sich starker Frust, aber auch sehr viel Kompetenz in Detailfragen. Ein Herr interpretierte das restriktive Waffenrecht als Misstrauen der Politiker vor ihrem eigenen Volk und wollte von den Podiumsgästen wissen, woher dieses Misstrauen komme. Dr. Bernd Möller vom Landesjagdverband Brandenburg antwortete darauf, dass man zur Beantwortung dieser Frage nur eine Straßenumfrage zum Thema Waffenrecht machen müsse. Die Politik orientiere sich schlicht an der Mehrheitsmeinung der Bürger. „Und mediengesteuert!“, rief daraufhin ein wütender Besucher dazwischen, und der bereits erwähnte Gregor Beyer nickte. Anstatt „und mediengesteuert“ kann man meines Erachtens auch sagen: nur mediengesteuert, denn dies zieht automatisch die Mehrheitsmeinung der Bürger nach sich. Man kann es den Bürgern kaum verübeln, denn sie können nichts dafür, täglich von der linken Medienmaschine belogen und manipuliert zu werden.

Nach langer Zeit stellte ein junger Mann, der sich ebenfalls kritisch über die Medienberichterstattung speziell nach Amokläufen äußerte, endlich die in meinen Augen entscheidende Frage: Was kann an „Aufklärung“ getan werden? Woraufhin der Experte für Windschnittigkeit, Gregor Beyer, erklärte: „Die Welt ist so, wie sie ist, und wir leben nun einmal in einer Mediendemokratie.“ Es schien ihn nicht weiter zu beunruhigen, dass wir offenbar nicht stattdessen in einer Bürgerdemokratie leben. Nur zur Erinnerung: Beyer und Co. sind mit ihrem Mandat nicht den Medien, sondern allein den Bürgern verpflichtet. Wichtig sei allerdings, so Beyer, dass man „zusammenarbeiten“ müsse zwischen NGOs, Verbänden und der Politik, um Verschlimmerungen der Waffenpolitik zu verhindern.

Schließlich meldete ich mich selbst zu Wort. Ich ging auf Serkan Tören ein, der die Kapitulation des Kampfes für ein liberaleres Waffenrecht damit begründete, dass dann nur eher alles schlimmer werde. Diese „Strategie“ gehe nämlich nicht auf: Solange es nämlich den Waffen-hysterischen „Medien- und Meinungsmainstream“ gebe, werde es immer wieder Anläufe zu Verschärfungen des Waffenrechts geben. Und dies werde immer schlimmer, zumal sich das Waffenrecht ja auch seit Jahrzehnten immer mehr verschärfe. Das sei der typische Fehler der sogenannten „bürgerlichen Parteien“, dass diese sich stets darauf zurückziehen würden, den Status quo zu verteidigen, anstatt sich für eine Politik einzusetzen, die stärker als bisher auf die Eigenverantwortung der Bürger vertraue. Serkan Tören ließ sich jedoch nicht beirren und unterstützte seine defätistische Kapitulation vor den Medien mit einem konkreten Beispiel: Weil er sich nach dem Winnendener Schulmassaker gegen eine Verschärfung des Waffengesetzes gewandt hatte, wurde er in der „FAZ“ von Autor Roman Grafe mit den Worten stigmatisiert, Tören gehe „über Leichen“. Woraufhin ich ihm wütend und frei nach der großen Philosophin Claudia Roth zurief: „Das müssen Sie aushalten!“ Woraufhin Tören natürlich meinte, das halte man doch schon lange aus, weshalb man sich ja mit Veranstaltungen wie diesen gegen Waffenrechtsverschärfungen wende. Er verwies darauf, dass nach dem Winnenden-Massaker die Eltern der Opfer im Bundestag standen und eine Verschärfung des Waffenrechts forderten. Weshalb er an meine Adresse konterte: „Halten Sie das mal aus!“ Das sei „nicht leicht“, in einer solchen Situation mit den Eltern zu reden. Nun ja, als ef-Autor halte ich ja auch einiges aus und „leicht“ ist im Leben sowieso nichts. Natürlich ist das Schicksal dieser Eltern schrecklich, aber man darf, kann und muss eben, so schrecklich es ist, dennoch darauf hinweisen, dass viele dieser ermordeten Kinder oder alle Kinder vielleicht noch leben könnten, wenn Lehrer der Schule eine Waffe getragen hätten.

Man muss sich doch einmal eines vor Augen halten: Tören warnte davor, dass der Kampf für eine Liberalisierung des Waffenrechts die „Tür“ für „viele neue Diskussionen“ in Richtung einer Verschärfung des Waffenrechts bedeuten würde. Warum hat Tören denn die Angst, diese Diskussion zu verlieren? An schlechteren Argumenten kann es doch wohl nicht liegen? Und stand auf dem Flyer nicht: „Die erbarmungsloseste Waffe ist die gelassene Darlegung der Fakten“? Der Punkt ist: So lange das eigentliche, hinter der Waffendebatte stehende strukturelle Problem der linken Meinungs- und Medienhegemonie vorhanden ist, und die sogenannten „bürgerlichen Parteien“ kein Interesse an der Unterstützung von bereits vorhandener Gegenöffentlichkeit zeigen, wird Tören jede Debatte gegen links trotz besserer Argumente immer wieder verlieren. Und dies ist genau der Grund, warum das Land seit Jahrzehnten auch jenseits der Waffendebatte immer linker wird, warum die Schuldenberge immer riesiger werden, die Umverteilung immer schlimmer, die sogenannte Anti-Diskriminierung immer absurder, der nationale Selbsthass immer krankhafter. Und diese opportunistische Kapitulation vor den Medien wird dann als geschickte „Strategie“ schöngeredet.

Gregor Beyer hielt mir entgegen: Wenn ich die Demo gegen den RBB organisieren würde, dann sei er dabei, „aber Sie wissen ja: ohne Mampf kein Kampf!“. Nachdem der offizielle Teil der Diskussion beendet war, schien er schon flüchten zu wollen, als ich mich ihm zu einem Gespräch näherte. Er nahm sich aber doch kurz Zeit und antwortete auf meine Frage, was die FDP nun für die Gegenöffentlichkeit tun werde: dass man solche Veranstaltungen durchführe. Damit hatte er nun meines Erachtens in der Tat einen Punkt gemacht, was der Fairness halber deshalb hier auch bewusst nicht totgeschwiegen werden soll. Aber die anderen in diesem Artikel benannten Punkte kann er eben auch nicht wegwischen. Und Diskussionen wie jene in Potsdam gehören eben nicht im Kreis von Waffenbesitzern und ohnehin schon Liberalen ausdiskutiert, sondern gefilmt und anschließend auf Youtube eingestellt und auf der Facebook-Seite von Beyer und Tören mit Aplomb verlinkt. Damit die „gelassene Darlegung der Fakten“ als „erbarmungsloseste Waffe“ sich entfalten kann. Dafür aber fehlt den Herren der Schneid. Statt aufklärender Artikel über die Linken sieht man auf den Facebook-Seiten solcher Politiker vor allem Partei-Partyfotos mit bunten Luftballons und Presseerklärungen mit seichten Parteiphrasen, weil es freilich Marionetten eines Systems sind. Mit diesem Opportunismus mögen „bürgerliche“ Politiker es sich ersparen, von der „FAZ“ an den Pranger gestellt zu werden. Bei den Bürgern aber werden sie vor allem mittel- und langfristig immer mehr den letzten Rest von Achtung verlieren, was sich irgendwann rächen wird. Denn es muss sich irgendwann rächen, wenn die Bürgerdemokratie zur linken „Mediendemokratie“ entartet. Deshalb liegt Triebel völlig richtig mit ihrem Stichwort „Graswurzelbewegung“ – nur dies, und sonst nichts, ist auch jenseits der Waffendebatte der einzige Weg gegen die linke Meinungs- und Mediendiktatur. Schon gar nicht sollte man sich Illusionen über die Aussichten diverser Splitterparteien machen.

Als ich Beyer in diesem Zusammenhang im inoffiziellen Teil der Diskussion „Feigheit“ vorwarf, antwortete er: „Na, Feigheit würde ich das nicht nennen.“ Man beachte die entlarvende Sprache! Er sagt nicht etwa: „Das ist nicht so“, sondern er „würde“ es so nur „nicht nennen“! Dieser sprachliche Fauxpas geschah ihm, weil er es im Unterbewusstsein nicht komplett verdrängen und leugnen konnte, dass das gesellschaftliche Ansehen von Politikern irgendwo zwischen Zuhältern, Journalisten und anderen Puffbetreibern rangiert. Diese nicht mehr komplett zu verdrängende Realität übte nun vor diesem Satz einen ungemeinen Druck auf seine Psyche aus. Und diese Psyche wiederum übte einen solch unendlichen Druck auf sein sprachliches Steuerungszentrum aus, dass dieses Steuerungszentrum gar nicht anders konnte, als etwas aus sich entweichen zu lassen, was sein Unterbewusstsein nicht mehr kontrollieren konnte: Seine Psyche hatte gerülpst! 

Das sogenannte „bürgerliche Lager“ wird sich nun weiterhin so lange seinen Opportunismus und sein Niederknien vor der Linken als „kompromissbereit“ und „alternativlos“ schönlügen, bis der linke Schuldenberg zusammen mit dem demographischen Selbstmord dazu führt, dass sich die Deutschen eines Tages womöglich um einen Krümel Brot gegenseitig über den Haufen schießen. Mit illegalen Waffen, versteht sich.

Links:

Jörg Janssen, Waffenurteil in den USA: Auf Knopfdruck Vorurteile

Pro Legal e.V. über Anti-Waffen-Meinungsmache im RBB

„FAZ“ wirft Serkan Tören MdB vor, „über Leichen“ zu gehen


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