30. Oktober 2012

Befragung Jeder dritte Journalist ist schwün

Oder grarz

Laut einer Untersuchung über die politischen Präferenzen und Sympathien von Journalisten liebäugelt jeder dritte mit den Grünen, so das Portal „meedia.de“. Nur 7,6 Prozent stünden den Unionsparteien nahe.

Eine seltsame Meldung, weil es eigentlich gar keinen Unterschied macht, ob jemand nun schwün oder grarz wählt – die Unionsparteien haben sich genug energiewendewindiges Chlorophyll in die Adern gespritzt, um als Tannenwald durchzugehen, die Grünen wiederum sind längst im Spießbürgertum heimisch, verhalten sich seit langer Zeit mehrheitlich brav prosystemisch und wurden auch schon, siehe Jürgen Trittin, in die Agenda einer allseits bekannten Mauschel-Elite eingepreist.

Das wenig überraschende Ergebnis der Befragungen erklärt außerdem sehr schön die im aktuellen Mainstream-Journalismus epidemische intellektuelle Insuffizienz, ideologische Borniertheit, Hirnhautverhornung und erstaunliche Resistenz gegenüber allen Informationen, die den weltbildlichen Kuschelfakten-Koeffizienten stark negativ beeinflussen könnten – alles Eigenschaften, die man zuhauf ja auch bei den Grünen findet. Gleich und gleich gesellt sich eben gern. Man kann gewisse Daten und Erkenntnisse wiederholen, so oft man will – sie werden selbst dann noch stur ignoriert, wenn Spatzen sie von den Dächern pfeifen. Man kann beispielsweise noch so oft darauf hinweisen, es handele sich beim sogenannten „Arabischen Frühling“ in Teilen auch um einen amerikanischen Herbst, sozusagen – keine Chance. Es wird einfach nicht darauf eingegangen. Investigativer Journalismus? Habbich Keinboggauf. Verläuft eine etwas vorschnell überjazzte Entwicklung dann doch nicht ganz so positiv, hat man es natürlich schon im Mutterleib besser gewusst.

Dasselbe beim Teuro. Selbst heute noch werden in hiesigen Mainstream-Magazinen Sätze gedruckt wie zum Beispiel dieser („Focus“): „Seit mehr als drei Jahren tobt die Euro-Krise nun schon. Ausgelöst vom damaligen griechischen Finanzminister Papakonstantinou: Er musste Mitte Oktober 2009 zugeben, dass Griechenland in Wirklichkeit ein Haushaltsdefizit von 12,5 Prozent aufwies – mehr als dreimal so viel, wie das Land in seinen offiziellen Zahlen vorgetäuscht hatte.“

Kein Sterbenswort darüber, wer der griechischen Regierung beim Fälschen der Bilanzen half beziehungsweise einen „Deal“ mit ihr aushandelte, und vor allem – die diesbezüglich wichtigste Frage überhaupt – welche Motive wohl hinter dieser goldmännlichen Unterstützung gesteckt haben könnten. Ein bisschen Risiko in Europa spielen und Chaoswetten abschließen, schließlich macht man es anderswo genauso? Zu verschwörungspraktisch. Ergo: komplett ausblenden. Auch kein Wort darüber, wer den Schlamassel wirklich auslöste – nämlich diejenigen einheimischen Politikersimulanten, die wider sämtliche schon vor dem Beitritt des Landes bekannten, gewaltigen Risiken auf selbigem beharrten und abweichende Meinungen von treu ergebenen Postreichlern der hofnärrischen Zunft niederkläffen ließen.

Und ob die nicht erst seit dem Artikel auf „meedia“ offensichtliche ideologische Ausrichtung vieler Schreib- und Funkdiener vielleicht auch etwas zu tun haben könnte mit der – um es mal so milde wie möglich zu formulieren – extremen Einseitigkeit beziehungsweise politischen Schlagseite, mit der über diverse Plagiatsaffären berichtet wurde und die selbst einem tief unter Deutschland dahinbuddelnden Maulwurf binnen Sekundenbruchteilen aufgefallen wäre? Wieso eigentlich immer nur FDP und Union? Gibt‘s bei den Sozialdemokraten keine Promovierten? Mensch Axel, hast du‘s noch immer nicht kapiert: Erschleichung akademischer Titel, sowas machen Linke nicht – die sind gerade in Deutschland bekanntlich über jeden Zweifel erhaben. Mit Ausnahme von CDU/CSU und FDP fertigen alle anderen ihre Doktorarbeiten selbstverständlich durchweg nach allerhöchsten wissenschaftlichen Standards aus. Was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen? Was die Grünen betrifft, ist der Mangel an Plagiatsaffären indes keine große Überraschung. Denn eine Verwicklung in solche setzt ja ein intellektuelles Potential für Promotionen voraus, das in einem Haufen von Sozialgenderökolopolitoschaftlern und Rechtsextremismus-Experten aufzuspüren zu einem recht langwierigen, aufwendigen Unterfangen geraten kann.

Man muss wirklich kein Alarmist sein, um angesichts solcher politischen Sympathien eines erklecklichen Teils der deutschen Journaille von einer intellektuellen Missernte dieses Berufsfeldes zu sprechen.

Links:

„Focus“: Dieser Euro zerstört die Demokratie

Meedia: Jeder dritte Journalist liebäugelt mit den Grünen


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