14. Dezember 2012

Geldpolitik Das deutsche Gold

Eine realwertgedeckte deutsche Währung kann den Restbestand freier Marktwirtschaft retten

Die größte Bedrohung für den weltweiten Wohlstand ist der Zusammenbruch der Überreste der freien Marktwirtschaft. Nicht der Abbau der knappen Naturresourcen. Nicht die Umweltzerstörung. Nicht die globale Erwärmung – oder heißt das jetzt „Klimawandel“? Nein, die größte Bedrohung für den weltweiten Wohlstand ist der totale Zusammenbruch des kleinen Rests dessen, was von der freien Marktwirtschaft übrig geblieben ist. Auf der ganzen Welt, nicht nur in totalitären Ländern, ist der Staat auf Kosten der wirtschaftlichen Freiheit auf dem Vormarsch. Das unentbehrliche Werkzeug, das es dem modernen Staat ermöglicht, sich unserer Freiheiten zu bemächtigen, ist der Zugang zu unbegrenzten Mengen von ungedecktem Papiergeld oder Fiatgeld, das von Zentralbanken kontrolliert wird – das heißt die unheilige Allianz des Staates mit der Zentralbank.

Das Wachstum der Fiatgeldmenge hat den Vormarsch des Staates möglich gemacht, weil er mit diesem Geld die Bedürfnisse der Menschen als höchste Instanz der Staatsausgaben übergehen konnte. Der Staat kann von seiner Zentralbank eine fast unbegrenzte Summe Fiatgeld erhalten. Er muss keine Steuern erhöhen oder ehrlich am Bondmarkt Geld leihen, so dass er weder eine Steuerrebellion noch hohe Zinsen befürchten muss. Er muss lediglich die Zentralbank überzeugen, seine Schulden zu kaufen. Der Staat übernimmt dann mehr und mehr Ressourcen, verschwendet diese in Kriegen und in Wohlfahrtsausgaben und entzieht der freien Marktwirtschaft ihre Kapitalbasis. Sobald die Kapitalbasis aufgebraucht worden ist, wird die Wirtschaft in einen dauerhaften Niedergang übergehen. 

Das Aushängeschild dieses Phänomens ist die ehemalige Sowjetunion. Jawohl, ein totaler Zusammenbruch ist eine reale Möglichkeit – auch für uns. Die Leute in Russland mögen geglaubt haben, der Rückgang würde ein Plateau erreichen, stoppen, und sich dann umkehren. Wie von Dr. Yuri Maltsev, dem ehemaligen Wirtschaftsberater von Michael Gorbatschow, im Buch „Requiem for Marx“ in aller Deutlichkeit erklärt, glitt die sowjetische Wirtschaft in eine Subsistenzwirtschaft ab. Die Kapitalbasis Russlands wurde zerstört und bald darauf folgte der Zusammenbruch.

Die Gelddruckmaschine wird als Alternative zum Sparen und Investieren als Mittel zum Wachstum der Kapitalbasis angesehen. Mit monetärem Stimulus wird versucht, eine hauptsächlich durch Exporte angetriebene wirtschaftliche Erholung herbeizuführen.

Wenn eine Nation ihre Exporte erhöhen kann, so die Logik, kann sie die Beschäftigung erhöhen, Schulden abzahlen und so weiter. Statt die Wirtschaft anständig zu reformieren, beteiligen sich die Währungshüter also an einer zerstörerischen „Abwärtsspirale“ einer wetteifernden Entwertung ihrer Währungen. Erst greift ein Land, dann ein anderes in seinen eigenen Geldmarkt ein, um seine Währung gegen alle anderen zu verbilligen. Aber, wie im Artikel „Value in Devaluation?“ erläutert, die Währungsabwertung wird nicht funktionieren.

Was dringend gebraucht wird, ist, dass ein Landes aus diesem gescheiterten und letztendlich katastrophalen Modell des Fiatgeldmengenwachstums und dessen entsetzlichen Auswirkungen ausbricht. Dieses eine Land müsste in einer besonderen Situation sein, an der leicht ersichtlich ist, dass es durch eine Währungsabwertung, über die es keine Kontrolle hat, geschädigt wird. Zum Glück für die Welt existiert so ein Land: Deutschland.

Die untragbare geldpolitische Lage Deutschlands schafft eine einmalige Gelegenheit

Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten, China und Japan die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Erstaunlicherweise kontrolliert es seine eigene Geldmenge nicht, weil es ein Mitglied der Europäischen Währungsunion (EWU) ist, die aus 17 Nationen besteht, die eine gemeinsame Währung benutzen – den Euro. Jedes Mitglied, egal welcher Größe, hat ein gleiches Stimmrecht in der Geldpolitik, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verwaltet wird. Immer häufiger ist Deutschland die einsame Stimme für monetäre Zurückhaltung – kürzlich wurde es mit 16 zu 1 über einen EZB-Plan überstimmt, eine größere Anzahl von Euros zu drucken, um bankrotte Mitglieder der EWU zu retten. Dies ist eine Situation, die für jedes andere Land unerträglich wäre; jedoch aufgrund der Geschichte Deutschlands will es ungern als „anti-europäisch“ gesehen werden und versucht statt dessen, innerhalb des Rahmens der EWU, die bankrotten Länder zur Reform ihrer Wirtschaft zu zwingen. Aber dies ist ein hoffnungsloses Unterfangen, wie Dr. Philipp Bagus von der König Juan Carlos Universität, Madrid, in seinem großartigen Buch „Die Tragödie des Euro“ erläutert. Die verantwortungslosen Länder genießen alle Vorteile, so dass es wenig Anreiz und keinen Zwangsmechanismus für sinnvolle Reformen gibt. Deshalb haben die Autoren dieser Zeilen in einem früheren Artikel („A Golden Opportunity“) Deutschland aufgefordert, die EWU zu verlassen, die Deutsche Mark wieder einzuführen und diese an Gold zu binden.

Erst vor kurzem ertönten in Deutschland Rufe, die erheblichen Goldreserven, die sich im Ausland befinden, zurückzuführen. Der Bundestag ist die treibende Kraft hinter dieser Bewegung. Die Bundesbank, Deutschlands immer noch vorhandene Zentralbank, hat zugestimmt, ungefähr ein Zehntel ihrer enormen im Ausland befindlichen Goldreserven innerhalb der nächsten drei Jahre zu repatriieren.

Allerdings ist dies für die eigentliche Aufgabe nicht ausreichend. Deutschland muss sein ganzes Gold repatriieren. Es gibt nur einen Grund, warum eine Zentralbank wünschen würde, ihr Gold zurückzuführen: Um als Reserve in einem goldgedeckten Geldsystem zu dienen. Der Markt muss sich sicher sein können, dass das Gold tatsächlich existiert, dass es unter der absoluten Kontrolle seines rechtmäßigen Besitzers ist und dass es nicht verleast wurde oder Teil einer Swapvereinbarung ist. Außerdem muss die Zentralbank dazu bereit sein, Forderungen nachzukommen, Gold in spezifizierter Menge im Austausch gegen seine Papiergeldscheine und den Bucheinträgen der Guthaben der Geschäftsbanken zu liefern.

Entscheidend ist die Lieferung von Gold auf Forderungen

Falls Deutschland die Deutsche Mark mit seinem eigenen Gold decken sollte, müssen die Märkte sicher sein, dass die Bundesbank auf Nachfrage das Gold liefern kann und wird. Denn unter einem goldgedeckten System ist Gold das Geld. Die Papierstücke, die Menschen in ihren Geldbörsen tragen und in Keksdosen aufbewahren und die verbuchten Einnahmen bei Geschäftsbanken sind kein Geld per se; dies sind Geldsubstitute, die in richtiges Geld getauscht werden können – in Gold. Die Zentralbank kann diese Anforderung nur erfüllen, wenn sie absolute Kontrolle über ihr Gold hat.

Die Bundesbank hat bedeutende Mengen ihrer ausländischen Goldbestände bei der Federal Reserve Bank in New York und der Bank of England in London. Zu einer bestimmten Zeit mag es sinnnvoll gewesen sein, das Gold in diesen Ländern zu lagern, um es für den Fall geschützt zu haben, dass die Rote Armee Deutschland überrennen würde. Glücklicherweise besteht diese Gefahr nicht mehr. Aber die Federal Reserve Bank zögerte sehr, Deutschlands Gold seinen rechtmäßigen Eigentümern zu zeigen. Jetzt frage ich Sie, ist dies nicht ein sehr verdächtiges Verhalten? Warum sollte die Fed ablehnen, Deutschland oder jeder anderen Nation das reale Gold zu zeigen? Üblicherweise wird Sicherheit als Grund genannt, aber was sollte nach Ansicht der Fed passieren? Glaubt sie, dass bewaffnete Räuber sich heimlich mit einigen Barren davonmachen können? Das ist grotesk. Deutschland ist der Eigentümer des Goldes. Deutschland sollte darauf bestehen, sein Gold zu sehen, sein Gold zu zählen, das Gold auf den Feingehalt zu prüfen und kurzfristig Vorbereitungen treffen, um sein Gold in seine eigenen Tresore nach Deutschland zu bringen.

Lasst Gerechtigkeit walten

Entweder ist das ganze Gold dort, und Gerüchte über das Gegenteil sind unbegründet, oder ein Teil des Goldes ist nicht da oder wurde irgendwie belastet. Sollte ersteres zutreffen, ist alles gut. Sollte das letztere zutreffen, dann sollten wir das jetzt erfahren, so dass wir jedem weiteren Diebstahl Einhalt gebieten können und ein Gericht für Finanzverbrechen einrichten, um alle vor Gericht zu stellen, die einen Anteil an dem Diebstahl hatten. Falls dass bedeutet, dass Beamte der Zentralbanken in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich strafrechtlich verfolgt werden, dann sei es so.

Lasst uns die Wahrheit herausfinden, wie auch immer sie lautet, damit wir mit der wichtigen Arbeit fortfahren können, die Weltfinanzen auf die solide Basis gesunden Geldes zu stellen und nicht auf die Versprechungen von Schwindlern. Lasst uns die Rechtsauffassung „fiat justitia ruat caelum“ übernehmen – „der Gerechtigkeit soll Genüge geleistet werden und wenn der Himmel einstürzt“, und das Ziel nicht aus den Augen verlieren, den Rest der freien Marktwirtschaft zu retten, und mit dem schwierigen Prozess beginnen, unsere Freiheiten wiederherzustellen.

Informationen:

Godfrey Bloom ist Finanzökonom und Gewinner internationaler Fondmanagement-Preise. Als Mitglied des Europäischen Parlaments für die United Kingdom Independence Party ist er im dortigen Ausschuss für Wirtschafts- und Geldpolitik sowie Vorsitzender des parlamentarischen Mises-Buch-Klubs.

Patrick Barron ist selbstständiger Bankenberater. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität von Wisconsin, Madison, und lehrt Österreichische Ökonomie an der Universität von Iowa, in Iowa City, wo er mit seiner Frau lebt, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist.

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 7.12.2012 auf der Webseite mises.org unter dem Titel „German Gold“ veröffentlicht. Übersetzung für ef-online von Robert Grözinger.


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Autor

Godfrey Bloom und Patrick Barron

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