08. November 2012

Athanasios die Glosse Die Kalifornikation der Sitten

Leben und Tod in der Porno-Demokratie

Als in Spanien die Diktatur abgeschafft wurde, machten sittenstrenge Herren große Augen. Plötzlich tauchten in den Kiosken sekundäre und primäre Geschlechtsteile auf, wo selbst Bikinis erst seit kurzer Zeit zu sehen gewesen waren. Ein sittenstrenger Katholik, der so konsequent war, die Prostitution zu befürworten, um die Scheidung abzulehnen, die Todesstrafe zu befürworten, um die Abtreibung abzulehnen, war hier ganz einfach entsetzt. Für ihn war die Pornografie nicht Prostitution, sondern Demokratie.

„Porno-Demokratie“ war der Begriff, auf den der Spanier die Unmoralität in den Kiosken brachte, ohne zu begreifen, dass auch diese Geschichte ihre Moral hat. Auch die Porno-Demokratie unterliegt einem ‚Wertewandel‘, und der kann genauso rigide in der Uniform eines Gesetzes daherkommen wie die Bikini-Diktatur in Francos Spanien. In Kalifornien hat das Volk der Kalifornier jetzt entschieden, dass die Todesstrafe erlaubt sein soll, im kalifornischen San Francisco haben die Bürger hingegen volksentschieden, dass Darsteller in Pornofilmen künftig Kondome zu tragen haben. Und zwar nicht um das harte Glied zu verhüllen, sondern um den harten Schanker mit ihm einzutüten, den Syphilis-Erreger, auch Lue genannt wie die Luege. Das behaupten zumindest Safer-Sex-Initiativen und linke Zeitungen. Als Quastenflosser bleibe ich lieber bei der verquasten Demokratie-Theorie des Spaniers.

Demnach geht es darum, den Zuschauern den Anblick von Geschlechtsverkehr zu ersparen, bei dem Kinder entstehen könnten. Schließlich soll den Darstellern nur verboten werden, vor der Kamera ungeschützt zu verkehren – ohne Kamera dürfen sie es ja jederzeit! Es wird auch die Pornografie nicht verboten, damit ihr verkehrsanleitender Wert nicht verloren geht. Die Botschaft: Macht es, mit wem ihr wollt, nur macht nichts. Und nächstes Mal wird die Todesstrafe abgeschafft, in der direkten Porno-Demokratie.


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